BMW i5 – Businessklasse

Klaus Justen | 30.05.2024

Elektrokombi Das Angebot elektrisch angetriebener SUV ist gross. Mit dem i5 Touring schickt BMW nun eine Alternative ins Rennen – jedoch mit kräftigem Aufschlag im Vergleich zum Diesel.

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Würden allein die Schweizer Kunden entscheiden, könnte sich BMW den Aufwand mit der 5er-Limousine sparen. 80 Prozent der in der Eidgenossenschaft verkauften Autos der 5er-Reihe hören auf den Namen Touring. Kombis sind nicht nur in den Unternehmensflotten gefragt, sondern auch bei den Privatkäufern. Da ist die Schweiz auf einer Linie mit Ländern wie Deutschland, Italien oder Grossbritannien, die zu den wichtigsten Absatzmärkten des BMW 5er Touring gehören – plus Japan, wie Produktmanager Oliver Munder während der Präsentation der sechsten Modellgeneration sagte. Die Autohersteller beschwören gerne, dass ihre Modelle von den jungen, aktiven Kunden gekauft werden. Ob es nun die Möglichkeit ist, das Mountainbike, Ski und Snowboard oder die Golfbags bequem im grossen Heckabteil unterzubringen oder ob der Kombi generell familienfreundlicher ist? Fakt ist, so Munder, dass der durchschnittlicher Touring-Käufer 53 Jahre alt ist – und damit vier Jahre jünger als der Limousinenfahrer.

Seit Einführung der ersten Touring-Generation Ende 1991 wurden von den fünf Baureihen insgesamt mehr als 1.2 Millionen Fahrzeuge verkauft. Mit der sechsten Generation hält nun ein neuer Antrieb Einzug in den Antriebsmix. Mit dem i5 Touring sind die Bayern die erste Premiummarke mit einem vollelektrischen Kombi. Generell ist das Angebot an Kombinationskraftwagen mit Elektroantrieb bislang noch eher dünn gesät. Opel Astra Electric Sports Tourer und Peugeot e-308 SW aus dem Stellantis-Konzern sind zu nennen, allerdings bedienen diese den Volumenmarkt. Gleiches gilt für den MG5. Mit Premiumanspruch tritt der Nio ET5 Touring an, jedoch sind die Verkaufszahlen der chinesischen Marke in Europa noch überschaubar. Und in der Schweiz ist Nio offiziell noch gar nicht präsent.

Gleich mit zwei i5-Varianten startet BMW. Der eDrive 40 bietet eine Leistung von 230 kW (313 PS) und wird ganz klassisch an den Hinterrädern angetrieben. Die Lithium-Ionen-Batterie hat eine Nettospeicherkapazität von 81.2 Kilowattstunden, was nach WLTP für eine Reichweite von bis zu 560 Kilometern gut sein soll. Mit einem Preis von knapp 88 000 Franken liegt der Elektroaufschlag im Vergleich zum Diesel in Form des 520d mit Hinterradantrieb bei rund 15 000 Franken. In einer völlig anderen Preisliga spielt das Topmodell, der – ohne Optionen – knapp 127 000 Franken teure i5 M60 xDrive. Als Energiespeicher ist die gleiche Batterie eingebaut, sie liefert den Strom für zwei Elektromotoren mit 380 kW (517 PS) Systemleistung, die Reichweite liegt bei 500 Kilometern.

Deutlich gewachsener Touring

Doch was hat sich generell getan beim Wechsel zur sechsten Modellgeneration? Als allererstes: Der 5er Touring ist um fast zehn Zentimeter auf 5.06 Meter gewachsen, damit bewegen wir uns in Dimensionen, die bislang der 7er-Reihe vorbehalten waren. Gewachsen ist auch der Radstand, mit 2995 Millimetern kratzt er an der Dreimetermarke. Gut, dass es im Rahmen des adaptiven M-Fahrwerks Professional (Serie im M60 xDrive, sonst 5200 Fr. Aufpreis) eine Hinterachslenkung gibt, so wird Rangieren im Parkhaus entspannter. Die gestreckten Proportionen ergeben ein stimmiges Bild und einen seriösen Auftritt. Was beim Modellwechsel verloren ging, ist die Möglichkeit, das Heckfenster separat zu öffnen, um schnell etwas aus dem Kofferraum zu holen oder nach Beladen mit dem grossen Gepäck noch Jacken zu deponieren. Mit 570 Litern fällt der Kofferraum üppig aus, der Zuwachs von zehn Litern ist aber marginal. Dafür aber ist das Kofferraumvolumen für alle Antriebsformen gleich, da mussten bislang Fahrer von Plug-in-Hybriden ja deutliche Abstriche machen. Der Längenzuwachs kommt vor allem den Passagieren zugute, vorne in Form von mehr Schulterfreiheit, auf den hinteren Plätzen gibt es mehr Raum für Beine, Schultern und Ellenbogen.

