AC Schnitzer: Ende des Jahres ist (vorläufig) Schluss mit dem Tuninghersteller

Automobil Revue | 23.03.2026

AC Schnitzer ist seit Jahrzehnten eine feste Grösse im Tuningmarkt. Zum Ende des Jahres trennt sich allerdings der Unternehmensinhaber von der Marke, das Geschäft mit Tuningprodukten sei am Standort Deutschland nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben. Mit Kaufinteressenten für AC Schnitzer gibt es allerdings Verhandlungen.

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Eigentümer der Marke AC Schnitzer ist die Kohl-Gruppe, ein Multimarken-Autohändler (BMW, Mini, Landrover, Jaguar, Alfa Romeo, Opel und mehr) im westdeutschen Aachen. 1987 hatten Willi Kohl, Inhaber der Kohl automobile, und Herbert Schnitzer, Inhaber von Schnitzer Motorsport in Freilassing in Bayern, gemeinsam das Unternehmen AC Schnitzer mit Stammsitz in Aachen gegründet.

Seitdem steht AC Schnitzer für Tuning und sportliches Fahren – aber nicht nur der Markt hat sich geändert, sondern auch der Zeitgeist. Es gebe eine Vielzahl an Gründen, dass sich das Geschäft mit Tuningprodukten am Standort Deutschland nicht mehr wirtschaftlich betreiben lasse, sagt Rainer Vogel, Geschäftsführer von AC Schnitzer.

Dazu gehören laut Vogel steigende Kosten in der Entwicklung und Herstellung von Teilen, die Wettbewerbsnachteile erzeugten. Durch «die extrem lange Dauer der Zulassung von Teilen im deutschen System» sei AC Schnitzer gegenüber nicht-deutschen Wettbewerbern «mehr und mehr ins Hintertreffen geraten».

«Wenn wir mit Anbauteilen erst acht oder neun Monate nach der Konkurrenz auf den Markt kommen können, spricht dies für sich», so Vogel. Auf der Nachfrageseite verschärfen ein verändertes Konsumverhalten, die verschlechterten internationalen Marktbedingungen und der schleichende Rückzug des Verbrennungsmotors die Situation zusätzlich.

Aktuell haben die Zölle im wichtigen US-Markt ebenso Spuren in den Bilanzen hinterlassen wie steigende Rohstoffpreise, volatile Wechselkurse oder das Anbietersterben auf der Zuliefererseite. Dazu komme die generelle Kaufkraftzurückhaltung, die in der nunmehr seit vier Jahren global schwächelnden Konjunktur auch den Heimatmarkt Deutschland einbrechen liess.

Zudem würden Käufer für Fahrzeugveredlung durch Anbau- und Umbauteile häufig medial in eine Sonderling-Rolle und in ein Poser-Image gedrängt. «Sicher zählt auch zur Wahrheit, dass es uns – wie anderen Tuningunternehmen ebenfalls – nicht gelungen ist, junge Kunden vom Spass am sportlichen Fahren mit unserer Marke so zu begeistern, wie es die Generation ihrer Väter war», sagt Vogel.

Ob die Marke AC Schnitzer zum Jahresende dann tatsächlich Geschichte ist, wir sich noch zeigen. Aktuell laufen nach Auskunft von Vogel Gespräche mit Interessenten für die Übernahme der Marke. Unabhängig vom Ausgang dieser Gespräche werden die vorhandenen Lagerbestände bis zum Jahresende abverkauft.

Garantien und Support gewährleistet die Kohl-Gruppe über das Jahresende hinaus, betont Vogel.

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Fotos: AC Schnitzer

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