Toyota bZ4X: Im zweiten Anlauf überzeugt der Elektro-Crossover
Tomas Hirschberger | 26.11.2025
Die Reaktionen auf das erste E-Auto des japanischen Herstellers fielen eher verhalten aus. Vor allem Reichweiten und Ladezeiten konnten mit der Konkurrenz kaum mithalten. Jetzt folgt das Facelift und mit ihm auch ein deutliches Update des Antriebs. So hätte der bZ4X von Anfang an kommen müssen.
Nach drei Jahren erhält der Mittelklasse-Crossover ein umfangreiches technisches und optisches Upgrade. Die Preise starten bei knapp 40‘000 Franken.
Äusserlich hat Toyota den Crossover einmal glattgezogen und auf den aktuellen Familienlook getrimmt. Die Scheinwerfer sind nun schmaler, eingerahmt von dünnen Leuchtleisten für Tagfahrlicht und Blinker, der Hauptscheinwerfer wandert in den neuen Stossfänger. Die bislang unlackierten und kratzempfindlichen Verkleidungen um die Radhäuser präsentieren sich fortan hochglänzend schwarz.
Innen setzte Toyota ebenfalls an: Zwar bleibt die grundlegende Designsprache eher kühl und technisch, doch Materialien, Haptik und Bedienung zeigen sich sichtbar aufgewertet. Der zentrale Touchscreen-Bildschirm wächst auf 14 Zoll (vorher 12.3 Zoll), wurde von der Mittelkonsole getrennt und ragt weniger dominant hervor.
Einen deutlichen Sprung nach vorne verspricht vor allem das Update der Antriebstechnologie. Bislang gab es nur eine Batterievariante, jetzt sind zwei zur Wahl.
In der Basis hat der Stromspeicher 57.7 Kilowattstunden Kapazität und soll mit Frontantrieb und 18-Zoll-Rädern 444 Kilometer weit kommen. Die Version mit 73.1 kWh grosser Batterie schafft laut Toyota bis zu 569 km. Der kleinere Akku kommt mit einem 123 kW (167 PS) starken E-Motor und dürfte für alle interessant sein, denen es mehr um Effizienz als um maximale Power geht. Gekoppelt mit dem grösseren Akkupaket beträgt die Leistung in der Frontantriebsversion 165 kW (224 PS) und als Allradler 252 kW (343 PS). Bei der AWD-Version verdoppelt sich die Anhängerlast auf nun 1500 Kilogramm.
Am Schnelllader bleibt es bei maximal 150 kW Ladeleistung. Die neue Batterievorkonditionierung dürfte allerdings Ladezeiten deutlich verkürzen, vor allem im Winter, wo der bZ4X früher bei kalter Witterung zu abrupten Ladeabfällen tendierte.
Front- oder Allradantrieb: So fährt sich der Toyota bZ4x
Genug der Zahlen, ran ans Lenkrad. Auf der ersten Testrunde begleitet uns die frontgetriebene Version mit grossem Akku und 224 PS. Auffällig schon nach wenigen Metern, wie leise der bz4X geworden ist. Doppelverglasung in den vorderen Türen sowie zusätzliches Dämmmaterial, vor allem in den Radkästen, haben unliebsame Fahr- und Reifenabrollgeräusche gut im Griff.
Auch die Abstimmung des Fahrwerks hat Toyota grundlegend angepackt und neu definiert. Hinten sind die Dämpfer nun etwas weicher, vorne etwas straffer. Für ein direkteres Einlenkverhalten wurden zudem die Buchsen an der Vorderachse härter ausgelegt. Alles Maßnahmen zusammen bringen eine Qualität ins Auto, die Handling und Komfort spürbar verbessern.
