Robin Faustini – Der nächste Schritt

Werner J. Haller | 11.04.2024

Berg-SM Die neue Saison hat noch nicht begonnen, 
aber die Fans dürfen sich freuen. Die Toppiloten der Schweizer Bergmeisterschaft rüsten auf. Allen voran Robin Faustini.

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Premiere: Robin Faustini mit seinem neuen Rennwagen, einem Nova NP01.

Vorwärts soll es endlich gehen! Robin Faustini beendete die vergangenen drei Schweizer Bergmeisterschaften 2019, 2022 und 2023 in der Kategorie Rennsportwagen jeweils als Gesamtdritter. Den Titel machten derweil jeweils Marcel Steiner und Eric Berguerand unter sich aus. In dieses Duell will Faustini dieses Jahr eingreifen, deshalb war für ihn nach Saisonende 2023 klar, dass er ein neues Auto haben muss. Mit dem Osella FA30 gewann der 26-jährige Aargauer zwei Schweizer Bergrennen, 2021, als während der Pandemiejahre und ausserhalb der SM in Oberhallau SH das einzige Rennen stattfand, und 2023 das Saisonfinale in Les Paccots FR – aber bei beiden Bergrennen fehlte Berguerand, Steiner ebenso in Les Paccots, und in Oberhallau schied er aus. «Längerfristig hätte ich mit dem Osella nicht in den Titelkampf eingreifen können. Deshalb fuhr ich schon im letzten November einen ersten Test», blickt Robin Faustini zurück.

Der Osella, zuletzt mit einem V8-Judd-Moreno-Saugmotor ausgestattet, ist Vergangenheit, neu fährt Faustini einen Nova NP01 mit Zweiliter-Turbomotor von Honda. «Ich fahre erstmals einen Turbo, ich muss viel Erfahrung sammeln», gibt Faustini zu. Deshalb sei er froh, mit Sébastien Petit einen versierten Mann an seiner Seite zu haben. Der Teamchef ist mehrfacher französischer Bergmeister, kennt aber auch den neuen Motor im Heck des Nova-Prototyps. «Sébastien kenne ich schon länger, von ihm stammte auch schon der Saugmotor des Osella», erklärt Faustini.

«Ich kam, sah und siegte»

Der erste Ernstkampf endete positiv. Im tschechischen Brno gewann Faustini im Nova NP01 die beiden Auftaktrennen zum sogenannten Maverick-Hillclimb-Cup. «Ich kam, sah und siegte», sagt Faustini zum erfolgreichen Einstand und lacht. «Zugegeben, in Brno bin ich auf der Rundstrecke gefahren, eine solche permanente Rennstrecke hat schon deutlich mehr Grip als eine Bergstrecke, die nur für das Rennen abgesperrt wird. Aber ich habe bei meinen Siegen unter anderem Petr Trnka geschlagen. Der Tscheche war 2022 Gesamtzweiter der Berg-Europameisterschaft, letztes Jahr war er Gesamtdritter. Trnka ist also eine Referenz, insofern bin ich guten Mutes, wenn ich an die bevorstehende Schweizer Bergmeisterschaft denke.» Ob das reicht, um Steiner und Berguerand zu ärgern, wagt Faustini noch nicht zu beantworten: «Aber ich bin fähig, mit dem Nova die Laufzeiten zu verbessern, die ich mit dem Osella gefahren bin. Und wer weiss, was möglich ist, wenn ich meinen neuen Rennwagen besser kenne?»

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Schon Sieger: Robin Faustini (Mitte) mit dem Nova NP01-Honda-Turbo.

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Schon Sieger: Robin Faustini mit dem Nova NP01-Honda-Turbo.

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Schon Sieger: Der Nova bekommt einen Anstrich wie zuvor der Osella FA30.

Bis zum Saisonstart der Berg-SM am 8./9. Juni in Hemberg SG bleibt noch Zeit. Diese Woche werden der Motor gründlich kontrolliert und voraussichtlich auch das Auto foliert. Es werde wie der Osella zuvor die Farben Blau, Pink und Schwarz tragen, verrät Faustini. Nach einem weiteren Test auf einer Rundstrecke fahre er am ersten Mai-Wochenende das Bergrennen in Eschdorf (D) und am 1./2. Juni jenes im tschechischen Sternberk. Dem Aargauer hilft die Vorbereitung sicher, denn er ist bei Weitem nicht der einzige Pilot, der für die kommende Berg-SM aufrüstet. «Es ist abartig viel passiert in den vergangenen Monaten», sagt Faustini.

Ein leichteres Meisterauto

Diesen Samstag präsentiert Thomas Amweg, der Gurnigel-Sieger von 2019, seinen neuen Boliden, ebenfalls einen Nova NP01, ebenfalls mit Turbomotor, aber von Helftec. Die luzernische Motorenschmiede verpasste zuletzt auch dem Norma M20 FC von Michel Zemp einen Turbo (AR 12/2024). «Erfolgreiches Testwochenende in Bresse», meldete Zemp erfreut nach der Premiere. Auf dem Rundkurs im Burgund war am vergangenen Wochenende während rund zwei Tagen auch der Schweizer Meister Marcel Steiner unterwegs. Der Berner überraschte vergangene Woche auf Facebook mit Fotos, die den Lobart LA01 mit komplett neuer Karosserie in Turin (I) zeigen. «Das Auto muss leichter werden», erklärt Steiner zum neuen Look. Die Testfahrt in Bresse sei allerdings «durchzogen» verlaufen. Bei der Präsentation in Turin sei klar die Optik des Autos im Vordergrund gestanden, «nun müssen ich und das Team daraus einen Rennwagen machen», sagt Steiner. «Ein leichteres Auto hilft mir in langsamen Streckenpassagen. Der Test hat gezeigt, dass es funktioniert, aber in schnellen Passagen müssen wir uns noch steigern.» Sicher ist auch, dass der Lobart künftig nicht mehr weiss ist, sondern mehrheitlich schwarz. 

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Die Konkurrenz rüstet auf: In Turin präsentierte Marcel Steiner den Lobart-LA01 mit neuer Karosserie.

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Die Konkurrenz rüstet auf: In Turin präsentierte Marcel Steiner den Lobart-LA01 mit neuer Karosserie.

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Die Konkurrenz rüstet auf: Michel Zemp testete den Norma M20 FC mit neuem Turbomotor in Bresse.

Fotos: Susanne Kaspar, Steiner Motorsport, Zemp Racing

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