Der Hyundai Santa Fe kam im Jahr 2000 erstmals auf den Markt. Seit kurzem fährt das SUV bereits in fünfter Generation vor. Die Koreaner lassen also nichts anbrennen und entwickeln ihr Topmodell – das gilt für Europa – ständig weiter. Eine gute Sache, denn in den meisten Belangen macht dem Neuen keiner was vor. Sei es bei der Praktikabilität, dem Einfallsreichtum im Detail oder einfach, weil das SUV ein hervorragender Alltagsbegleiter für die Grossfamilie ist. Neu bedeutet aber auch, dass altgediente und beliebte Motoren aus dem Programm gestrichen wurden. Doch beginnen wir von vorne, ehe wir das Fazit vorwegnehmen.
Hyundai Santa Fe: Praktikus mit Antriebsschwächen
Moritz Doka | 25.03.2025
Der neue Hyundai Santa Fe ist ein echter Hingucker und hat beim Alltagsnutzen kräftig zugelegt. Beim Plug-in-Hybrid wäre aber mehr zu erwarten.
Ein Schuss Land Rover
Im Vergleich zum Vorgänger hat sich der Santa Fe optisch komplett neu erfunden. 4.83 m Länge sind nicht überdimensional riesig, doch das kantige Design lässt den Koreaner deutlich grösser wirken. Je nach Lackfarbe von Elegant (Glanzschwarz) bis wuchtig (Mattbraun wie beim Testwagen). Die Front wirkt gefällig, am kastigen Heck scheiden sich die Geister. Laut Hyundai habe man dieses auf Wunsch der Kunden hin so gestaltet, die sich mehr Platz bei gleicher Grösse wünschten.
Das hat gefruchtet. 621 bis 1942 l Gepäck (+248 l) und sieben Personen finden im Santa Fe mit Plug-in-Hybrid Platz. Als Vollhybrid oder als Fünfsitzer schluckt er sogar noch ein paar Liter mehr. Dank des Designs können auch sperrige Gegenstände problemlos eingeladen werden. Mission geglückt, wenn das steil abfallende Heck auch ein wenig an Land Rover Discovery älterer Baujahre erinnert. Spannend sind die überall am Auto versteckten «H», zum Beispiel als Leuchtgrafik oder im Kühlergrill.
Nobles und praktisches Cockpit
Wenn der im Test manchmal spinnende schlüssellose Zugang überwunden ist, empfängt einen ein alles andere als alltäglicher Innenraum. Auch dieser wirkt wie mit dem Geodreieck gezeichnet. Das passt einerseits zur Aussenhaut und hält andererseits Platz für zig Ablagen vor. Es gibt sogar ein zweites kleines Handschuhfach, das in der höchsten Ausstattungsstufe als UV-Sterilisationsfach dient. USB-C-Buchsen, eine Haushaltssteckdose und zwei Induktionsladeschalen versorgen Geräte mit Strom.
Die braune Innenausstattung kann man mögen oder auch nicht. Sie ist jedenfalls konsequent durchgezogen, umfasst sogar Kunststoffteile wie die Fensterheber und verleiht dem Innenraum einen noblen Touch. Und es gäbe ja auch noch andere Farben. Alu- und Holzapplikationen sowie der Mikrofaserdachhimmel schrauben die wertige Anmutung noch nach oben, alles fühlt sich gut an und ist bestens verarbeitet.
Das Infotainmentsystem macht seine Sache ordentlich. Der Bildschirm ist nicht riesig, die Darstellung aber übersichtlich. Diverse Kurzwahltasten helfen bei der Bedienung, überhaupt sind die vielen physischen Tasten eine Wohltat. Es sind längst nicht alle Funktionen im Bildschirm versteckt. Das Digitalcockpit ist ebenfalls übersichtlich, viel anzeigen kann es aber nicht. So fehlen zum Beispiel das Einblenden der Navigationskarte oder verschiedene Darstellungsoptionen.
Raum auf allen Plätzen
Den Santa Fe gibt es wahlweise mit fünf, sieben oder sechs Sitzplätzen. Letzterer hat zwei Einzelsitze in der zweiten Reihe. Der Siebenplätzer verfügt dort über eine durchgehende Sitzbank. Das Platzangebot geht in der dritten Reihe selbst für Erwachsene in Ordnung, wenn die Reise nicht allzu lang ist. Allerdings bleibt hinter den Sitzen dann nicht mehr viel Platz für Gepäck. Dafür entsteht eine ebene Ladefläche, wenn alle Sitze umgelegt sind.
Gemütlich und durstig
So kernig die Optik, so entschleunigend das Wesen des Santa Fe. Diesel und Sechszylinder sucht man vergebens. Unter der Haube steckt immer ein 1.6-Liter-Turbobenziner, wahlweise als Voll- oder Plug-in-Hybrid mit einer Systemleistung von 158 kW (215 PS) beziehungsweise 186 kW (253 PS). Letzterer treibt auch den Testwagen an. Der Antrieb macht seine Sache generell gut, ist leise beim Dahinrollen in der Stadt und auf der Autobahn. Wird der Verbrenner gefordert, meldet er sich recht laut zu Wort. Bei spontanem Gaseinsatz bei langsamer Fahrt verschluckt sich die Antriebseinheit gerne mal.
