Vollgas mit Leichtigkeit

Der Porsche 718 Cayman GT4 RS ist dank viel ­Leistung und Leichtbau wie geschaffen für die Rennstrecke.

Wer den Porsche 718 Cayman GT4 mochte, der wird den GT4 RS lieben. In den Händen des deutschen Rennfahrers Jörg Bergmeister umrundete er die 20.6 Kilometer lange Nordschleife des Nürburgrings in 7:04.511 Minuten – 23.6 Sekunden schneller als der GT4. Auf einer Strecke, wo um einzelne Sekunden gekämpft wird, ist das eine halbe Ewigkeit. Da ein RS-Modell von Porsche immer ein Kampfgerät für die Rennstrecke ist, verschaffen auch wir uns einen ersten Eindruck des Fahrzeuges auf einem Rundkurs: in Estoril in Portugal. Die 4.182 Kilometer lange Strecke mit ihrer langen Geraden und den engen Haarnadelkurven ist prädestiniert für den kleinen Porsche.

Die 368 kW (500 PS) des Triebwerks bedeuten ein Leistungplus von 80 beziehungsweise 100 PS im Vergleich zu den beiden anderen Sechszylinder-­Cayman, dem GT4 und dem GTS. Das entspricht einer Literleistung von 125 PS/l, ein aussergewöhnlich hoher Wert für einen Saugmotor. Sein ganzes Potenzial entfaltet der Sechszylinder-Boxer zwischen 6000 und 8500 U/min, wo die Leistungsexplosion den Fahrer mit Gewalt in die Sitzschale drückt. Der Vorwärtsdrang wird begleitet von ­einem heisernen Bellen, wie man es bereits aus dem GT3 kennt.

Im Gegensatz zum 718 GT4 gibt es den RS nur mit Doppelkupplungsgetriebe. «Wir haben uns für das PDK entschieden, weil es die besseren Beschleunigungswerte liefert als das manuelle Schaltgetriebe», erklärt Oliver Hilger, Pressesprecher für die Sportmodelle, beinahe rechtfertigend. Schliesslich kann der Fahrer auch so jederzeit über die Lenkradpaddels eingreifen. Die sieben Gänge sind eng abgestuft, eine Übersetzung ins Lange gibt es nicht. Das sorgt für eine absolut effiziente Beschleunigung.

Gewichtsoptimierung

Der RS ist auch leichter, um 35 Kilogramm im Vergleich zum GT4. Die Gewichtsreduktion ist die Folge einer Abmagerungskur mit kohlefaserverstärktem Kunststoff an der Motorhaube, an den vorderen Kotflügeln und am auffälligen Schwanenhals-Heckspoiler. Dazu kommt eine Heckscheibe aus Leichtbauglas. Weitere zehn Kilogramm Reduktion der ungefederten Massen können durch die optional verfügbaren Magnesiumfelgen und Keramikbremsen gewonnen werden. Die Bremsscheiben haben einen Durchmesser von 408 Millimetern vorne sowie 380 Millimetern hinten. Zwei Naca-Luftauslässe in den Kotflügeln verbessern die Belüftung der Bremsscheiben ohne Verschlechterung des Luftwiderstandes. Die Bodenfreiheit wurde im Vergleich zum GT4 um 30 Millimeter verringert und die Spur verbreitert. Dazu kommt ein erweiterter Einstellbereich des Fahrwerks.

Die hinteren Seitenscheiben des GT4 RS werden durch zwei Lufteinlässe ersetzt, die den Vierliter-Boxer mit Frischluft versorgen. Sie laufen in einer zentralen Airbox zusammen, die hinter den Sitzen thront – gut sichtbar von aussen. Die eigentliche Motorkühlung erfolgt wie gehabt durch die seitlichen Lufteinlässe hinter den Türen. Ausserdem wurden diverse Änderungen an der Aerodynamik vorgenommen. Der manuell in drei Positionen verstellbare Heckflügel sorgt für 25 Prozent mehr Abtrieb, und der Frontspoiler ist ebenfalls verstellbar.

Der 718 GT4 RS kann durch zahlreiche Optionen personalisiert gestaltet werden. Das Clubsport-Paket umfasst einen zertifizierten Sicherheitskäfig, Sechspunkt-Sicherheitsgurte und einen Feuerlöscher. Ausserdem bietet Porsche ein Weiss­ach-Paket mit Titanauspuff, Karbonelementen und den bereits erwähnten geschmiedeten Magnesiumfelgen an. Die 20-Zoll-Felgen mit Zentralmutter sind eine Premiere.

Enormes Potenzial

Beeindruckend ist der Unterschied im Handling zwischen dem GT3 RS und dem GT4 RS, der sich auf der Rundstrecke offenbart. Trotz der extrem hohen Leistungsreserve bleibt im Cayman alles verblüffend einfach. Die Verschiebung des Schwerpunktes nahe an den Fahrzeugmittelpunkt durch den im Vergleich zum 911 um 180 Grad gedrehten Antriebsstrang verleiht dem GT4 RS eine extreme Agilität und Reaktivität. Ein fein dosierter Stoss aufs Gaspedal reicht aus, um das Fahrzeug um seine Hochachse pendeln zu lassen, ohne dass es dabei von der Ideallinie abkommt.

Wechselt man am Ende der knapp einen Kilometer langen Start-Ziel-Geraden bei rund 260 km/h vom Gas- aufs Bremspedal und lässt das Getriebe, begleitet vom Krach der automatischen Zwischengasstösse, drei Gänge zurückschalten, begreift man erst, welche hohe Ansprüche an die Technik hier erfüllt werden müssen. Die Trockensumpfschmierung und der separate Öltank sind die Gewährleistung dafür, dass der Motor auch unter stärksten Längs- und Querbeschleunigungen stets mit Öl versorgt wird und den Ausflug auf die Rennstrecke unbeschadet übersteht.

Der Preis von mindestens 176 900 Franken, der für den GT4 RS zu entrichten ist, ist ordentlich. Der 911 GT3 RS, der auch noch in diesem Jahr erwartet wird, wird aber wohl noch einmal 100 000 Franken teurer sein. Da ist der kleine Cayman schon fast ein Schnäppchen.

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