Bergrennen Reitnau – Endlich grünes Licht

Interview: Werner J. Haller | 18.04.2024

Comeback Reitnau hat sein Bergrennen endlich zurück. 
In Zeiten, in denen Veranstalter immer wieder Rennen ­absagen müssen, ist das ­keine Selbstverständlichkeit.

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Bergrennen Reitnau 2019: Lokalmatador Simon Hugentobler rast im Reynard 93D auf die Zuschauertribüne zu.

Rund 170 Personen waren am 1. Juli 2023 anwesend, als Marc Buchser den neuen Verein Bergrennen Reitnau aus der Taufe hob (AR 27/2023). Das grosse Interesse zeigte vor allem, dass die Bevölkerung im Aargauer Dorf ihr traditionelles Bergrennen wieder zurückhaben wollte. Zuletzt hatte es vor den Pandemiejahren 2019 stattgefunden, damals noch unter der Regie der zuständigen Sektion des Automobil Clubs der Schweiz (ACS). Vergangene Woche, über neun Monate nach der Gründungsversammlung, gaben Vereinspräsident Buchser, das Organisationskomitee und der Partnerverein Equipe Bernoise (EB), der grösste Motorsportklub der Schweiz, grünes Licht. Das Bergrennen Reitnau wird am Wochenende vom 29./30. Juni der dritte Lauf zur Schweizer Bergmeisterschaft sein. Diese umfasst acht Rennen.

AUTOMOBIL REVUE: Im Sommer 2023 war die Gründungsversammlung des neuen Vereins Bergrennen Reitnau, der Zuspruch der Bevölkerung und von Rennfahrern war überwältigend. Trotzdem hat es über neun Monate gedauert, bis das endgültige O. k. kam. Weshalb?

Marc Buchser: OK-Präsident Jürg Gasser und ich hatten das Dossier für die Bewilligung sorgfältig zusammengestellt, das brauchte Zeit. Der Kanton Aargau bewilligte das Bergrennen dann zügig. Was sich ausserdem in die Länge gezogen hat, waren Gespräche mit Landbesitzern. Es geht ja nicht nur darum, die Strasse für einen solchen Anlass zu bekommen, wir brauchen neben der Strecke auch Land wegen der Infrastruktur für die Fans, Zuschauertribünen beispielsweise. Natürlich hätten wir auf den einen oder anderen Flecken Land verzichten können, aber das Rennen wäre nicht dasselbe gewesen wie zuletzt 2019.

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Gründungsversammlung Juli 2023: Marc Buchser (r.) präsentiert mit Künstler Victor Fischer ein neues Plakat für das Bergrennen Reitnau.

Sie zogen auch die Equipe Bernoise für das Comeback von Reitnau bei. Wie hat sich diese Partnerschaft bewährt?
Die EB wird vor allem am Rennwochenende im Einsatz sein. Sie hat Erfahrung bei der Durchführung von Bergrennen wie beispielsweise am Gurnigel. Wir vom Organisationskomitee hatten vor allem Arbeit in den vergangenen Monaten.

Die EB ist aber auch aus finanziellen Gründen ein wichtiger Partner. Nach der Gründung der Vereins Bergrennen Reitnau regelte die EB Bernoise das Finanzgeschäft. Das Geld für die Neulancierung des Bergrennens Reitnau war demnach nie ein Problem?
Bei der Vereinsgründung hatten wir lediglich die Idee, unser Bergrennen wieder aufleben zu lassen. Das Geld fehlte uns aber. Hätte die Equipe Ber­noise uns finanziell nicht unterstützt, wäre das Comeback des Bergrennens Reitnau nicht möglich gewesen. Wir werden der EB aber jeden Franken zurückzahlen. Schreiben wir nach dem Bergrennen Reitnau schwarze Zahlen, bekommt die EB auch etwas vom Gewinn ab.

Welches war die grösste Hürde auf dem Weg zum Comeback des Bergrennens Reitnau?
Es war von A bis Z ein Kraftakt. Herausfordernd waren aber vor allem die Gespräche mit der Dorfbevölkerung. Reitnau ist im Vergleich mit anderen Austragungsorten ein grosses Dorf. Andere Dörfer zählen 300, 400 Bewohner, Reitnau dagegen hat deren 1500. Es gab ausserdem rund 25 Parteien, von der Gemeinde über Landbesitzer bis zu Vereinen, die vom Bergrennen direkt betroffen sind, weshalb wir intensiv mit diesen in Kontakt standen. Die Durchführung des Bergrennens wäre schwierig geworden, wenn eine dieser Parteien Nein gesagt hätte.

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Mit Partnerverein: Die Streckenposten, hier beim letzten Bergrennen 2019, werden dieses Jahr von der erfahrenen Equipe Bernoise gestellt.

Sie erwähnten bei der Gründungsversammlung, dass sich die Bevölkerung mit dem Bergrennen sehr verbunden fühle. Half das dabei, das Bergrennen zurückzubringen?
Klar, es gibt auch Personen, die erst zugezogen sind. Aber die meisten im Dorf wissen, dass es dieses Rennen seit 54 Jahren gibt. Trotzdem gab es in den vergangenen Monaten auch Widerstand. Reitnau sei in den vergangenen fünf Jahren ja auch ohne dieses Bergrennen ausgekommen, hiess es zum Beispiel. Es wäre sicher mit jedem zusätzlichen Jahr schwieriger geworden, das Bergrennen neu aufzulegen.

Eine einmalige Sache soll das Bergrennen Reitnau sicher nicht sein. Wie hat man sich für die Zukunft abgesichert?
Wer ein Rennen durchführt, muss nicht nur viele Gespräche führen. Wir mussten auch Infrastruktur beschaffen, beispielsweise Leitplanken, die wir dem vormaligen Rennorganisator ACS abkaufen konnten. Wir sprechen hier deshalb von einmaligen Ausgaben. Mit Blick aufs Budget müssten rund 4000 zahlende Zuschauer beim Rennen dabei sein, damit wir schwarze Zahlen schreiben, was natürlich gut wäre für eine nächste Austragung. Durchschnittlich hat das Bergrennen in der Vergangenheit um die 7000 Zuschauer angelockt, in einem guten Jahr waren es auch schon 10 000, im Rekordjahr waren es offenbar sogar 14 000 Fans. Hoffen wir also, dass am letzten Juni-Wochenende die Sonne scheint.

Es gibt Bergrennen und Slaloms, die beispielsweise aufgrund mangelnden Platzangebots oder fehlenden Geldes absagt werden mussten, auch in diesem Jahr. Es gibt auch Rennorganisationen, die von Gemeinden, Vereinen oder Tourismusbehörden mehr und mehr Auflagen für die Durchführung eines Rennens bekommen, Stichwort Nachhaltigkeit. Solche Auflagen hat das Bergrennen Reitnau keine – oder noch nicht?
Nein, jedenfalls nicht bis jetzt. Wir sind aber gut aufgestellt. Und wir sind auch beweglich, sollten in Zukunft solche Auflagen kommen. 

Fotos: Werner J. Haller

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