Was neue Reifen am Carrera GT bringen

Automobil Revue | 18.12.2024

Eine Mixtur aus zwei unterschiedlichen Gummimischungen ist Basis für einen neuen Reifentyp, den Porsche und Michelin für den legendären Carrera GT entwickelten. Resultat: Der GT umrundete die Nürburgring-Nordschleife 20 Sekunden schneller als mit den Original-Pneu.

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Am Steuer sass Entwicklungsfahrer Jörg Bergmeister, und am Ende der 20.6 Kilometer langen Runde durch die Eifel stand eine Zeit von 7.12:69 Minuten. Mit den neuen Pneu fährt sich der zwischen 2003 bis 2006 1270-mal gebaute Supersportwagen noch präziser und verhält sich im Grenzbereich berechenbarer.

«Dass für ein fast 20 Jahre altes Fahrzeug neue Reifen entwickelt werden, ist sehr ungewöhnlich. Es unterstreicht, wie wichtig der Carrera GT und seine Kunden für Porsche auch heute noch sind», sagt Bergmeister.

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An der Entwicklung der Michelin-Pneu beteiligt: Porsche-Entwicklungsfahrer Jörg Bergmeister (links).

Ziel der Entwicklung, an der Bergmeister beteiligt war: Eine weitere Verbesserung der Dynamik und Sicherheit des Supersportwagens, sowohl auf trockener als auch auf nasser Fahrbahn.

Um dies zu gewährleisten, kommen in der Lauffläche zwei unterschiedliche Gummimischungen zum Einsatz (Bi-Compound-Technologie). «An der Innenschulter und am inneren Profilblock nutzen wir Kieselsäure, um die optimale Mischung für die Nasshaftung zu erreichen. Die Mischung an der Aussenschulter und am äusseren Profilblock des Reifens ist auf Trockenhaftung ausgelegt. Eine der wichtigsten Zutaten hier ist Industrieruss», erläutert Mathieu Greco, der als Entwicklungsingenieur bei Michelin die Reifen für die Porsche-Sportwagen verantwortet.

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Die Pneu machen den GT schneller, sicherer zu fahren und verkürzen den Bremsweg

In Fahrdynamik- und Handlingtests, die unter anderem auf der Nürburgring- Nordschleife stattfanden, wurde die Aufstandsfläche weiter optimiert. Ziel war ein optimal auf den Hochleistungssportwagen Carrera GT abgestimmter Reifen. Bergmeister: «Beeindruckend, wie die Entwickler die Rückmeldung im Grenzbereich verbessert haben. Der Punkt, an dem der Reifen beginnt, den Grip zu verlieren, kündigt sich jetzt viel deutlicher an.»

Die verbesserte Balance sorgt für spürbar mehr Dynamik und damit im Resultat für die Möglichkeit, auf der Rennstrecke im direkten Vergleich schnellere Rundenzeiten zu erreichen. Bergmeister: «Die neuen Reifen machen den Carrera GT nicht nur per se schneller, sie machen es dem Fahrer auch leichter, ihn schneller zu fahren.»

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Neben der verbesserten Rückmeldung im Grenzbereich sorgen die neu entwickelten Michelin Pilot Sport Cup 2 dafür, dass der Carrera GT bei einer Vollbremsung früher zum Stehen kommt. Der Bremsweg von 100 km/h bis zum Stillstand verkürzt sich um 2.5 Meter. Aus 200 km/h kommt der Supersportwagen sogar 12 Meter früher zum Stehen.

Der Porsche Carrera GT gehörte bei seinem Debüt im Jahr 2003 zu den schnellsten Serienfahrzeugen weltweit. Den V10-Saugmotor entwickelte Porsche ursprünglich für den Einsatz beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Im Carrera GT vergrösserte Porsche den Hubraum von 5,5 auf 5.7 Liter.

Seine Leistung von 450 kW (612 PS) treibt ein nur 1380 kg schweres Fahrzeug an. Das maximale Drehmoment liegt bei 590 Nm, die Höchstgeschwindigkeit bei 330 km/h.

Der Sprint von 0 auf 100 km/h ist in 3.9 Sekunden erledigt. Von Anfang an kommen bei dem Supersportwagen massgeschneiderte Reifen von Michelin zum Einsatz, damals Pilot Sport PS2. 2013 erfolgt ein erstes Update auf den neuen Pilot Super Sport.

Diese Reifen werden nun durch die neu entwickelten Pilot Sport CUP2 abgelöst. Sie erhalten die exklusiv für Porsche reservierte N-Kennzeichnung. In der Erst-Konfiguration tragen die neu entwickelten Reifen daher die Kennung N0.

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Fotos: Porsche

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