Peugeot E-2008 – Löwe mit Hörproblem

AR-Testteam | 21.12.2023

Kompakt-SUV Der Peugeot E-2008 hat die markenüber­greifende Stellantis-Frischzellenkur bekommen. Sie bringt viel ­Gutes, der Sprachassistent ist aber chronisch verständnislos.

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«Das habe ich leider nicht verstanden.» Diese Antwort bekamen wir von diesem Testwagen ziemlich oft zu hören, nachdem wir einen Wunsch geäussert hatten. Ob Fahrziel oder Radiosender, der Löwe hörte zwar brav zu, verstand aber selten. Und es brauchte wenig, um ihn völlig aus der Fassung zu bringen. Wer beispielsweise nach der für einmal korrekt erkannten Zieladresse noch während der Routenplanung auf dem Touchscreen etwas an den Klimaeinstellungen ändern wollte, sorgte für einen Absturz des Sprachassistenten. Bis zum nächsten Neustart des E-2008 wurden sämtliche Befehle nur noch mit «Das habe ich leider nicht verstanden, bitte versuche es noch einmal» erwidert.

Natürlich sollte man ein solches Hörproblem nicht überbewerten. Schliesslich ist ein Auto deswegen nicht gleich schlecht. Beim Peugeot E-2008 wäre ein verständnisvollerer Sprachassistent aber durchaus wünschenswert, weil sein Bedienkonzept trotz (oder gerade wegen) verschiedener Anpassungen im Zuge der Überarbeitung nicht über alle Zweifel erhaben ist. Aber dazu später mehr.

Erstaunlich viel Platz für die Klasse

Eigentlich gar keinen Anlass zu Kritik gibt es beim Innenraumkonzept. Das war schon im ersten Modellzyklus gut und blieb es auch im zweiten, denn Peugeot änderte grundsätzlich nichts daran. So bietet der E-2008 mit seinen 4.3 Metern Aussenlänge vorne wie hinten viel Platz für die Passagiere. Die Vordersitze sind in der getesteten GT-Variante zwar sportlich ausgeformt, aber erstens sehr bequem und zweitens so dimensioniert, dass auch Grossgewachsene anständig reisen. Auf den Rücksitzen kommen grosse Passagiere ebenfalls sehr gut unter, wenigstens gilt das für die beiden Aussenplätze. Der Platz in der Mitte empfiehlt sich nur auf kurzen Strecken, aber das ist selbst bei deutlich grösseren und in höheren Segmenten angesiedelten Modellen der Fall. Letztlich ist der Peugeot 2008 ja die SUV-Version des Kleinwagens 208. Er teilt sich mit diesem die Common Modular Platform (CMP) von Stellantis, hat aber viel mehr Platz. Das zeigt sich auch im Kofferraum, wo 405 bis 1467 Liter Gepäckvolumen bereitstehen, und zwar unabhängig davon, ob der 2008 als reiner E-Stromer ausgelegt ist oder mit Verbrennungsmotor vorfährt.

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Vorne wie hinten finden selbst Grossgewachsene viel Platz vor.

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Auch der Kofferraum ist für die Fahrzeugklasse mehr als ausreichend.

Knapp 25 Zentimeter mehr als der 208 misst der 2008 in der Länge, dazu besitzt er 6.5 Zentimeter mehr Radstand. Das wirkt sich nicht nur beim Platz sehr positiv aus, sondern auch beim Fahrverhalten. Als vollelektrischer E-2008 überzeugt der Peugeot mit einer gelungenen Mischung aus Sportlichkeit und Komfort, die sehr gut zur Topausstattungslinie GT passt. Das Auto lässt sich angenehm fahren, ist geradeaus spurstabil und bietet auf kurvigen Strecken viel Fahrspass am kleinen Lenkrad. Dieses vermittelt im Verbund mit dem marken­typischen i-Cockpit, das in den Fachmedien gern kritisiert wird, für die allermeisten Personen aber tadellos funktioniert, durchaus eine Art Gokart-Feeling. Um die Mittellage herum wirkt die Lenkung zwar etwas teigig, punktet aber sonst mit guter Rückmeldung und ist ausreichend präzise.

Mehr Leistung, keine Schneetraktion

Der E-Antrieb passt mit seiner schon aus dem Stand abrufbaren Leistung gut zur dynamischen Grundauslegung. Genau genommen passt er jetzt noch besser: Im neuen Modelljahr hat der E-2008 den optimierten Elektroantriebsstrang von Stellantis bekommen, der über mehr Leistung und eine leicht grössere Batterie verfügt. Statt 100 kW (136 PS) stehen jetzt 115 kW (156 PS) zur Verfügung, die Batterie ist mit 54 kWh statt 50 kWh geringfügig grösser. Beide optionalen Neuerungen (der alte Antriebsstrang kann immer noch bestellt werden) sorgen für die gewünschten Effekte: bessere Fahrleistungen und höhere Reichweite. Ihr Plus ist vor allem im Winter aber nicht allzu gross spürbar, denn ob man jetzt 250 oder 300 Kilometer weit kommt (viel mehr liegt bei Kälte trotz serienmässiger Wärmepumpe nicht drin), macht den Braten auch nicht feiss. Wer oft Langstrecken fahren muss, sieht sich besser woanders um oder setzt bei weissem Winter auf ein zweites Auto.

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Optisch nur in Details erneuert: Die Unterschiede zwischen dem bisherigen E-2008 und der frisch überarbeiteten Variante sind grösstenteils marginal. Hinten gibt es zum Beispiel einen durchgehenden Peugeot-Schriftzug.

