Fehlstart ins neue Autojahr

Klaus Justen | 08.02.2024

Markt Zum ersten Mal seit fast eineinhalb Jahren dominieren bei den Neuimmatrikulationen wieder die Minuszeichen. Das Ergebnis fiel schlechter aus als im Vorjahr.

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Volatil wie die Börse: Die Kurve der Neuimmatrikulationszahlen der Schweiz (Januar 2023 bis Januar 2024) zeigt starke Ausschläge nach oben wie nach unten. Die besten Monate im vergangenen Jahr waren der März, Juni und Dezember. Der Januar ist ein eher magerer Monat.

Branchenexperten hatten gewarnt: Das Autojahr 2024 könnte kompliziert werden. Konjunkturelle Risiken und Unwägbarkeiten, höhere Kosten in allen Lebensbereichen, dadurch entstehende Unsicherheit bei den Verbrauchern. Dazu die Einführung der Autoimportsteuer für Elektrofahrzeuge. Das alles sei unter Umständen Gift für die Nachfrage.

Der erste Monatsabschluss der Strassenverkehrsämter scheint den Kassandrarufen Recht zu geben: Erstmals seit 16 Monaten sind die Marktzahlen rückläufig, es gelang nicht, die Zahlen des Vorjahresmonats zu übertreffen. 1201 Auto wurden im Januar 2024 weniger verkauft als 2023. Das ist ein zwar überschaubares Minus von 7.3 Prozent – aber es tut der Branche weh. «Derzeit fehlen die Impulse, besonders von privaten Kundinnen und Kunden sowie bei Elektroautos, die nach Jahren des stetigen Wachstums an Marktanteilen verlieren – bedingt durch die verschlechterten Rahmenbedingungen», fasst der Branchenverband Auto-Schweiz den Start ins neue Autojahr zusammen.

Starker Rückgang bei Elektroautos

Reine Elektrofahrzeuge waren in der Tat die grossen Verlierer im Januar. Mit 16.8 Prozent fiel ihr Rückgang bei den Neuimmatrikulationen heftig aus. Im ähnlichen Umfang mussten nur noch reine Verbrenner mit Ottomotoren – also ohne jegliche Hybridunterstützung – Federn lassen, hier lag der Rückgang bei fast 16 Prozent. Leichte Zuwächse gab es bei Dieselmodellen, hier allerdings auf ­einem mittlerweile schon recht niedrigen Niveau. Inzwischen werden fast genauso viele Plug-in-Hybride wie Selbstzünder verkauft, das PHEV-Segment schrieb mit 14.1 Prozent zweistellige Zuwachsraten. Dieses starke Wachstum der Plug-in-Hybride sorgt dafür, dass der Marktanteil der Steckerfahrzeuge insgesamt leicht zunahm. Mit 1582 Autos, die über einen Benzin- oder Dieselmotor in Kombination mit einem über das Stromnetz aufladbaren elektrischen Antrieb verfügen, und den 2364 Elektroautos lag ihr Gesamtmarkanteil im Januar bei 25.9 Prozent, das ist minimal (0.2 Prozentpunkte) mehr als beim Jahresauftakt 2023. Reine Benziner verloren zwar 3.3 Prozentpunkte und fielen auf 32.6 Prozent Marktanteil, bleiben aber Marktführer. Hybridantriebe ohne Stecker legten um 2.1 Punkte auf 30.3 Prozent Marktanteil zu. Dieselmotoren (ohne Hybridtechnik) treiben 11.1 Prozent der Neuwagen an.

Bei reinen Elektroautos, den BEV, sorgte der Rückgang von 2840 (Januar 2023) auf jetzt 2364 Autos überdies für einen schwächelnden Marktanteil. Der sank von 17.3 auf 15.5 Prozent. «Nach fast zehn Jahren des kontinuierlichen Wachstums muss dieses Minus ein lauter Weckruf für die Bundespolitik sein. Kontraproduktiv wirken die Einführung der Importsteuer auf E-Autos und die nach wie vor ungenügenden Rahmenbedingungen für die Elektromobilität», verortet Auto-Schweiz-Präsident Peter Grünenfelder die Ursachen in der Politik. «Damit die Schweiz den Weg zu einer CO2-freien Mobilität fahren kann, muss die Politik diese Hausaufgaben endlich anpacken.» Zu Hausaufgaben zählt Grünenfelder unter anderem den Zugang zur Ladeinfrastruktur, der schweizweit benutzerfreundlicher werden müsse. Ausserdem müssten die Stromversorgungssicherheit mit dem Mantelerlass gestärkt und die starken Strompreissteigerungen im staatlich dominierten Energiemarkt durch eine konsequente Liberalisierung bekämpft werden.

BMW bei den Marken vorn

Auch wenn die Fahrzeugstatistik nach einem Monat ähnliche Aussagekraft hat wie die Tabelle der Super League nach einem Spieltag, gibt es doch bemerkenswerte Einzelaspekte. Mit dem Skoda Octavia hat sich ein Verbrennermodell unangefochten an die Spitze der meistverkauften Autos gesetzt (s. Tabelle), und mit BMW hat ein Premiumhersteller die Poleposition bei den Marken inne – die Bayern schafften es als einzige Topmarke, im Januar ein Absatzplus hinzulegen. Dieses fiel sogar zweistellig aus, während die Konkurrenz von Audi oder Mercedes zum Teil mehr als 20 Prozent verlor. VW, als Nummer eins auf dem Schweizer Markt eigentlich gesetzt, rutschte mit fast 25 Prozent Rückgang sogar auf Platz drei hinter die Konzernmarke Skoda.

Tesla Model Y weltweit Nummer eins

Mit dem Tesla Model Y war im vergangenen Jahr erstmals ein Elektroauto das meistverkaufte Automodell weltweit. Dies ergaben Auswertungen des Beratungsunternehmens Jato Dynamics. Demnach wurden in den wichtigsten Märkten USA, Europa, China und Indien sowie in den grossen Märkten in Süd- und Mittelamerika sowie Südostasiens 1.23 Millionen Model Y verkauft. Damit löste die Baureihe des amerikanischen Herstellers das bislang führende Duo von Toyota ab: RAV4 und Corolla rutschten auf die Plätze ab. Laut Jato-Analyst Felipe Muñoz werde der Markt für Elektroautos in China und Europa immer wichtiger, da seien die beiden Toyota-Modelle nicht in der Lage, erfolgreich zu konkurrieren. 

Top Ten Schweiz 2024

  1. Skoda Octavia 508

  2. Skoda Enyaq 339

  3. VW Golf 270

  4. Skoda Karoq 259

  5. Mercedes GLC 255

  6. Volvo XC60 252

  7. Tesla Model Y 250

  8. BMW X3 239

  9. Audi A3 229

10. Toyota Yaris 219

Foto: Adobe Stock

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