AMAG-CEO Helmut Ruhl: «Elektromobilität nicht durch neue Steuern ausbremsen»

Automobil Revue | 16.01.2026

Die Marken der Amag haben das schwierige Autojahr 2025 erfolgreich gemeistert und den Marktanteil der Gruppe auf 32.1 Prozent ausgedehnt. Knapp jedes dritte verkaufte Auto von Audi, Seat/Cupra, Skoda und VW war ein Elektromodell. CEO Helmut Ruhl warnt aber davor, den Hochlauf der Elektromobilität zu behindern. Wenn die Schweiz ihren Rückstand in Europa aufholen wolle, «braucht es einfach zugängliche Ladeinfrastruktur, günstigen Strom und erschwingliche Elektrofahrzeuge in allen Segmenten».

Amag Autos

Der VW Tiguan war bestverkauftes Auto der Amag 2025, VW ID.Polo, Cupra Raval und Skoda Epiq sind Hoffnungsträger der Zukunft

Mit rund 7500 Mitarbeitenden und etwa 800 Lernenden erzielte die Amag-Gruppe einen konsolidierten Umsatz von 5.0 Milliarden Franken. In einem weiterhin rückläufigen Gesamtmarkt ist der Marktanteil von 32.1 Prozent der zweitbeste Wert in der Unternehmensgeschichte. Helmut Ruhl, CEO der Gruppe: «Neben dem Technologiewandel stellt der rückläufige Markt die Branche vor grosse Herausforderungen.»

Mit 25’607 verkauften Fahrzeugen im Jahr 2025 und einem Plus von 1535 Einheiten (+6.4 Prozent) und einer Marktanteilsteigerung von +1.0% vergrösserte die Marke VW den Abstand auf den Zweitplatzierten und ist zum 27. Mal in Folge die meistgekaufte Automarke in der Schweiz. Skoda erreichte 2025 mit einem Rekordmarktanteil von 9.5 Prozent (+0,7 Prozent) erstmals den zweiten Platz. Audi folgt auf Rang 5, Seat/Cupra rundet mit Platz 7 das Gesamtergebnis der Volkswagen-Marken in der Schweizer Markenrangliste ab. Mit Mit 5181 zugelassenen Fahrzeugen ist der VW Tiguan das beliebteste Modell der Marke.

Bei den Bestsellern stammen sechs der meistverkauften Fahrzeugmodelle allgemein und sechs der meistverkauften reinelektrischen Fahrzeuge aus dem Volkswagen-Konzern. Zudem ist Volkswagen Nutzfahrzeuge mit einem Marktanteil von 21.3 Prozent erneut Marktführer im Segment der leichten Nutzfahrzeuge bis 3.5 Tonnen.

Helmut Ruhl AMAG

Helmut Ruhl

Wachstumsschub durch VW ID.Polo, Cupra Raval und Skoda Epiq

Bei seinem Ausblick auf das Jahr 2026 ist Ruhl nur bedingt optimistisch. Der Markt bleibe voraussichtlich schwach. Einen Wachstumsschub erwartet er durch die Urban Electric Car Family mit den Modellen VW ID.Polo, Cupra Raval und Skoda Epiq. Die neue Generation elektrischer Kleinwagen verbinde bezahlbare Preise mit europäischer Produktion und mache Elektromobilität noch attraktiver. Ruhl: «Wir glauben, in 10 Jahren werden 90 Prozent der Fahrzeuge in der Schweiz elektrisch sein.»

Mit einem Anteil von rund 23 Prozent batterieelektrischen Fahrzeugen plus 12 Prozent Plug-in-Hybriden sei man in der Schweiz 2025 allerdings weit hinter der Zielmarke von 50 Prozent geblieben. Damit liege die Schweiz in Europa auf Rang 13. «Wenn wir diesen Platz nach oben korrigieren wollen, braucht es einfach zugängliche Ladeinfrastruktur, günstigen Strom und erschwingliche Elektrofahrzeuge in allen Segmenten», betonte Ruhl. «Wir hoffen, dass die Bemühungen des Bundes für den einfacheren Zugang zu privater Ladeinfrastruktur zügig umgesetzt wird.»

Störfeuer seien in dieser Situation nicht zu gebrauchen: «Die angedachte Besteuerung von Ladestrom würde die Transformation weiter verlangsamen. Wer zu Hause laden kann, bezahlt gleich viel wie beim Betanken eines Benziners. Wer öffentlich laden muss, würde mindestens 50 Prozent mehr bezahlen. Wir hoffen, dass die Bemühungen des Bundes für den einfacheren Zugang zu privater Ladeinfrastruktur zügig umgesetzt wird.»

Ruhl weiter: «Was ist wichtiger: Eine vermeintliche Finanzierungslücke im NAF zu decken oder die Schweizer Klimaziele zu erreichen? Das ist die entscheidende politische Frage. Wir haben eine klare Position als Amag. Wenn E-Autos den Marktdurchbruch geschafft haben, sollten sie sich an der Strassenfinanzierung beteiligen. Sie jetzt zu besteuern, ist absolut kontraproduktiv.»

AMAG Stele 28 Rappen Tarif Sara Keller Photography media high

Um öffentliches Laden attrakiv zu machen, bietet die Amag an ausgewählten Standorten in der Schweiz weiterhin das Laden für 28 Rappen pro Kilowattstunde an. Das Angebot gilt für Fahrzeuge, die von der Amag offiziell importiert wurden.

Die zur Gruppe gehörende Helion Energy AG errichtete im vergangenen Jahr Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 52.4 GWh – unter anderem Grossanlagen für Aldi, die Gotthard-Arena sowie für das ASTRA bei Yverdon. Damit produzieren alle je von Helion installierten Anlagen knapp 290 Prozent mehr Strom als alle seit jeher von der Amag importierten Elektroautos verbrauchen.

Fotos: Sarah Keller, Amag, Cupra, Skoda, VW

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