Die Beschleunigung des 1.9 Tonnen schweren Stromers erfolgt weniger per Schlag-in-den-Nacken-Kick sondern harmonisch. Laut Datenblatt spurtet der Stromer in 7.4 Sekunden auf Tempo hundert und schafft maximal 160 km/h. Das Fahrgefühl selbst ist Toyota-typisch geblieben: ruhig, kontrolliert, unaufgeregt – ein Alltagsfreund, weitgehend ohne sportliche Ambitionen. Genau darin liegt auch die Stärke dieses Modells, das sich nicht in den Vordergrund drängen will, sondern seinen Zweck erfüllt.
Umstieg ins Topmodell. Die Allradversion mit zusätzlichem E-Motor an der Hinterachse ist nochmal aus ganz anderen Kabeln gewickelt. Das Drehmoment wird in Bruchteilen von Sekunden auf die Räder mit dem besten Gripp verteilt, neu abgestimmte Fahrmodi sollen laut Toyota verbesserten Gripp auf matschigem Untergrund oder tief verschneiten Pisten bieten.
Die volle Leistung fällt noch einmal deutlich nachhaltiger über den Crossover her. Insgesamt eher untersteuernd abgestimmt, bedient das Doppelmotor-Modell die Instinkte derjenigen, die Power vor Effizienz setzen. Allein die 20 Zöller an unserem Testwagen kosten über 30 Kilometer an Reichweite – und natürlich auch etwas Komfort.
In Summe wirkt der überarbeitete bZ4X wie ein Auto, das jetzt den Zustand erreicht, den viele schon beim Debüt erwartet hätten. Die nächste Chance, diese Form zu bestätigen hat Toyota bereits im Frühjahr. Dann startet der bZ4X Touring, die Langversion des Crossovers. SP-X/AR
Technische Daten Toyota bZ4X
Fünftüriger Elektro-Crossover, Länge 4.69 m, Breite 1.86 m, Höhe 1.165 m, Radstand 2.85 m. Kofferraumvolumen 452 Liter
Toyota bZ4X (Allradantrieb, 252 kW)
Elektroantrieb Leistung 252 kW (343 PS), Allradantrieb, Einganggetriebe, Leergewicht 2040 bis 2045 kg
Lithium-Ionen-Batterie mit 73.1 kWh Kapazität, maximale DC-Ladeleistung 150 kW, Ladezeit 10 bis 80 % in 28 min, AC-Laden 11 kW
Fahrleistungen Beschleunigung 0-100 km/h 5.1 s, Höchstgeschwindigkeit 160 km/h, Normverbrauch 14.5 bis 14.9 kWh/100 km (WLTP), Reichweite bis 516 Kilometer (WLTP)
Preis ab rund 50‘000 Franken (noch nicht offiziell)
Toyota bZ4X (Frontantrieb, 165 kW)
Elektroantrieb, Leistung 165 kW (224 PS), Frontantrieb, Einganggetriebe, Leergewicht 1930 bis 2015 kg
Lithium-Ionen-Batterie mit 73.1 kWh, maximale DC-Ladeleistung 150 kW, Ladezeit 10 bis 80 % in 28 min, AC-Laden 11 kW
Fahrleistungen Beschleunigung 0-100 km/h 7.4 s, Höchstgeschwindigkeit 160 km/h, Normverbrauch 13.9 bis 14.2 kWh/100 km (WLTP), Reichweite bis 569 Kilometer (WLTP)
Preis ab 47‘800 Franken
Toyota bZ4X (Frontantrieb, 123 kW)
Elektroantrieb Leistung 123 kW (167 PS), Frontantrieb, Einganggetriebe, Leergewicht 1845 bis 1910 kg
Lithium-Ionen-Batterie mit 57.7 kWh, maximale DC-Ladeleistung 150 kW, Ladezeit 10 bis 80 % in 28 min, AC-Laden 11 kW
Fahrleistungen Beschleunigung 0-100 km/h 8.6 s, Höchstgeschwindigkeit 140 km/h, Normverbrauch 13.9 kWh/100 km (WLTP), Reichweite bis 444 Kilometer (WLTP)