Sportec Ferdinand S: Wenn ein Auto Kunst ist

Moritz Doka | 18.12.2025

Es gibt Autos, die kauft man sich als Fortbewegungsmittel. Dann gibt es Sportwagen, die man sich für den Spass am Wochenende gönnt. Und dann gibt es Gesamtkunstwerke wie den Ferdinand S von Sportec, den als Auto zu bezeichnen man sich schon fast nicht mehr traut.

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Zwischen 150 und 200 Kilogramm Plastik ist in modernen Autos verbaut. Basis für den Kunststoff ist Erdöl, das in Raffinerien in Moleküle zerlegt und aufwendig zu jenem Kunststoff verarbeitet wird, der vom Kleinwagen bis zur Luxuslimousine grosszügig Verwendung findet – und den Sportec scheut wie ein Slickreifen das Regenwasser.

Eine strikte «No Plastic Mentality» fährt die Mannschaft aus Höri beim FERDINAND S, einem Sehnsuchtsobjekt all jener, für die Geld keine, Inszenierung dafür eine umso grössere Rolle spielt. Regelmässige AR-Leserinnen und -Leser werden sich an den Sportec SUB1000 erinnern, jenen asketischen, leer geräumten Leichtbaufetischisten. Der FERDINAND S ist das Gegenstück dazu, verfolgt seinen Ansatz aber genauso manisch.

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Auch der FERDINAND S ist ein «Backdate Restomod», wie Sportec das nennt. Also eine Art Besser-als-neu-Umbau eines älteren Modells mit modernen Teilen.

Den Grundstein legt ein 911 C2 und damit die absolute Basis der Baureihe 964. Was Sie hier sehen, ist in jeglicher Hinsicht alles andere als absolute Basis, selbst in der Sportec-Welt, denn das hier ist das S-Modell des FERDINAND mit etwas mehr Leistung und einigen anderen Komponenten.

Wie alle Umbauten bei Sportec durchläuft das Spenderfahrzeug eine Kernsanierung, ehe mit erlesensten Teilen ein Kunstwerk entsteht. Die 60 Millimeter breitere Karosserie imitiert das F-Modell, hat mit ihren Carbon-Kevlar-Schürzen und -Kotflügeln aber nichts mit einem alten Porsche zu tun. Praktisch alles ist «Swiss Made» und wird wenn möglich inhouse gefertigt. Etwa der selbst entwickelte Entenbürzel mit formschöner Rundung – der Knick des Originals hätte nicht zur Ästhetik gepasst.

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Sportec FERDINAND S: Besessenheit in Reinform

So weit, so vertraut vom SUB1000. Besteigt man den FERDINAND S, findet man sich in einer anderen Welt wieder. Es ist eine Mischung aus klassischer Sportwagenästhetik und Designerloft. Geschüsseltes Sportlenkrad trifft auf Ziernaht mit Kreuzstich, Rennschalensitz auf dickes Leder und kühles Metall. Es ist nicht so überbordend wie manche Kreationen aus dem US-amerikanischen Haus Singer, deswegen aber nicht minder kinnladensenkend.

Je länger man im FERDINAND S sitzt, desto mehr entdeckt man. Die metallenen Lüftungsdüsen zum Beispiel, bei denen sogar die Gitter und die Verstellräder aus gefrästem Aluminium sind. Oder die mit grauem Stoff bezogenen Zierteile, die farblich perfekt mit dem silber-blau-schwarzen Rest harmonieren. Selbst der Sicherungskasten ist mit blauem Leder bezogen, platziert neben dem Rennsporttank im mit Stoff ausgekleideten vorderen Kofferraum.

Regler, Knöpfe, Schalter, Tasten – alles klickt und dreht schwer. Nicht zu blinken, kommt einem gar nicht in den Sinn, viel zu schön ist das Erlebnis, wenn der Hebel einrastet.

Ein solches Level an Qualität geht nur mit Handarbeit und endloser Hingabe. Das ist keine Liebe zum Detail mehr, das ist Besessenheit.