Kompletter Antriebsmix

Zum Marktstart ist der 5er Touring neben den beiden Elektromodellen auch als Diesel erhältlich, als 520d mit Hinterradantrieb oder als 520d xDrive mit Allradantrieb. Die Vierzylinder-Selbstzünder sind mit 48-Volt-Technik mild hybridisiert und leisten 145 kW (197 PS). Verbrauchswerte um oder knapp unter sechs Litern pro 100 Kilometer prädestinieren den Touring Diesel zum Flottenauto. Als Benziner-Plug-in-Hybrid folgt im Juli der 530e Touring, er leistet 220 kW (299 PS). Der Preis steht aber ebenso wenig fest wie der für den Sechszylinder-Diesel 540d xDrive, zu dem BMW auch noch keine Leistungsdaten kommuniziert hat.

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Beim i5 M60 xDrive gehört die M-Sportbremsanlage zur Basisausstattung. 19-Zoll-Leichtmetallräder (Reifen vorne 245 mm, hinten 275 mm breit) sind serienmässig. Optional ist das Panorama-Glasdach, das viel Licht ins Auto lässt. Eine Bildschirmlandschaft mit insgesamt fast 30 Zoll Diagonale empfängt den Fahrer. Die neuen Sportsitze sind serienmässig, auf den hinteren Sitzen gibt es ein Plus an Beinfreiheit. Der Kofferraum fasst 570 Liter, variabel erweiterbar bis auf 1700 Liter.

Für eine erste Ausfahrt stand der elektrische BMW i5 M60 xDrive zur Verfügung. Er begrüsst einen mit einer Bildschirmlandschaft aus 12.3 Zoll grossem Informationsdisplay und 14.3-Zoll-Kontrolldisplay für Infotainment und Fahrzeugfunktionen. Die Oberflächen im Innenraum sind vegan, die neu konstruierten Sportsitze serienmässig. Alles wirkt markenkonform hochwertig und gut verarbeitet, Licht in den Innenraum bringt das optionale Panorama-Glasdach, das ­eine Fläche von rund einem Quadratmeter überspannt. Ob man die Iconic Sounds Electric braucht, die jede Bewegung des Fahrpedals mit künstlichem Sound unterlegen (Serie im M60), ist Geschmackssache.

Der 380 kW (517 PS) starke Stromer – beim Zug am Boost-Paddle links vom Lenkrad sind es kurzfristig 62 kW (84 PS) mehr – beeindruckt auch ohne akustisches Bling-Bling mit seinen Fahrqualitäten. Knapp 800 Newtonmeter Drehmoment lassen erst gar nicht den Eindruck aufkommen, hier müssten inklusive Fahrer rund 2.5 Tonnen beschleunigt werden. Das erledigt der M60 sozusagen im Vorbeigehen, und das nicht nur souverän, wenn es stur geradeaus geht, sondern auch auf kurvigen Landstrassen. Dafür sorgt das M-Sportfahrwerk, das an der Hinterachse mit einer Luftfederung agiert. Beachtlich ist zum einen die Tatsache, dass der M60 auf deutscher Autobahn auch bei Tempo 160 noch einmal kräftig anschiebt und linear durchbeschleunigt, bis bei Tacho 235 der Begrenzer sanft, aber verbindlich die Tempojagd beendet. Noch imponierender ist aber die Ruhe, die beim Reisetempo zwischen 130 und 150 km/h im Fahrzeug herrscht. Das bezieht sich einerseits auf die Stabilität, mit der das Fünfmetergefährt satt auf der Strasse liegt, aber auch auf den akustischen Komfort, leise Windgeräusche machen bewusst, was sonst vom Verbrennersound übertönt wird.

Zum schnellen Reisetempo gehört beim E-Fahrzeug auf jeden Fall auch das Ladetempo an der DC-Säule. Mit 205 kW Ladeleistung steht der i5, der auf 400-Volt-Technik aufbaut, gut da. Zum Ladekomfort trägt auch bei, dass die Zugangsdaten von bis zu fünf Ladenetzanbietern im Fahrzeug hinterlegt werden können, das Freischalten per App oder Karte entfällt dann an der Säule.

Ein Assistenzpaket für Reisekomfort entgeht den Schweizer Käufern: Der Driving-Assistant Professional, der es bis Tempo 130 erlaubt, die Hände komplett vom Lenkrad zu nehmen, und den Spurwechsel automatisch vornimmt, während der Fahrer nur mit einem Blick in den Aussenspiegel die Freigabe für den Wechsel geben muss, wird in der Schweiz nicht angeboten. Die gesetzlichen Bestimmungen erlauben den Einsatz nicht. 

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In der Schweiz leider nicht verfügbar: Der ­Driving-Assistant Professional erlaubt bis Tempo 130 freihändiges Fahren und den automatischen Spurwechsel.

Fotos: BMW

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