Brit-Sport in Reinkultur

Die ­Briten präsentieren die dritte Generation des 2005 erstmals vorgestellten Range Rover Sport mit Sechs- und Acht­zylinder von mild bis wild.

Ein berühmter Kunde hätte ihn vielleicht des Namens wegen nicht zuoberst auf der Wunschliste stehen gehabt, den Range Rover Sport. Denn Winston Churchill war als bekennender Nichtsportler – «No sports!» – ein Kunde der ersten Stunde der offroad-tauglichen Fahrzeuge aus dem britischen Solihull. Nun ist die Haltung zum Sport heute natürlich eine andere. Und seit aus Geländewagen Sports Utility Vehicles geworden sind, schwingt die Ertüchtigung natürlicherweise stets mit, selbst dann, wenn die entsprechenden Fahrzeuge ja nur als Transportmittel für sportliche Aktivitäten und gewiss nicht selber als sportlich zu verstehen sind. Beim Range Rover Sport war das stets anders. Und tatsächlich unterstreicht er seit seinem ersten Auftauchen als Range Stormer in Detroit (USA) 2004 – als erstes Concept-Car von Land Rover überhaupt – sein sportliches Image gegenüber dem grossen, seriösen Range Rover. Damit ist auch klar: Der Range Rover Sport darf sich mehr erlauben, er darf dynamischer sein, vielleicht etwas vorlauter – bei aller britischen Zurückhaltung – und definitiv jünger als der Grosse.

Reduziert elegant

Mut zur schlichten Linie zeigt der neue Sport buchstäblich von vorne bis hinten. Sofort fallen die versenkten Türgriffe wie beim Topmodell auf. Sie verleihen auch dem kleinen Range Rover ein glatteres, geschliffeneres Äusseres. Dazu betont der Sport die Horizontale auch am Heck. In gewohnter Manier gibt es eine einteilige Heckklappe, der zweigeteilte Zugang zum Gepäckfach bleibt dem grossen Range Rover vorbehalten. Das Spiel mit den Linien, die Reduktion auf einfache, flächige Formen führt der Sport im Innenraum fort. Zunächst eher unterschwellig bestätigt der Neue seine Klasse, indem er auch hier auf absolute Ruhe bei der Gestaltung setzt. Dazu gesellt sich eine Materialwahl, die sich wohltuend vom Plastikvielerlei mancher Konkurrenten abhebt. Ein spannender Touch ist dazu – eigentlich sonst eher der gestalterische Todesstoss moderner Armaturentafeln – der zentrale Screen, der zudem leicht gebogen ist. Er ist tatsächlich fliegend gestaltet und macht damit keinerlei Anstalten mehr, als integrierter Bestandteil wahrgenommen zu werden. Da steckt kein kleiner Hochaltar inmitten des Armaturenbretts. Der Schirm bleibt ein Schirm, und den Instrumenten respektive deren zweitem Bildschirm bleibt ein Instrumententräger samt Überdachung erhalten. Auch das wirkt klassisch – und elegant.

Endlich richtig

Endlich, so könnte man sagen, wird der rumpelnde Vierzylinder künftig aus dem Range Rover Sport verbannt. Damit laufen die Engländer wie so oft direkt gegen den Strom der Konkurrenz. Ob als Plug-in-Hybrid mit sensationeller Reichweite dank 38-kWh-Batterie oder als Mildhybrid mit Benzin- oder mit Dieselmotor, in allen Range Rover Sport steckt in Zukunft mindestens ein Sechszylindermotor. Das Spitzenmodell erhält hingegen ­einen Twinturbo-V8-Motor mit 390 kW (530 PS). Dieser steht besonders für brachiale Leistung. Nach der Begegnung mit dem Ingenium-Sechszylinder im Defender darf man sich aber besonders auf die sehr fein laufenden Reihenmotoren in einer zu ihnen bestens passenden, hochkultivierten Umgebung freuen.

Bemerkenswert in der in Aussicht gestellten Motorenpalette ist besonders der P510E Plug-­in-­Hybrid. 113 Kilometer Reichweite bei rein elektrischem Betrieb verspricht die JLR-Entwicklungsabteilung in Gaydon. Die Systemleistung des Dreiliters im Zweigespann mit einem im Antrieb integrierten Elektromotor beträgt dabei 375 kW (510 PS). Die hervorragende Offroad-Tauglichkeit des Range Rover Sport bleibt damit fraglos vollständig erhalten. 2024 allerdings wollen die Briten auch ­eine vollelektrische Variante nachreichen.

Sportfähigkeit

Wie Ernst es Land Rover mit dem Range Rover Sport ist, zeigt der technische Aufwand beim Fahrwerk. Ob mit seiner variablen Luftfederung, der Dämpfung mit automatischen Zweiwegventilen für verschiedene Kennungen oder einer elektromechanischen Wankunterdrückung mit 48 Volt, die sich über die Querstabilisatoren mit bis zu 1400 Nm gegen die Seitenkräfte stemmt, oder gar mit der Allradlenkung – der Range Rover Sport soll punkto Fahrdynamik seinem Namen gerecht werden. Moment! Wir haben das Torque-Vectoring via Bremseingriff und die elektronisch geregelte Differenzialbremse vergessen.

Weniger Sportlichkeit, dafür mehr Effizienz bei der Bedienung und Nutzung weiterführender Dienste, der Kommunikations- und Unterhaltungsfeatures, verspricht das Infotainmentsystem Pivi-Pro. Funktionen lassen sich damit individualisiert konfigurieren und auf dem Touchscreen anzeigen, wobei keine Funktion mehr als zwei Bedienschritte erfordern soll, so das Versprechen des Herstellers. Und alles, was Alexa versteht, lässt sich dank der Integration der Amazon-Sprachsteuerung auch mündlich dem Fahrzeug auftragen. Man darf auf den Range Rover Sport der dritten Generation also gespannt sein.

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