Studie Garage 2035: Die Werkstatt wird zur Service-Cloud

Michael Schenk | 13.01.2026

Die Garage 2035 ist weniger Hebebühne als Bühne: für digitale Prozesse, neue Kundenerwartungen und eine Beratungskompetenz, die E-Mobilität, Software und Vertrauen zusammenbringt. So skizziert es eine am Tag der Schweizer Garagen in Bern präsentierte Studie von Studierenden der Universität St. Gallen. 

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Heute läuft vieles noch nach dem klassischen Ritual: anrufen, vorbeikommen, Auto abgeben, später wieder holen. 2035 dreht sich diese Logik um. Die «Garage 2035» denkt den Kundenprozess Ende-zu-Ende: Online-Terminbuchung, Status-Updates in Echtzeit, digitale Freigaben, transparente Abrechnung – so selbstverständlich, wie wir heute Pakete tracken. Sichtbarkeit wird Pflicht: Social Media, ein klarer Markenauftritt, ein digitales Schaufenster, das Vertrauen schafft, bevor überhaupt jemand den Hof befährt.

Gleichzeitig verschiebt sich das Leistungsversprechen. Servicequalität schlägt Produktkauf, Loyalität wird zur Währung. Vor-Ort-Beratung bleibt zentral – aber sie wird anspruchsvoller. Denn E-Mobilität ist nicht nur ein anderer Antrieb, sondern ein anderes Gespräch: Laden, Infrastruktur, Software-Updates, Energieeffizienz, Reichweitenrealität. Die Garage wird zum Übersetzer zwischen Technik und Alltag.

Neue Standards, Umsätze und Zumutungen

Die Treiber sind hart: Digitalisierung, demografischer Wandel, neue Standards. Millennials dominieren die Kundengruppen, die Jüngeren wollen es digital und flexibel, die Älteren suchen weiterhin Nähe und Verlässlichkeit – doch die Bindung an «die Garage ums Eck» wird schwächer, der Vergleich einfacher, der Preis transparenter. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an Self-Service: Kundinnen und Kunden möchten Abläufe selbst anstossen, verstehen, kontrollieren.

Daraus entstehen neue Geschäftsfelder – aber auch neue Pflichten. Die Studie beschreibt die Garage 2035 als Service-Infrastruktur: ein E-Mobility Hub inklusive Wallbox-Installation als zusätzlicher Umsatzstrom, predictive Maintenance für planbare und effizientere Abläufe, digitalisierte Reparaturprozesse mit Video-Dokumentation für maximale Transparenz. Dazu kommt ein Wissenshub: Ratgeber, Tutorials, Howtos – nicht als Marketing-Gag, sondern als Kompetenzbeweis.

Die Herausforderung ist klar benannt: Beratungskompetenz ausbauen, Digitalisierung aktivieren, Kundenbeziehungsmanagement stärken. Kurz: Die Garage muss gleichzeitig technischer, digitaler und menschlich bleiben! 2035 gewinnt nicht, wer am schnellsten schraubt – sondern wer Vertrauen industrialisiert, ohne es zu entmenschlichen. Eine Service-Cloud, ja. Aber eine mit Gesicht.

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