Montagmorgen: Alfa Romeo Giulietta Spider

Peter Ruch | 25.03.2024

Die Anfrage für eine offene Giulietta kam aus den USA - und Pininfarina lieferte einen der legendärsten Spider überhaupt.

Alfa Romeo Giulietta Spider 18

  • Gebaut von 1955 bis 1962
  • Es entstanden etwa 14’300 Exemplare
  • Der Inbegriff des italienischen Spider

Maximilian Edwin Hoffmann müsste endlich einmal ein gutes Buch gewidmet werden. Er betrieb in Österreich einen der grössten Importhandel für Automobile, bevor er in den 1930er Jahren zunächst nach Frankreich und schliesslich nach Amerika auswanderte. In New York gründete er die Max Hoffman Motor Car, die sich auf den Vertrieb europäischer Fahrzeuge spezialisierte. Als Generalimporteur für die gesamten USA hatte er grossen Einfluss auf die Modellpolitik der von ihm betreuten Marken, Porsche, Mercedes, BMW. Und so hörte man auch bei Alfa Romeo genau hin, als Max Hoffman nach einer offenen Variante der gerade neuen Giulietta fragte. Ihm schwebte ein kleiner Zweisitzer für die Sonnenstaaten Kalifornien und Florida vor, der von den Kunden am Wochenende auch bei den beliebten Clubrennen eingesetzt werden konnte. Er sollte komfortabler sein als die weit verbreiteten Roadster britischer Herkunft. Mit einer funktionierenden Heizung, einem ordentlichen Verdeck und Seitenscheiben zum Kurbeln statt zum Stecken. Die Bedenken von Alfa Romeo, in Europa seien Cabriolets gerade nicht besonders in Mode, konterte Hoffman lässig – er bestellte kurzerhand ein Startkontingent von 600 Stück.

Die Designstudios Pininfarina und Bertone legten Entwürfe für eine zukünftige Giulietta Spider vor. Basis sollte das noch einmal um fünf Zentimeter verkürzte Chassis des Sprint Speciale sein. Für Bertone griff Franco Scaglione zum Zeichenstift. Nach seinen Ideen entstanden schliesslich zwei Prototypen, die Scagliones von den B.A.T.-Mobilen bekannte Handschrift trugen: geschwungene Linien mit futuristischen Details wie zu Heckflossen ausgeformte hintere Kotflügeln und in die Karosserie eingelassene Rückleuchten. Pininfarinas Wettbewerbsbeitrag – umgesetzt in insgesamt drei Prototypen – fiel deutlich nüchterner aus. Kritiker sagen: nahezu eine verkleinerte Version des vom selben Team entworfenen Lancia Aurelia B24 Spider. Wie auch immer, heute gilt der Alfa Romeo Giulietta Spider als eines der schönsten Cabriolets aller Zeiten.

Die Entscheidung zugunsten Pininfarina fiel schliesslich vor allem aus produktionstechnischen Gesichtspunkten. Scagliones Design wäre in der industriellen Fertigung nur teuer umzusetzen gewesen, darüber hinaus wurden Probleme mit den amerikanischen Zulassungsvorschriften befürchtet. Ausserdem war Bertone zu diesem Zeitpunkt mit der Produktion der Giulietta Sprint ohnehin mehr als ausgelastet. Pininfarinas Spider musste dagegen nur in Details geändert werden: Windschutzscheibe und Armaturenbrett in weniger komplexer Form, Seitenscheiben zum Kurbeln, äussere Türöffner hinzufügen, auf speziellen Wunsch von Max Hoffman den Schalthebel vom Lenkrad auf den Kardantunnel verlegen, Stossstangenhörner verkleinern.

Auf dem Pariser Autosalon und der Frankfurter IAA im Herbst 1955 wurde der Giulietta Spider präsentiert. Und schlug ein wie eine Bombe. Hunderte von Kunden hätten das fast winzige, zweisitzige Cabriolet sofort mitgenommen. Die europäischen Fans mussten sich allerdings noch eine Weile gedulden – vertragsgemäss gingen die ersten Serienmodelle in die USA. Bis 1962 wurden schliesslich rund 14’300 Giulietta Spider gebaut. Charakteristisch für die Front waren der dominante, senkrecht stehende Kühlergrill und die relativ weit über die Vorderachse flach herunter gezogene Motorhaube. Die schlanke Seitenlinie wird betont von unterhalb der Türausschnitte verlaufenden Chromleisten. Auch die Kofferraumhaube läuft flach aus. Die hinteren Kotflügel bilden kleine Heckflossen, die auch die Rücklichter tragen.

Unter der Motorhaube arbeitete der 1,3-Liter-Motor des Sprint mit zunächst 65 PS. 1958 stieg die Leistung durch Doppelauspuffanlage und angehobene Verdichtung auf 80 PS. 1959 wurde der Giulietta Spider gründlich überarbeitet (2. Serie), auch hier änderte sich der Baureihencode von 750D zu 101.03. Der Radstand wuchs um fünf Zentimeter und war damit nun identisch zum Sprint Speciale. 1961 wurde die Giulietta Spider ein letztes Mal modernisiert (3. Serie). Es wurden bereits einige Elemente des ab 1962 vorgesehenen Nachfolgers Giulia Spider mit 1,6-Liter-Motor umgesetzt (z. B. etwas flachere Heckflossen mit grösseren Rückleuchten, Details im Innenraum, das Verdeck verschwindet nun wieder komplett hinter den Sitzen).

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