Bugatti Veyron F.K.P. Hommage: Wiederauferstehung einer Legende
Moritz Doka | 22.01.2026
Der Bugatti Veyron ist der unbestrittene Begründer des Hypercarsegments. Er hat Grenzen verschoben in der Autowelt, genau wie sein Vater Ferdinand Karl Piëch. Zu seinen Ehren und zur Feier des Jubiläums seiner kühnsten Schöpfung hat Bugatti gemeinsam mit einem Kunden ein Einzelstück erschaffen: den Veyron F. K. P. Hommage.
Es ist 2005. Angela Merkel wird zur ersten Bundeskanzlerin Deutschlands gewählt, aus den Sony-Ericsson-Walkman-Handys tönt Tokio Hotel, auf den PCs läuft Windows XP, YouTube macht sich daran, das Online-Konsumverhalten zu revolutionieren – und Bugatti baut den ersten Veyron, den als «Auto» zu bezeichnen der Blasphemie gleichkommt. Er ist eine Schöpfung, die das Segment der Hypercars begründet, es definiert, es lange Jahre dominiert und für viele bis heute DAS Hypercar schlechthin ist.
Auch nach über 20 Jahren können wir die Zahlen noch herunterbeten: 16 Zylinder, vier Turbolader, 1001 PS, 407 km/h Höchstgeschwindigkeit, eine Million Kaufpreis. Der Veyron ist das Kind eines Mannes, der die Autowelt genauso geprägt hat wie der Veyron selbst: Ferdinand Karl Piëch. Ab 1993 führte der Österreicher die damals verlustreiche VW AG wieder auf Kurs, maximierte die Qualität, diversifizierte das Markenportfolio und erweiterte es nach oben. Unter dem Credo «Alles ist möglich» verantwortete er Modelle vom Lupo bis zum Phaeton, vom XL1 bis zum Veyron.
Autos – jetzt haben wir es doch geschrieben –, die nicht alle kommerziell erfolgreich waren, aber zeigten, was mit Willen und Ingenieurskunst machbar ist.
Der Dreiliter-Lupo trieb Leichtbau mit Magnesiumlegierungen auf die Spitze, der Phaeton war das Nonplusultra in Sachen unscheinbarem Luxus, der XL1 das teuerste Sparauto der Welt.
Der Veyron – nun der Veyron war Raumfahrttechnik. Piëchs Vorgaben für das Leuchtturmprojekt waren so klar wie vermeintlich unvereinbar: 1000 PS, 400 km/h, Allradantrieb, so fahrbar wie ein Golf. Eine extreme Herausforderung, die die Ingenieure tatsächlich gemeistert haben.
Bugatti Veyron F.K.P. Hommage: Antrieb vom Bugatti Mistral
2026 jährt sich die Erstauslieferung des Veyron zum zwanzigsten Mal. Zu diesem Jubiläum und zu Piëchs Ehren hat Bugatti ein Einzelstück erschaffen: den Veyron F. K. P. Hommage.
Eine Art «was wäre gewesen, wenn …», das zeigt, wie ein Zwischenschritt vom Veyron hin zum Chiron hätte aussehen können. Der F. K. P. Hommage ist die zweite Kreation von Bugattis Solitaire-Programm; maximal zwei Einzelstücke fertigt die Abteilung pro Jahr.
Wie der Brouillard, der Ettore Bugattis Lieblingspferd huldigte, nutzt auch er die Technik des Mistral und damit die letzte Ausbaustufe des Quadturbo-W16, der im Veyron debütierte.
Dessen Grundkonzept geht auf den VR6 aus dem Golf 3 zurück, wo in einer Bank sechs Zylinder im 15-Grad-Winkel zueinander versetzt sind und so näher zusammenrücken können. Beim W16 bilden zwei Zylinderbänke mit jeweils acht Zylindern ein V; eigentlich ist der W16 also ein VVR16.
Ein «echter» W-Motor mit drei Bänken à sechs Zylindern wurde in der Entwicklungsphase aufgrund technischer Probleme verworfen. Das Endergebnis baut besonders kompakt und ist nur 645 Millimeter lang, während acht Zylinder in Reihe einen Meter lang gewesen wären.
