Automobil Revue | 13.03.2026
Die europäischen Automobilhersteller könnten den Kostenvorsprung der chinesischen Konkurrenz aufholen, wenn sie ihre Entwicklungs- und Herstellungsprozesse schlanker gestalteten. Denn nicht allein die Lohnkosten machen Autos made in China billiger, sagt das Beratungsunternehmen Roland Berger.
In einer Analyse kommt das Beratungshaus zu dem Ergebnis, dass die Kostenvorteile der Chinesen darauf gründen, dass sie in der Entwicklungszeit 25 bis 30 Prozent schneller sind als die europäischen Wettbewerber und auch um 20 bis 30 Prozent günstiger. Rund 60 Prozent der Kostendifferenz entstehen durch Design‑ und Systementscheidungen, so Roland Berger.
Ablesen lässt sich das an Hand des Fakts, dass die Chinesen ihre Kostenvorteile auch weitgehend retten, wenn sie Teile ihrer Wertschöpfungskette nach Europa verlagern. Das betrifft insbesondere Forschung und Entwicklung, die chinesischen Hersteller behalten auch mit europäischen Lohnstrukturen mehr als 50 Prozent ihrer Effizienzvorteile, nach Auswertungen von Roland Berger in einzelnen Fällen bis zu 80 Prozent.
Kostenvorteil entsteht im Design, nicht nur in der Lohnabrechnung
Die Analyse von Roland Berger zeigt: Rund 60 Prozent des Kostenvorteils entstehen durch Design‑ und Systementscheidungen, etwa durch konsequente Standardisierung, reduzierte Variantenvielfalt und ein „fit‑for‑purpose“-Engineering, also der Fokus auf marktrelevante Leistung. Weitere Treiber sind wettbewerbsfähige Lieferantenstrukturen und operative Effizienz, nicht primär Personalkosten.
«China Speed ist kein kulturelles Phänomen, sondern das Ergebnis klarer Entscheidungen bezüglich Produktdesign, Portfoliokomplexität und der Lieferantenbasis. Und genau deshalb ist ein Teil davon auch in Europa umsetzbar», sagt Oliver Knapp, Senior Partner bei Roland Berger.
Roland Berger identifiziert Geschwindigkeit in China als Ergebnis eines konsequent integrierten Entwicklungsansatzes. Chinesische Hersteller verkürzten Entwicklungszeiten vor allem durch:
• Deutlich kürzere Strategie‑ und Entscheidungsphasen
• Einen hohen Anteil virtueller Tests von bis zu 80 Prozent
• Parallele Entwicklung von Software und Hardware
• Frühe, systematische Einbindung von Lieferanten
Roland Berger nennt als Beispiel einen chinesischer Hersteller von Personenfahrzeugen, der seine Entwicklungszeit um 14 Monate im Vergleich zum globalen Referenzwert reduzieren konnte. Hauptsächlich erfolgte das durch organisatorische und prozessuale Anpassungen, ohne Abstriche bei Marktfähigkeit oder Produktreife.
Für die europäischen Hersteller sieht das Beratungsunternehmen die Chance auf ein «China Speed Light». Die Analyse zeige, dass China Speed auch in Europa möglich sei – wenn auch in einer abgespeckten Version. Europäische Unternehmen verfügten über wichtige Stärken, als Beispiel nennt Roland Berger tiefe Kundenkenntnis, regulatorische Expertise, starke Marken und hohe Qualitätsreputation.
Doch diese Stärken verlören an Wirkung, wenn Kostenlücken und Entwicklungszeiten nicht deutlich verkleinert und verkürzt werden. Europäische Unternehmen könnten aber gezielt Elemente der chinesischen Produktionsweise übernehmen und an die eigenen Systeme anpassen.