Playstation M

AR-Testteam | 29.02.2024

Sportcoupé Der BMW M2 ist das kleinste reine M-Modell – also mit Verbrenner. Trotz seines Prahlerauftritts und vieler Spielereien
ist er ein ernst zu ­nehmender Sportwagen.

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Ein M steht bei BMW-Modellen schon lange nicht mehr für das, wofür es früher einmal stand. Die Bayern verwenden den berühmt-berüchtigten Buchstaben im Zuge der allumfassenden «M-inisierung» bis hin zu den SUV und den Elektromodellen heute beinahe inflationär. Wer auf der Schweizer BMW-Website im Modellportfolio das M zum Filtern anklickt, erhält über 25 Modelle zur Auswahl. 25! Hinter diesen verstecken sich dann noch zig Modellderivate – neben solchen mit Stromantrieb auch welche mit Diesel. Selbst unser Testwagen liegt unter der wenig aussagekräftigen Modelllinie namens BMW 2er Coupé M Automobile. Gleich daneben steht der BMW 1er M Automobil. Obwohl das ziemlich dieselben Erwartungen weckt, sind die Modelle nicht miteinander zu vergleichen. Der kompakte M135i xDrive ist 225 kW (306 PS stark), gewiss sportlich, aber ganz sicher kein M, wie man sich ihn vorstellt. Das 2er Coupé hingegen gibt es als waschechten M, eben als M2. Mit Hinterradantrieb. Und 338 kW (459 PS) Leistung. So stellt man sich einen M vor.

Auch optisch macht der M2 der aktuellen Baureihe G87 kein Hehl aus seiner Bestimmung. «Gebt mir was zu fressen!», rufen die riesigen Lufteinlässe unterhalb des Stossfängers. Im Tierreich gibt es zwar selten derart geradlinig gestaltete Mäuler, aber das Design erreicht durchaus sein Ziel. Der M2 soll gar nicht dezent oder gar elegant wirken, sondern aggressiv, vielleicht sogar provokativ. Im direkten Vergleich wirkt selbst die Riesenniere des grösseren M4 beinahe schick. Und das will etwas heissen. Aber verzetteln wir uns nicht in Geschmacksfragen – ob der M2 nun verzückt oder verschreckt, soll jeder für sich selbst entscheiden.

Viel M im kompakten Format

Während die zahlreichen M-Modelle im Portfolio zwar viel M tragen, aber zum Teil nicht so viel M sind, ist der M2 die günstigste Möglichkeit, einen echten M von BMW als Neuwagen zu kaufen. Und auch jene mit dem geringsten Platzbedarf: Mit gut 4.50 Metern Länge passt der M2 problemlos in eine gewöhnliche Garagenbox. Das ist heutzutage ja nicht mehr selbstverständlich. Natürlich gibt es in Anbetracht von Aussenmassen und Karosserieform keine Wunder beim Platzangebot zu erwarten, aber es kommen vorne zwei und hinten nochmals zwei Erwachsene ganz kommod unter, solange sie im Fond nicht mehr als 1.80 Meter hoch gewachsen sind. Dazu gesellen sich durchaus respektable 390 Liter Kofferraumvolumen, das schlägt manches Kompakt-SUV.

Was die Gestaltung des Innenraums inklusive des mittlerweile markentypischen BMW-Curved-Display angeht, verweisen wir erneut auf den persönlichen Geschmack eines jeden. Schön oder schrecklich? Egal, Hauptsache gut. Und gut ist es. Es gibt weder an der Sitzposition, der Ergonomie noch an der Verarbeitung oder der Materialauswahl ernsthaft irgendetwas auszusetzen. Im Testwagen waren die M Sportsitze (1260 Fr.) montiert, welche in Verbindung mit der elektrischen Sitzverstellung (1210 Fr.) für ziemlich jede Statur eine adäquate Einstellung bieten. Es gäbe sonst auch noch M-Karbon-Schalensitze für 6340 Franken Aufpreis, aber diese Geldausgebeoption richtet sich doch eher an die Hardcore-M-Fans respektive Rennstreckenstammgäste. Wie viele andere Features, von denen unser fast 110 000 Franken kostender Testwagen indes fast alle aufwies – so etwa auch die M-Compound-Bremse für 380 Franken, das Karbondach für 3300 Franken oder das M Driver’s Package, welches die Höchstgeschwindigkeit für 3110 Franken von 250 auf 285 km/h anhebt. Es gibt alles einzeln oder in verschiedenen Paketen. Und wer sich fragt, warum wir das hier alles schreiben, erhält sogleich eine Antwort: Wir möchten aufzeigen, dass dieses Auto zwar teuer ist, aber verglichen mit anderen BMW-Modellen eine fast überschaubare Aufpreisliste hat. Und vor allem beinhaltet diese Optionen, die man nicht unbedingt braucht.

Viel Perfektion mit viel Synthetik

Selbst wer kein einziges Extrahäkchen bei der Bestellung setzt und so beim Grundpreis von 91 600 Franken für einen uniweissen oder babyblauen M2 stehenbleibt, bekommt einen waschechten Sportwagen. Denn die Basiszutaten hat er sowieso. In erster Linie den Dreiliter-Twinturbo, der auch im M3 und M4 seinen Dienst tut, hier einfach mit ein paar PS weniger Leistung. Selbstredend wird die Kraft an die Hinterräder geschickt (wobei das ja selbst für M-Modelle nicht mehr selbstverständlich ist, schliesslich hat der M4 Competition Allradantrieb), in unserem Testwagen verwaltet von der Achtstufen-Automatik. Dieser Hinweis ist nicht ganz unwichtig, denn es gibt den M2 derzeit noch mit Sechsgang-Handschaltung. Noch.

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