60 Jahre BMW 02: der Porsche-Schreck aus Bayern mit oqɹnʇ-Schriftzug auf dem Spoiler

Wolfram Nickel | 07.02.2026

Mit einem kleinen Zweitürer gelang BMW vor 60 Jahren der Sprung in den Club der Premiummarken: Der BMW 1600-2 begründete die legendäre 02-Familie mit rasantem «tii« und  revolutionärem «turbo». Kompakte Dynamiker, die dem Zeitgeist vorausfuhren und die Basis für den BMW 3er legten.

BMW2002

1966 war das Jahr, in dem das deutsche Wirtschaftswunder pausierte und die rebellische Jugend tradierte Regeln in Frage stellte – und der unkonventionelle, kleine BMW 1600-2 die Münchner Marke gross herauskommen liess. Anfangs ahnte niemand, dass dieser Zweitürer – kaum grösser als ein VW Käfer – als neues Herzstück von BMW und Vorbote der Generation GTI Geschichte schreiben sollte.

Gerade erst hatte sich BMW mit den viertürigen Neue-Klasse-Limousinen 1500 bis 2000 aus einer existenziellen Krise befreit und dazu den Slogan „Aus Freude am Fahren“ etabliert, da liefen im März 1966 die Bänder für den neuen Basis-Typ 1600-2 an.

Der in schlichtem Schick designte Dynamiker feierte seine Premiere am Salon in Genf. Mit 63 kW (85 PS) starkem Vierzylinder sprintete der 920 Kilogramm leichte, familientaugliche Flitzer ähnlich rasant wie ein Porsche 912, allerdings begann die Preisliste für das kleine Neue-Klasse-Derivat fast auf dem Niveau von luxuriösen Opel-2.6-Liter-Sechszylindern.

Anfangs trug er inoffziell hinter der Typenbezeichnung 1600 die -2 für Zweitürer, um ihn von der viertürigen Neuen Klasse zu unterscheiden, später wurde daraus die 1602 – oder 1802 und 2002.

Prominente im BMW 02: TV-Moderatorin Petra Schürmann liess sich im 1802 ablichten, Fussballer Gerd Müller und Familie schworen auf die Marke, und der Rennfahrer Hubert Hahne liess zu seiner Hochzeit mit der Schauspielerin Diana Körner eine Sonderserie mit zwölf leistungsgesteigerten 2002 bauen und nannte sie «Diana». Zum Vergrössern anklicken!

Die Kunden störte es nicht: Der BMW 1600-2 – als ti mit 77kW (105 PS) – erwarb sich den Ruf des Rennstrecken-tauglichen Sportgeräts für Familie und Firma. „BMW im Glück“, befand die Fachpresse, dabei folgte die legendärste Variante des Zweitürers mit Coupé-artiger Form erst 1968: Der meist Inka-Orange oder Gold-Gelb lackierte 2002 übernahm die Rolle des Lieblings der linken Autobahnspur und amerikanischer Highways. „Quicker than schnell“, textete BMW USA dazu, und tatsächlich überholte BMW sogar Porsche beim Start in die Turbo-Ära: Der revolutionäre 2002 turbo ging schon 1973 in Produktion.

Inzwischen bekannten sich auch Sportgrössen und TV-Promis wie Moderatorin Petra Schürmann, Rennfahrer Hans-Joachim Stuck oder der Bundesliga-Rekordtorschütze Gerd Müller zu den BMW 02-Typen, die zudem in TV-Krimis wie «Der Kommissar» oder «Tatort» automobile Hauptrollen besetzten.

14 Sportlich Sparen Nach der Olkrise legte BMW Ende 1974 Foto BMW AG

Rennfahrer Hans-Joachim «Striezel» Stuck mit dem nach der Ölkrise 1974 vorgestellten Sparmodell BMW 1502 mit 75 PS

Die Zahl 2002 wurde in der BMW-Community Kult, besonders mit «tii»-Abzeichen für den 96 kW (130 PS) leistenden Einspritzmotor, den sich knapp 40‘000 Kunden gönnten: In neun Sekunden auf Tempo 100 war eine Sensation, und die dann typischen blauen Öl-Auspuffwolken vor den markanten Rücklichtern verrieten deklassierten 911-Piloten, welche kompakte Sportlimousine hier die Freude am Sprintderby feierte.

