Sport-Kanapee

VW präsentiert den ID 4 GTX als Sportler. Leistungsplus und Allradantrieb sorgen für mehr Vielseitigkeit, echte Emotionen weckt er aber kaum.

Elektrofahrzeug und Emotionen sind zwei Begriffe, die durchaus Spannungen erzeugen. Für die einen lassen sich die beiden nicht vereinen, für die anderen sind sie die Lösung. «Das bisher emotionalste ID-Familienmitglied zeigt, dass sich E-Mobilität und herausragende sportliche Fahrleistungen nicht gegenseitig ausschliessen», sagt VW-Markenchef Ralf Brandstetter über den ID 4 GTX.

Beim Anblick der technischen Daten meint man, dass der ID 4 den GTX-Badge zurecht trägt, so wie früher die sportlichen Scirocco-­Modelle. Die zwei Elektromotoren, einer pro Achse, leisten zusammen 220 kW (299 PS) und 460 Nm. Für den Sprint von 0 auf 100 km/h bedarf es rund 6.2 Sekunden, das ist das Niveau eines Golf GTI. Aber dann fällt der Blick auf das Gewicht, welches die Pferdestärken dann doch wesentlich bremsen dürfte. Genug der Theorie und Annahmen, setzen wir uns ans Lenkrad und schauen, was der VW ID 4 GTX wirklich kann.

Schwebendes Raumgefühl

Der Innenraum vermittelt wenig Sportgefühl, denn mit Ausnahme weniger Rottöne – sichtbare Nähte am Armaturenbrett und Einsatz im Lenkrad – entspricht das Cockpit den braven ID-4-Versionen. Diese Farbelemente, passend zu den blauen Stoffeinsätzen im Armaturenbrett und der Türverkleidung, werten den Qualitätseindruck des Interieurs auf, können aber auch keine Wunder bewirken: Man entdeckt alsbald billig wirkende Hartplastikelemente. Die Platzverhältnisse sind grosszügig von den Vordersitzen über die Rücksitze bis zum Kofferraum (543 l). Die Ergonomie sorgt für anhaltende Diskussionen im Testteam, weil alles, einschliesslich der Temperaturregulierung, über den zwölf Zoll grossen Touchscreen bedient wird. Dafür muss man aber ständig den Blick vom Verkehrsgeschehen abwenden und manchmal eine Funktion bis tief in einem Menü suchen. Ein Manko, welches durch das sehr gute Head-up-Display (1630 Fr. Aufpreis, Paket Infotainment Plus) ausgeglichen wird. Es animiert den Fahrer dazu, den Blick immer nach vorne zu richten. Das kann von Vorteil sein, denn die Landschaft rauscht schnell vorbei, der ID 4 GTX braucht nur 4.7 Sekunden zum Erreichen von 80 km/h. Nach diesem sportlichen Antritt geht dem deutschen SUV die Puste aus, und der Geschwindigkeitsrausch ist schnell vorbei. Das Auto mag keine schnell durcheilten Kurven, denn das hohe Gewicht von 2230 Kilogramm macht sich unweigerlich wieder bemerkbar. Der ID 4 GTX kämpft mit deutlichen Wankbewegungen, die auch die – eher straffe – Federung nicht auszugleichen vermag.

Gute Reichweite, aber…

Der ID 4 GTX ist also trotz Schriftzug und Ankündigung kein Sportwagen. Er ist zu steril und schwerfällig, um diesem Anspruch gerecht zu werden. Seine Leistungsstärke gepaart mit dem Allradantrieb erhöhen jedoch die Vielseitigkeit, was einen echten Vorteil im Land des Wintersports mit sich bringen kann. Die Reichweite ist mit ungefähr 430 Kilometer im Verkehrsmix ausreichend, auf der Autobahn sollte man nicht mit mehr als 300 Kilometern rechnen. Die obligatorische 40-minütige Pause an einer 125-kW-Ladesäule reicht für das Nachladen der Batteriekapazität auf 80 Prozent. Dieser Wert ist anständig, wird aber von der direkten, vorwiegend koreanischen Konkurrenz deutlich unterboten. 

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