Den Entwurf für den Motor skizzierte Piëch erstmals in Japan während einer Fahrt im Bullet Train – wie passend.
Die 736 kW (1001 PS) und 1250 Nm des Veyron werden im F. K. P. Hommage übertroffen: 1178 KW (1600 PS) und 1600 Nm leistet er dank grösseren Turboladern, verbesserter Kühlung, verstärktem Getriebe und weiteren Modifikationen.
Null auf 200 km/h gelingen beim Mistral in 5.6 Sekunden, 420 km/h erreicht er maximal. Diese Fahrleistungen peilt man mit dem Veyron F. K. P. Hommage ebenfalls an, wenngleich «Rasen» bei diesem Einzelstück allenfalls im Zusammenhang mit den Concours dieser Welt ein Thema sein dürfte.
Wie ein Veyron Facelift
Als visuelle Evolution des Veyron lehnt sich die Hommage an den Urvater an und kombiniert dessen glattes, fast schon zurückhaltendes Design mit merklich breiterer Spur, grösseren Lufteinlässen und flachen Scheinwerfern. Deren L-förmige Tagfahrlichtsignatur stammt aus der Feder des heutigen Bugatti-Chefdesigners Frank Heyl. Sie war ursprünglich gedacht für eine weitere Überarbeitung des Veyron, die aber nie realisiert wurde.
Wo vorne noch ein Hauch Chiron durchschimmert, sagt das Heck ganz klar «Veyron», zweifelsfrei die Schokoladenseite in einer ganzen Tafel edelster Zartbitter. Es ist pure Harmonie, von den runden LED-Kreisen über den ovalen Luftauslass bis zum grösseren Diffusor.
Was Schwarz scheint, ist Sichtcarbon, was sich als roter Lack präsentiert, ist eine Aluminiumgrundierung mit rotem Klarlack und einer Tiefe, die uns bei der Livebetrachtung im Studio sprachlos zurücklässt.
Audemars Piguet im Armaturenbrett des Bugatti Veyron F.K.P. Hommage
Noch weiter verabschiedet sich das Sprachvermögen, als Jan Schmid, Leiter Exterieur-Design bei Bugatti, beginnt, Details zu erläutern. Sämtliche Aluminiumteile sind aus vollen Alublöcken gefräst. Das 20-Jahre-Logo auf den Kotflügeln etwa, das mit verschiedenen Schliffen die französische Tricolore imitiert. Oder der Armaturenträger mit dem gleichen Schliff, den Ettore Bugatti den Motorblöcken seiner Rennwagen angedeihen liess. Oder die Lenkradspange, oder, oder, oder.
Im Fussraum ist «F. K. P. 17.04.37» eingestickt. Das Geburtsdatum von Ferdinand Karl Piëch, um die Verbundenheit des Fahrers mit der Maschine und ihrem Schöpfer zu zeigen – nur auf der Fahrerseite, weil man einen Bugatti nicht teilen kann. Als erster Bugatti trägt der F. K. P. Hommage Stoffbezüge. Eine Option, die es auch beim Tourbillon geben wird.
Und über allem thront auf dem Armaturenbrett eine Audemars Piguet Royal Oak Tourbillon. Sie entspricht exakt dem Armbanduhrenmodell und wurde auf Wunsch des Kunden hin exklusiv für dieses Auto entworfen. Sie ruht in einem eigens dafür entwickelten, rein mechanischen Uhrenbeweger, damit das Automatikuhrwerk nicht stehenbleibt.
Der Preis für den Bugatti Veyron F.K.P. Hommage? Unbekannt
Wer der Kunde ist und was er bezahlt hat, solch proletarische Fragen stellt man in diesen Kreisen nicht. Nur als Anhaltspunkt: Ein Mistral kostete rund fünf Millionen Franken. «Der Veyron F. K. P. Hommage bleibt in Europa», verrät man uns. Und: Der Kunde, der ihn bestellt hat, besitzt bereits einen Veyron in genau dieser Spezifikation.
Es ist 2026, und Bugatti hat der Welt ein weiteres Kunstwerk geschenkt.