Dann bleiben einem auch Schreckmomente wie in unserem Test erspart. Auf einer schneebedeckten Strasse bergab rückwärts einzuparkieren, entpuppte sich als schlechte Idee. Die Vorderräder verloren die Traktion so weit, dass die Traktionskontrolle die Leistungsabgabe gleich komplett verweigerte. Selbst bei durchgedrücktem Strompedal passierte nichts. So blieb nur leichtes Zurückrollenlassen und nochmaliges, sanftes Anfahren. Je nach Hindernis hinter dem Auto kann es bei solchen Manövern eng werden. Es empfiehlt sich deshalb unbedingt, für 800 Franken Aufpreis das Paket Winter mit Advanced Grip Control zu bestellen. Dieses bietet neben einer Bergabfahrhilfe auch eine optimierte Antriebsschlupfregelung für Schnee, Matsch und Sand. Wer bei der Bestellung darauf verzichtet hat, kann es noch mit dem Deaktivieren der Traktionskontrolle im Menü versuchen. Wenn er den Menüpunkt in nützlicher Frist findet.

Fummelige Bedienung

Im Prinzip ist der Peugeot E-2008 ein unkompliziertes Auto, mit dem jeder schnell zurechtkommt. Vor allem das reine Fahren geht auch ohne Studium der Bedienungsanleitung. Man braucht höchstens etwas Geduld, denn im Test liess sich der Franzose gern etwas Zeit, bis er erstens das zum Starten benötigte Schlüsselsignal erkannte und sich zweitens die Fahrstufe D einlegen liess. Danach gibt das i-Cockpit aber keine Rätsel auf. Jedenfalls, solange man sich nicht um mehr als die Einstellung der Radiolautstärke kümmern will. Die klappt nämlich mit einem Drehknopf, alles andere wird über Kippschalter, Tasten oder den Touchscreen gesteuert. Oder eben über die Sprachbedienung. Aber die hört ja fast nie zu.

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Einfach kompliziert: In seinen Grundzügen funktioniert der Peugeot E-2008 viel simpler, als es das extravagante i-Cockpit befürchten lässt. Die Einstellung diverser Funktionen klappt aber nur über den Touchscreen, was nicht optimal ist.

Der überarbeitete 2008 hat grundsätzlich das gleiche Bedienlayout wie die Vor-Facelift-Version. Das bedeutet, in einer Reihe angeordnete Kippschalter werden mit Schnellwahltasten und dem Touchscreen kombiniert. So weit, so gut. Zum weniger Guten: Erstens wurde die Zahl der Schnellwahltasten von sieben auf drei reduziert (jene für Telefon und Multimedia fielen zum Beispiel weg), zweitens sind auch die Funktionen der sieben Kippschalter nicht optimal. Gleich vier von ihnen haben etwas mit der Klimaanlage zu tun, aber keiner etwas mit der Temperatureinstellung. Es gibt Umluft ein/aus, Gebläse ein/aus, Klima ein/aus und Frontscheibe entfrosten ein/aus. Auch die anderen drei sind reine Ein/Aus-Schalter, wenn auch sinnvollere (Warnblinker, Türverriegelung, Heckscheibenheizung). So zwingt selbst ein alltäglicher Befehl wie kälter/wärmer zum Griff auf den Touchscreen.

Die Bedienung unserer Autos wird mit zunehmender Modernisierung nicht einfacher. Der Peugeot E-2008 ist da keine Ausnahme, und die von vielen Herstellern angestrebte und von einigen auch erfolgreich umgesetzte Lösung – ein wirklich verständnisvoller Sprachassistent – hat dieser Peugeot nicht zu bieten. Aber das sollte man nicht überbewerten. 

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Unter dem Strich fast der Alte: Das Facelift brachte serienmässige LED-Scheinwerfer und drei Tagfahrlicht-Krallen mit sich.

Testergebnis

Gesamtnote 76.0/100

Antrieb

Elektrotypisch kräftig im Antritt und einigermassen sparsam. Bei kalten Temperaturen und auf der Autobahn (dort macht sich die grosse SUV-Stirnfläche bemerkbar) steigt der Verbrauch aber etwas gar stark an.

Fahrwerk

Eine gute Mischung aus Sportlichkeit und Komfort, die sowohl für kurvige Spasspassagen wie auf Langstrecken passt. Die Lenkung ist bis auf das etwas teigige Gefühl um die Mittellage ausreichend direkt und präzise.

Innenraum

Ein für diese Fahrzeugklasse sehr gutes Platzangebot für vier Erwachsene und ein anständiger Kofferraum sorgen im Verbund mit hübschen Materialien für gute Laune. Die Verarbeitung ist aber nur Durchschnitt.

Sicherheit

Hier bietet der E-2008, was man in dieser Klasse erwarten darf. Die serienmässigen sowie die optionalen Assistenten (unter anderem Abstandstempomat) funktionieren ausser bei Schneetreiben tadellos. Stichwort Schnee: Wer darauf entspannt bleiben will, braucht das Paket Winter! Die fummelige Bedienung lenkt ab und sorgt für einen Abzug in der S-Note.

Budget

Alles wird teurer, nur der E-2008 nicht. Mindestens 34 550 Franken mit dem schwächeren Antrieb sind viel, aber weniger als fürs Vor-Facelift.

Fazit

Von den klassischen Zutaten her, die früher bei der Beurteilung eines Autos im Vordergrund standen – Platzangebot und Fahreigenschaften – ist der Peugeot E-2008 sehr gelungen. Wäre er nur etwas gehorsamer.

Fotos: Vesa Eskola, Text: Simon Tottoli

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