Aston Martin DB12 S: S wie Sonderangebot

Moritz Doka | 06.05.2026

Ein einzelner Buchstabe kann grosse Auswirkungen haben, wie das neue S-Modell des Aston Martin DB12 zeigt. Im Vordergrund steht weniger die gestiegene Leistung als all das, was sonst angehoben wurde: Engagement, Fahrfreude, Vertrauen – und nicht zuletzt Emotionen.

Neben «DB» für «David Brown» hat bei Aston Martin noch ein weiterer Buchstabe Tradition: «S». Es zierte erstmals den DB3 S von 1953, später den DB3 Coupe S, was die sportlichen Weiterentwicklungen waren. Nach Jahrzehnten der Abstinenz erhielt 2004 mit dem Vanquish S wieder ein Modell den Namenszusatz. Mit dem DBX S und dem Vantage S wurde der Buchstabe zur Submarke von Aston Martin, unter deren Dach nicht nur Autos gebaut werden, sondern auch entsprechende Kundenevents stattfinden. Jetzt wurde die Modellreihe um den DB12 S erweitert.

Jetzt anmelden für den Newsletter der Automobil Revue!

Nun ist bereits der DB12 ohne «S» ein hervorragender Allrounder mit unverhohlenem Hang zur Sportlichkeit. Ist da überhaupt noch Platz zwischen ihm und dem Vanquish? Offenbar. Denn erstens «schauen unsere Kunden immer nach dem nächsten Fahrzeug für ihre Sammlung. Der S ist dieses Fahrzeug», sagt uns Dan Connell, EU-PR-Director bei Aston Martin. Und zweitens ist der DB12 eben immer noch ein Grand Tourer, die S-Modelle markieren die sportlichsten Modellversionen mit Fokus auf Strassenperformance.

Fährt sich leichter als er ist

Für diesen Fokus wurde an viel mehr Stellschrauben gedreht als nur an der Leistung, erklärt uns Simon Newton, Director of Vehicle Performance bei Aston Martin. Mehr PS hätte der AMG-stämmige Vierliter-Biturbo-V8 auch gar nicht nötig gehabt. Entsprechend beliess man es bei einer Leistungssteigerung per Software von 20 auf 700 PS und einem gleichbleibenden Drehmoment von 800 Nm. Das Resultat sind 3.5 Sekunden von null auf 100 km/h (-0.1 Sekunden) und 325 km/h Höchstgeschwindigkeit.

Aston Martin DB12 S Photo Max Earey 6607

Aber: «Es geht nicht nur um Zahlen, sondern um das Engagement und das Feedback, das dir das Auto gibt», sagt Newton. Der Mann war zuvor schon bei Lotus und dem Williams-F1-Team verantwortlich zeichnete und weiss, wovon er spricht und was er tut.

Wir hätten es kaum für möglich gehalten, aber der DB12 S fährt sich tatsächlich noch involvierender als seine ohnehin schon sehr kompetente Basis. Der Brite fühlt sich leichter an, was zum grossen Teil an der angepassten Lenkung liegt. Sie ist für unseren Geschmack etwas zu schwergängig, fühlt sich um die Mittellage aber transparenter an und reagiert direkter, macht den S weniger kopflastig.

Der Star ist das Fahrwerk

Heimlicher Star der Show ist – wie schon beim DB12 – das Fahrwerk. Selbst von den weiss Gott nicht ebenen Landstrassen Südfrankreichs lässt sich der Sportwagen nicht aus der Ruhe bringen, bügelt Bodenwellen weg und lässt sie irgendwo in den Federn und magnetoreologischen adaptiven Dämpfern verpuffen. Bei Letzteren wurde die Software optimiert, um Nicken zu verringern.

Die Abstimmung geriet feiner, weil man sie voll auf die beim S serienmässige Carbon-Keramik-Bremsanlage ausrichten konnte, die die ungefederte Masse um 27 Kilogramm verringert und sich perfekt dosieren lässt. Auch Sturz, Spur und Nachlauf wurden angepasst, der Hinteraschsstabilisator ist sieben Prozent steifer. Der DB12 S fühlt sich auf den gewundenen Landstrassen viel agiler an, als es sein wuchtiges Äusseres vermuten lässt – er atmet die Strasse.

Aston Martin DB12 S Photo Max Earey 5959

Kurvenausgangs liefern das überarbeitete Hinterachsdifferenzial und die fein agierende Stabilitätskontrolle ein enormes Mass an Traktion. Das Heck sitzt kurvenausgangs selbst bei forschem Gaseinsatz so bombenfest, dass man meint, in einem Allradler zu sitzen – solange man den GT-Modus nicht verlässt. In Sport und Sport+ lässt sich der Brite problemlos zu gut kontrollierbaren Heckschwenks überreden. Gas und Bremse sind dabei stets gut dosierbar, das Auto bleibt auch bei harten Bremsmanövern stabil.

Kein GT3, muss aber auch nicht sein

Es ist kein 911 GT3. Ein Rest Gewicht auf der Vorderachse ist immer noch zu spüren, und ganz so direkt und voller Rückmeldung wie im trackorientierten Zuffenhausener ist die Lenkung nicht. Trotzdem hat der DB12 S etwas Spielerisches an sich. Und: Er ist nahbar und setzt dich direkt mitten ins Geschehen, sodass man schnell mit ihm verwächst – ausser der Beifahrer, der sich mangels Haltegriff nirgends festhalten kann.

