Automobil Revue | 19.10.2026
Gebrauchte Elektroautos gewinnen wieder an Wert. Seit Jahresbeginn sind die Preise im europäischen Händlerhandel um mehr als 9 Prozent gestiegen. Das geht aus dem erstmals veröffentlichten Aampere EV Resale Index für das dritte Quartal 2026 hervor.
Der Index basiert auf den Höchstgeboten aus rund 5000 Händlerauktionen auf der Plattform des Münchner Unternehmens Aampere. Händler aus zehn europäischen Ländern können auf die angebotenen Fahrzeuge bieten. Damit erfasst die Auswertung nicht bloss die Preisvorstellungen von Verkäufern, sondern die Beträge, die der Handel tatsächlich zu zahlen bereit ist.
Besonders gefragt sind demnach Elektroautos mit einem ursprünglichen Listenpreis zwischen 50'000 und 85'000 Euro. Die Fahrzeuge der Mittelklasse (SUV wie Limousinen) lassen sich laut Aampere am einfachsten weiterverkaufen. Kleinwagen und teure Luxusmodelle stossen dagegen auf weniger Händlerinteresse – sei es wegen der begrenzten Reichweite oder der kleineren potenziellen Käuferschaft.
Die Ergebnisse deuten damit auf einen Gebrauchtwagenmarkt hin, in dem nicht zwangsläufig das günstigste Elektroauto die besten Absatzchancen bietet. Gefragt sind vielmehr Fahrzeuge, die möglichst viele Bedürfnisse abdecken und sich in unterschiedlichen europäischen Märkten vermarkten lassen.
Tesla bleibt bei den Restwerten an der Spitze. Nach drei Jahren erzielen das Model 3 noch 57.6 Prozent und das Model Y 55.9 Prozent ihres ursprünglichen Neupreises. Der Marktdurchschnitt liegt bei 48 Prozent. Auch Modelle etablierter Hersteller schneiden teilweise solide ab: Der BMW iX3 erreicht 50.7 Prozent, der Škoda Enyaq 50 Prozent und der Hyundai Ioniq 5 48.4 Prozent.
Deutlich schwieriger ist die Situation für chinesische Marken. Ihre Elektroautos erzielen nach drei Jahren durchschnittlich noch 41 Prozent des Neupreises. Zudem bieten laut Aampere rund 30 Prozent weniger Händler auf solche Fahrzeuge als auf vergleichbare Modelle anderer Hersteller. Hohe Rabatte auf Neuwagen und der noch junge Gebrauchtwagenbestand erschweren die Einordnung allerdings.
Die Differenz zwischen den Restwertkönigen und dem Marktdurchschnitt ist erheblich. Bei einem ursprünglichen Kaufpreis von 50'000 Franken entspricht sie rechnerisch rund 4600 Franken.
Als einen Treiber der steigenden Nachfrage nennt Aampere die hohen Treibstoffpreise. Sie verbessern je nach Fahrprofil die Betriebskostenrechnung zugunsten des Elektroautos. Gleichzeitig wächst das Angebot an gebrauchten Stromern erst allmählich, da viele Fahrzeuge erst nach drei bis vier Jahren auf den Zweitmarkt gelangen, steigende Nachfrage trifft also auf vergleichsweise wenig Angebot.
Quelle: Aampere EV Resale Index Q3 2026. Die Ergebnisse basieren auf europäischen Händlerauktionen und sind nicht ohne Weiteres auf den Schweizer Markt übertragbar.
Foto: Tesla, Grafiken: Aampere