Nicht schlimm, wenn man ihn artgerecht behandelt und sanft fährt. Das passt auch zum ruhigen Wesen des Santa Fe, dessen gemütliches Fahrwerk und die leichtgängige, künstliche Lenkung wie eine Packung Betablocker wirken. Stress und Sportlichkeit bleiben hier zuhause. Wind- und Abrollgeräusche sind kaum zu vernehmen, auf der Autobahn gleitet man leise dahin.
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Trotzdem würde man sich den Diesel zurückwünschen. 367 Nm Drehmoment fühlen sich nie wirklich kräftig an, und die Anhängelast von 1010 kg – beim Vollhybrid sind es 1110 kg – ist auch nicht der Hit. Kommt hinzu, dass die Batterie des PHEV nur mit 3.6 kW geladen werden kann, und das dauert. Zwar ist der Akku nicht allzu gross, doch das bedeutet auch, dass die realistische elektrische Reichweite bei nur gut 40 Kilometern liegt. Konkurrenten aus dem VW-Konzern schaffen über 100 Kilometer und können sogar mit Gleichstrom bis 50 kW laden. Beim Santa Fe lag unser Testverbrauch bei 7.6 l/100 km und 1.5 kWh/100 km. Ganz gut, aber keine Glanzleistung, wobei es natürlich immer auch auf das Nutzungsverhalten ankommt.
Sicherheit geht vor
Beruhigend sind die zuverlässigen Fahrassistenten. Der Autobahnassistent mit Spurhalteassistent und adaptivem Abstandstempomat lässt das Auto von allein fahren, solange man die Hand am Lenkrad und den Blick nach vorne gerichtet hat. Dazu gibt es eine automatische Spurwechselfunktion und ein ins Digitalcockpit eingeblendetes Kamerabild des toten Winkels beim Blinken. Der Aufmerksamkeitsassistent warnt nur dann, wenn man wirklich abgelenkt ist, und den Tempolimitwarner kann man per Knopfdruck ausschalten.
Happiger Preis
Vom Antrieb her wäre der Vollhybrid beim neuen Santa Fe die wahrscheinlich sinnvollere Wahl. Sicher aber die günstigere, ihn gibt es schon ab 54'900 Franken. Der Plug-in-Hybrid schlägt mit mindestens 71'900 Franken zu Buche, weil er erst ab der zweithöchsten Ausstattungsstufe Vertex verfügbar ist. Der Testwagen bringt es auf 74'500 Franken, was auch angesichts von fünf Jahren Garantie und Assistance ganz schön viel Geld ist. Klar ist er hervorragend ausgestattet, doch das ist die Basis mit Zweizonen-Klimaautomatik, Infotainment mit Smartphone-Anbindung und Lenkradheizung auch schon. Man muss also nicht ganz so viel Geld ausgeben, um ein gutes Familienauto zu bekommen.
Technische Daten Hyundai Santa Fe PHEV Vertex Siebensitzer
Karosserie | |
Fahrzeugsegment | D SUV |
Länge | 4830 mm |
Breite | 1900 mm |
Höhe | 1770 mm |
Radstand | 2815 mm |
Sitzplätze | Sieben |
Leergewicht (mit Fahrer) | 2220 kg |
Gesamtgewicht | 2740 kg |
Kofferraum | 621 l – 1942 l |
Reifengrösse | 255/45 R20 |
Anhängelast ungebremst/gebremst | 750/1010 kg |
Stützlast | 100 kg |
Dachlast | 100 kg |
Bodenfreiheit | 180 mm |
Böschungswinkel vorne/hinten | 17.4/20.9 Grad |
Rampenwinkel | 15.3 Grad |
Wendekreis | 11.6 m |
Antrieb | |
Motor Bauart | Ottomotor |
Zylinder | R4 |
Hubraum | 1598 ccm |
Motorkonstruktion | 4 Ventile/Zylinder, DOHC, Direkteinspritzer |
Aufladung | Turbo |
Bohrung x Hub | 75.6 x 89.0 mm |
Verdichtung | 10.5:1 |
Antrieb | AWD |
Getriebe | AT6 |
Leistung | 118 kW/160 PS |
– bei Drehzahl | 5500 U/min |
Max. Drehmoment | 265 Nm |
– bei Drehzahl | 1500–3500 U/min |
Elektromotor | Permanentmagnet-Synchronmotor |
Leistung | 72 kW/98 PS |
Drehmoment | 304 Nm |
Systemleistung | 186 kW/253 PS |
Systemdrehmoment | 367 Nm |
Batteriekapazität | 13.8 kWh (brutto) |
Batteriechemie | Lithium-Ionen-Polymer |
Ladeleistung DC | 0 kW |
Ladezeit DC 10-80 Prozent | k.A. |
Ladeleistung AC | 3.6 kW |
Ladezeit AC 0–100 Prozent | 210 min |
Fahrleistungen und Verbrauch | |
0-100 km/h | 9.3 s |
Höchstgeschwindigkeit | 180 km/h |
– elektrisch | k.A. |
Elektrische Reichweite | 54 km |
Tankinhalt | 47 l |
Verbrauch 100 km | 1.7 l + 19.2 kWh |
CO2-Emission | 38 g/km |
Energieeffizienz | C |
Testverbrauch | 7.6 l + 1.5 kWh |
Testreichweite elektrisch | 41 km |
Preis | |
Grundpreis | Santa Fe ab 54'900 Franken, PHEV ab 71'900 Franken |
Testwagenpreis | 74'500 Franken |
Garantie | 5 Jahre ohne Kilometerbegrenzung |
Bildergalerie Hyundai Santa Fe PHEV
Bilder: Monika Hanczyc
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