Aston Martin DB12 S Photo Max Earey 6106

Vor allem zeigt er zwischen «GT» und «Sport+» eine Bandbreite von komfortabel bis fokussiert-sportlich, wie wir es noch in wenigen Sportwagen erlebt haben. Der sportlichste Fahrmodus eignet sich gut für kurvige Bergstrassen. GT ist wiederum perfekt für die Langstrecke und breite, fliessende Landstrassen mit grosszügigen Bögen, wo man den DB12 S mit wenig Gaseinsatz wunderbar im Swing halten kann. Mehr Fahrspass, ohne die Alltagstauglichkeit zu beeinträchtigen – das war eines der Entwicklungsziele beim DB12 S.

Lautere Titanauspuffanlage

Ein weiteres Ziel betrifft die Emotionen. Nicht, dass ein DB12 einen kaltliesse. Aber was die optionale Titanauspuffanlage für ein Konzert veranstaltet, wäre allein schon den Schritt zum S-Modell wert. Der Sound ist noch facettenreicher, unten tief wumernd, oben bollernd und mechanisch, garniert von lustvollem Knallen und Spratzeln beim Gaswegnehmen – herrlich.

Simon Newton präsentiert uns das neue Klangspektrum sogar in einer kurzen Slideshow, spricht von neu abgestimmten Frequenzen in Bass-, Mitten- und Höhenlagen. «Auf die Auspuffanlage sind wir besonders stolz beim DB12 S», meint er. Zu Recht. Kommt hinzu, dass die Titananlage gegenüber der Serienlösung 11.7 Kilogramm leichter und 1.5 Dezibel lauter ist.

Aston Martin DB12 S Photo Max Earey 3615

Kurzum: Bestellen! Denn der Sound passt auch wunderbar zum kräftigen Muscle-Car-Charakter des Motors, der dich bestialisch in den Sitz drückt, kaum unterbrochen von den um 43 Prozent kürzeren Schaltzeiten. Die Schaltwippen dürften grösser sein und ein schöneres Klickgefühl haben, an den Schaltvorgängen selbst gibt es nichts auszusetzen.

S-Akzente und Apple CarPlay Ultra im Inenraum

Genauso wie am Rest des Cockpits. Allein der Ausblick über die nicht enden wollende Motorhaube ist ein Erlebnis. Nun hat schon der DB12 einen riesigen Sprung in Sachen Qualität und Bedienbarkeit gemacht. Bis auf den schnell zerkratzenden Pianolack und Mercedes-Lenkstockhebel gibt es nichts auszusetzen.

Der S reichert die Atmosphäre mit S-Logos und einem roten Drehregler für die Fahrmodi an und bringt serienmässig Apple CarPlay Ultra mit. Aston Martin hat die neue, besonders tief mit dem nativen System vernetzte CarPlay-Generation als erste Marke eingeführt. Es sind Carbonschalensitze bestellbar, zum Charakter des DB12 S passen die serienmässigen Sportsitze aber perfekt.

Aston Martin DB12 S Photo Max Earey 9955

Nur gut 12'000 Franken Aufpreis

Zu guter Letzt hat Aston Martin dem DB12 S ein sanft nachgeschärftes Design mit auf den Weg gegeben: Ein grösserer Frontsplitter samt Abrisskante am Heck, optimierte Haubenentlüftungsschlitze, garniert von einem mächtigen Heckdiffusor samt übereinander angeordneten Auspuffendrohren. Die sehen unverschämt gut aus, ob nun vom Lexus IS-F abgekupfert oder nicht. Es ist eine perfekte und unglaublich verführerische Mischung aus Grand Tourer und hochemotionalem, involvierendem Sportwagen, die Aston Martin mit diesem scheinbar unscheinbaren S-Zusatz geschaffen hat – optisch und dynamisch.

Aston Martin DB12 S Photo Max Earey 3337

Das Beste: Mit 254’284 Euro – ein Schweizer Preis, den Aston Martin nicht in Franken angibt – kostet das S-Modell nur rund 12'000 Franken mehr als der reguläre DB12. Im Segment hochpreisiger Sportwagen geht das als Schnäppchen durch. Vielleicht steht das «S» ja auch für «Sonderangebot».

Technische Daten Aston Martin DB12 S Coupé

Karosserie
Fahrzeugsegment S Sportwagen
Länge 4725 mm
Breite 2045 mm (2145 mm mit Aussenspiegeln)
Höhe 1295 mm
Radstand 2805 mm
Sitzplätze 2+2
Leergewicht (mit Fahrer) 1820 kg (DIN)
Gesamtgewicht k. A.
Kofferraum 262 l
Reifengrösse 275/35 R21 vorne, 325/30 R21 hinten
Anhängelast gebremst 0 kg
Antrieb
Motor Bauart Ottomotor
Zylinder V8
Hubraum 3982 ccm
Motorkonstruktion 4 Ventile/Zylinder, DOHC, Direkteinspritzer
Aufladung Biturbo
Bohrung x Hub 83x92 mm
Verdichtung 8.6:01
Antrieb RWD
Getriebe Automatik 8
Leistung 515 kW/700 PS
– bei Drehzahl 6000 U/min
Max. Drehmoment 800 Nm
– bei Drehzahl 2750 U/min
Fahrleistungen und Verbrauch
0-100 km/h 3.5 s
Höchstgeschwindigkeit 325 km/h
Tankinhalt 78
Verbrauch 100 km Noch nicht homologiert
CO2-Emission Noch nicht homologiert
Preis
Grundpreis Coupé 254'284 Euro (Schweizer Preis)
Grundpreis Volante 270'558 Euro (Schweizer Preis)

Bildergalerie Aston Martin DB12 S (2026)

Bilder: Aston Martin

Kommentare

Keine Kommentare