Beim Party-Grand-Prix in Miami kann die Formel 1 nicht nur sich selbst für ein gelungenes Spektakel feiern, die Königsklasse erlebt auch drei bemerkenswerte Comebacks, die nach dem besten Rennen des bisherigen Rennjahres auch den Rest der Saison prägen könnten.
Kimi Antonelli
Der vierte WM-Lauf in Florida hat gezeigt, dass nach den vielen Klagen über das neue Reglement nun bei den meisten der Pragmatismus eingezogen ist. Für die Show auf der Rennstrecke ist das nur gut, fünf verschiedene Spitzenreiter in 57 Runden unterstreichen das eindrucksvoll.
Erstes Comeback: Der Stern von Kimi Antonelli strahlt immer heller, der erste Sieg von Mercedes überhaupt in Florida markiert zugleich einen Rekord des Italieners. Denn kein anderer Fahrer in der Historie hat es bislang geschafft, die ersten drei Karrieresiege hintereinander jeweils von der Pole-Position aus zu holen.
Warum der 19-Jährige als Comebacker geführt wird, wo er doch so souverän mit 100 Punkten die Gesamtwertung anführt?
Das Podium in Miami: Sieger Kimi Antonelli, Zweiter Lando Norris (links) und Dritter Oscar Piastri (rechts)
Ganz einfach: weil er praktisch bei jedem Rennen den Start versiebt. Das ist weniger seine Schuld als ein Problem der Kupplung (oder deren Software) beim Silberpfeil. So musste Antonelli lange Norris und Leclerc hinterherjagen, ehe er durch einen geschickten Boxenstopp samt Wunderrunde die Führung übernahm, und sie trotz heftiger Attacken von Titelverteidiger Norris nicht mehr hergab.
Für Mercedes-Teamchef Toto Wolff war diese Verteidigungsleistung das bisher beste Rennen seines Schützlings in der Formel 1. Da dürften noch mehr kommen: «Das war erst der Anfang. Der Weg ist noch lang», sagt Kimi Antonelli – und die Vorfreude klingt durch.
Wieder wettbewerbsfähig unterwegs: Max Verstappen
Zweites Comeback: Bereits im Sprintrennen mit einem Doppelerfolg von Lando Norris und Oscar Piastri war klar geworden, dass sich Titelverteidiger McLaren zurückgemeldet hat. Die vierwöchige Pause wurde in der Rennfabrik von Woking für eine Runderneuerung des Autos und eine bessere Abstimmung mit dem Mercedes-Kundenmotor genutzt.
Der technische Schub mit dem ersten grossen Upgrade der Saison setzt auch neue mentale Energie frei. An gleicher Stelle, wo 2024 der Siegeszug der Papaya-Fraktion begonnen hatte, war Champion Lando Norris seinem ersten Grand-Prix-Erfolg der Saison nahe. Das versöhnte den Briten etwas mit dem ungeliebten Elektro-Reglement: «Es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Im Cockpit fühlt sich alles etwas normaler an jetzt, wir können wieder konstanter ans Limit gehen.» Das Entwicklungsrennen geht weiter, auch wenn McLaren in Miami schon wieder das stärkste Auto hatte. Aber auch Mercedes wird jetzt nachlegen.
Ergebnisse Grand Prix von Miami
Vierter Lauf zur Formel-1-Fahrerweltmeisterschaft
1. Kimi Antonelli, Mercedes AMG Motorsport 1:33:19.273
2. Lando Norris, McLaren, +3.264 s
3. Oscar Piastri, McLaren,+27.092 s
4. George Russell, Mercedes AMG Motorsport, +43.051 s
5. Max Verstappen, Red Bull Racing, +43.949 s (plus 5 s Strafe)
6. Lewis Hamilton, Ferrari, +53.753 s
7. Franco Colapinto, Alpine,+61.871 s
8. Charles Leclerc, Ferrari, +44.245 s (plus 20 s Strafe)
Drittes Comeback: Dafür, dass er bis vor kurzem am liebsten der Formel 1 den Rücken gekehrt hätte, macht Max Verstappen schon wieder richtig Dampf. Der Niederländer ist in die Trotzphase übergegangen, das ist er seinem eigenen Anspruch und seinem Ruf, vor allem aber den Anstrengungen seines Red-Bull-Rennstalls auch schuldig.
Die strauchelnde Truppe hat nach Angaben von Teamchef Laurent Mekies Verstappens Auto «um 360 Grad gedreht». Plötzlich ist der Ex-Weltmeister wieder fähig, in die erste Startreihe zu fahren und kann nach einem Dreher kurz nach dem Start auch wieder durchs ganze Feld pflügen und am Ende ordentlicher Fünfter werden.
Da findet einer wieder zurück zu seinem Ehrgeiz: «Endlich habe ich das Auto wieder im Griff, vor allem beginne ich mich wohlzufühlen.» In Miami hat er mit seiner ansprechenden Leistung vor allem unterstrichen, wie wichtig er als Figur für die Königsklasse ist. Und ausserdem steht ihm kämpfen weit besser als sich nur zu beschweren.