Renault Symbioz: Mangelnde Leidenschaft

Olivier Derard | 28.04.2025

Renault glänzt mit der Qualität seiner aktuellen Produkte. Das SUV Symbioz wurde jedoch offenbar ohne grosse Leidenschaft entwickelt und bildet eine Ausnahme von dieser Regel.

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Mit Captur, Arkana, Austral, Espace und Rafale mangelt es der Renault-Palette nicht an SUV, zumal auch der Mégane und der Scénic E-Tech einen leicht abenteuerlichen Look haben und der Renault 4, die moderne Elektroversion des alten 4L, ebenfalls in einem erhöhten Format sein Comeback feiert.

Trotz dieser umfangreichen Palette ist der französische Konzern noch nicht zufrieden. Und so bringt der Hersteller im Schatten einer ganzen Reihe spannender Neuvorstellungen (Renault Turbo3E, Alpine A290, Dacia Bigster, um nur einige zu nennen) heimlich ein weiteres SUV auf den Markt.

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Renault Symbioz: Zwischen Captur und Austral einsortiert

Der Symbioz ist im C-Segment der SUV angesiedelt und liegt mit einer Länge von 4.41 Metern zwischen dem grossen Austral (4.51 Meter) und dem kleineren Captur (4.24 Meter). Von letzterem übernimmt er übrigens das Fahrgestell, da er auf der CMF-B-Plattform basiert.

Unter der Motorhaube bietet Renault eine einzige Motorisierung an. Der als E-Tech Full Hybrid bezeichnete Antrieb kombiniert einen 1598 cm³ großen Vierzylinder-Saugmotor (Atkinson-Zyklus) mit 69 kW (94 PS) mit zwei Elektromotoren, von denen der stärkere 36 kW (49 PS) leistet. Die Gesamtleistung des Antriebsstrangs beträgt 105 kW (143 PS).

Der Verbrauch des Renault Symbioz liegt im Alltag unter fünf Litern

Diese drei Motoren arbeiten über ein originelles Klauengetriebe zusammen, das ohne Kupplung und Synchronisierung auskommt, aber über vier Gänge für den Verbrennungsmotor und zwei für den Elektromotor verfügt.

Diese Anordnung ermöglicht es, das Anlaufen des Verbrennungsmotors zu verzögern. So kann trotz einer Batterie mit geringer Kapazität (1.26 kWh) zumindest im Stadtverkehr meist allein mit Elektroantrieb gefahren werden. Das wirkt sich natürlich positiv auf den Verbrauch aus: 4.7 l/100 km sind es nach WLTP, in der Praxis lässt sich dieser Wert fast erreichen, wie dieser Test gezeigt hat. Die Redaktion der Automobil Revue konnte einen Verbrauch von unter 5.0 l/100 km erzielen.

Der sparsame Antriebsstrang arbeitet bei schonender Behandlung flüssig und unauffällig, neigt jedoch bei zügigerer Fahrweise dazu, ein wenig die Kontrolle zu verlieren; die Drehzahl steigt zu hoch an und es sind leichte Ruckler zu spüren. In dieser Hinsicht schneidet der neue 115 kW (155 PS) starke Hybridantrieb des neuen Dacia Bigster besser ab. Glücklicherweise ist davon auszugehen, dass der Symbioz bald davon profitieren wird.

Renault Smybioz:  Sicher und gelassen statt sportlich-offensiv

Die Lenkung des Symbioz ist wenig präzise, die Vorderachse ziemlich schwerfällig. Das macht jeden sportlichen Ehrgeiz zunichte.

Das ist mehr oder weniger logisch, da dies nicht sein Ziel ist, wie unter anderem seine mässige Beschleunigung beweist: 10.6 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h. Der Symbioz soll in erster Linie ein sicheres und entspanntes Fahrverhalten bieten. Das gelingt ihm auch dank seines Gewichts von unter 1600 Kilogramm, das ihm eine gewisse Agilität verleiht – das muss man ihm lassen.

Renault Symbioz: Grosser Kofferraum

Um seiner Zielgruppe, den Familien, gerecht zu werden, bietet der Symbioz viel Platz im Innenraum. Der verlängerte hintere Überhang sorgt für ein grosses Kofferraumvolumen: Je nach Position der um 16 cm verschiebbaren Rücksitzbank zwischen 434 l und 548 Liter.

Im vorderen Bereich fällt die Kritik hingegen weniger positiv aus, da der Symbioz lediglich das Armaturenbrett des Captur übernommen hat, das viel zu streng und altmodisch wirkt. Es fehlt ihm die Fantasie und Frische, die Renault seinen neuesten Modellen, allen voran dem R5, verliehen hat.

Technik auf höchstem Niveau

Das bedeutet jedoch nicht, dass das Fahrzeug technologisch nicht auf dem neuesten Stand ist, denn bereits die Einstiegsversion verfügt über ein 10.3-Zoll-Kombiinstrument und ein 10.4-Zoll-Infotainmentsystem.

Dieses Multimedia-Duo, von Renault «openR link» getauft, nutzt Schnittstellen von Google. Darüber hinaus sind Android Auto und Apple CarPlay kabellos nutzbar, und die Klimaanlage verfügt über eine eigene Konsole mit physischen Bedienelementen.

Ein weiterer Pluspunkt: Mit dem Tastenmodul «My Safety Switch» links vom Lenkrad lassen sich die bevorzugten Sicherheitseinstellungen sofort anpassen. Das ist besonders praktisch, wenn man die aufdringlichsten Fahrassistenzsysteme deaktivieren möchte.

Der Renault Symbioz wird in der Schweiz ab 31'500 Franken angeboten

Der Renault Symbioz wird im spanischen Werk Valladolid montiert und ist ab 31'500 Franken erhältlich.

Ein Preis, der jedoch nicht ganz über eine bedauerliche Tatsache hinwegtäuschen kann: Dem Symbioz fehlt die Leidenschaft, die der französische Hersteller vielen seiner anderen Fahrzeuge einhauchen konnte. Man muss also davon ausgehen, dass die Ingenieure des Renault-Konzerns zu sehr mit ihrem Renault 4, dem Alpine A290 und dem Dacia Bigster beschäftigt waren, allesamt spritzige Fahrzeuge. Das ist sehr schade, denn hätten sie ebenso viel Leidenschaft in den Symbioz gesteckt, wäre der SUV wahrscheinlich eine Kaufempfehlung geworden.

Fotos: Monika Hanczyc

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