12 Setzte die Konkurrenz unter Druck Mit dem BMW 2002 turbo Foto BMW AG

BMW 2002 turbo – mit dem Turbo-Schriftzug in Spiegelschrift

Noch furioser fetzte der 125 kW (170 PS) freisetzende 2002 turbo, der teurer war als mancher Porsche. Bei der Vorstellung an der IAA präsentierte BMW den Wagen mit Turbo-Schriftzug in Spiegelschrift auf dem Spoiler – als dezenten Hinweis an den Vordermann, der im Rückspiegel ja Turbo in Klarschrift lesen konnte, Platz zu machen.

Das wurde in der Öffentlichkeit als prollig wahrgenommen, löste gerade in Zeiten der Ölkrise Kritik am Unternehmen aus, so dass die Spiegelschrift nicht zum Serienumfang gehörte. Auf Wunsch des Kunden wurde das Auto aber mit «oqɹnʇ» auf dem Spoiler ausgeliefert.

Glücklos blieben ab 1971 die schnellen dreitürigen Sportkombis BMW 1600 bis 2002 tii touring, die eine Idee des Glas 1304 CL in gefälligeres Shootingbrake-Design verpackten – aber ihrer Zeit offenbar immer noch zu weit vorausfuhren. Nur 52'000 touring wurden in drei Jahren ausgeliefert, was sie heute zu gesuchten Klassikern adelt.

02 Aller 3er Anfang Mit dem kompakten BMW 1600 Foto BMW AG

Der Urahn der 02-Baureihe: 1966 präsentierte der bayerische Hersteller den kompakten BMW 1600. Für weitere Bilder auf den Pfeil klicken!

03 Perfekt fur Rundstrecke und Rallye Der BMW 2002 Foto BMW AG

Erfolgsgarant im Motorsport: Der BMW 2002, hier als Gruppe-2-Fahrzeug im Jahr 1978

04 In Inka Orange und mit Zusatzscheinwerfern die linke Foto BMW AG

In Inka-Orange und mit Zusatzscheinwerfern. Der 2002 ti beanspruchte die Überholspur auf der Autobahn für sich

05 Stilikone mit italienischen Genen Der BMW 1600 GT Quelle autodrom

Der BMW 1600 GT wurde von der Carrozzeria Frua ursprünglich für Glas gezeichnet, blieb bei BMW aber glücklos

08 Kostspieliger Frischluftspass fur vier Das vom Karossier Baur Foto BMW AG

Das vom Karrosier Baur gebaute BMW 2002 Cabriolet vereint Targadach vorne und klassisches Verdeck hinten

09 Schicker Sportkombi ohne Fortune Der 1971 lancierte Foto BMW AG

1971 lancierte BMW den 02 touring. Die Verkaufszahlen hielten sich aber in Grenzen

Noch kurzlebiger verlief die Karriere des Coupés BMW 2002 GT4 aus der Carrozzeria Frua: 1969 und 1970 zählte der 2+2-Sitzer zu den Highlights des Pariser Salons, dennoch hoffte Pietro Frua vergeblich auf Applaus aus München. Marcello Gandini, Erfinder der Keilform und von Supercars wie dem Lamborghini Miura, erlebte mit seinem für Bertone gezeichneten BMW 2002 ti Garmisch auf dem Genfer Salon 1970 ähnliches.

Waren 1966 viele BMW-Händler skeptisch ob der Verkaufschancen des kostspieligen 1600-2, widerlegte der Nullzwo am Ende alle Zweifler.

Bis zum Schluss blieb er in Bestform, noch kurz vor dem Start des BMW 3er Reihe feierte der 02 frische Rekordverkaufszahlen. Erst im Juli 1977 und nach 827‘535 Einheiten stoppte der Produktionszähler für die BMW-02-Reihe – die direkt vom Kultauto zum Klassiker mutierte. SP-X/AR

16 Der vor 60 Jahren prasentierte zweiturige BMW 1600 Foto autodrom

Fotos: BMW, Autodrom

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