All die feinen Klänge verdichten sich zur Gesamtkomposition als Ode an die Handwerkskunst und das Schöne im Leben. No Plastic, quod erat demonstrandum – fast. Als einziger Plastikfleck prangt ein Radio im Retrolook im Armaturenbrett. Für das Plastik kann Sportec aber nichts, das Teil stammt aus dem Porsche-Zubehör. Aber: Man hat die Drehregler gegen solche aus Metall ausgetauscht, mehr ist in Planung.

Bildergalerie Sportec FERDINAND S: Handarbeit bis ins kleinste Detail

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Offenbarung am Steuer

Sich in dieses Fahrzeug zu setzen und direkt loszufahren, ist als autophiler Geist unmöglich. Man kann gar nicht anders, als tief den Lederduft einzusaugen, Finger und Augen über die Oberflächen streichen lassen und still zu geniessen. Man könnte sich den FERDINAND S als Skulptur ins Wohnzimmer stellen, als Kunstobjekt zum Anfassen und Erleben – wenn das Fahren nicht alles noch perfektionierte.

Die sportlichen Zutaten sind ähnlich wie beim SUB1000, in der Auslegung aber weniger radikal. Der FERDINAND S wiegt rund 200 Kilogramm mehr als der SUB1000, aber etwa 170 Kilogramm weniger als ein 964er C2. Das Erlebnis ist weniger eindimensional, nur weil es hier Dämmung und echten Komfort gibt.

Langsam fahren bestraft der FERDINAND S nicht, lässt sich auch niedertourig bewegen, ohne zu bocken. Das Zweiwege-Gewindefahrwerk schluckt Unebenheiten, eine Klimaanlage temperiert das Cockpit, und selbst moderne Connectivity gibt es (das PCCM-Plastikradio im Retrolook von Porsche hält Navigation, DAB+ und sogar Apple CarPlay und Android Auto bereit).

Von diesem vordergründig sanften Wesen sollte man sich nicht einlullen lassen. Das hier ist im Grundsatz noch immer ein Porsche alter Schule, nur hat Sportec die Regler für Feeling und Fähigkeiten auf Anschlag gedreht.

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Die Fahrt zur Fotolocation ins Dörfchen Regensberg führt über gewundene Bergstrassen mit welligem Asphalt. Davon lässt sich das Fahrwerk kaum aus der Ruhe bringen, schluckt stoisch Stösse, die Dämpfer ersticken Aufschaukeln im Keim, während die Federn das perfekte Mass an Seitenneigung zulassen, um mit dem Auto zu arbeiten. Der FERDINAND S stützt sich auf den Reifen ab, die erreichbaren Kurventempi liegen jenseits der Legalität, ein Lamellensperrdifferenzial portioniert die Kraft zwischen den Hinterrädern.

Geschraubt in die engen, aber bequemen Schalensitze, diktiert man den Vorderrädern über die schwere, präzise Lenkung, was sie zu tun haben, immer auf Zug gehalten von diesem Prachtstück von Antrieb.

Linear zieht der Boxer hoch, gewinnt an Kraft, je höher er dreht, um dem FERDINAND S bei 5000 noch einmal einen richtigen Kick zu verpassen. Drehfreude UND Kraft – es geht nichts über einen grossvolumigen Sauger. Die Drosselklappen öffnen auf E-Gas-Befehl in dem Moment, in dem sich im Gehirn der Beschleunigungswunsch manifestiert. Am Schalthebel mit Metallknauf filetierst du eng gestuft Kraft und Drehzahl. Es ist nichts weniger als eine Offenbarung, unter Zwischengas herunterzuschalten und wieder Kette zu geben.

Der Sound? Göttlich. Nicht so gehörgangmalträtierend wie im SUB1000, sondern feiner orchestriert, leiser, auf Dauer erträglicher und passend zum Gesamtkonzept.

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Sportec FERDINAND S: Gesamtkunstwerk zum Preis einer Eigentumswohnung

Hier geht es nicht um Zahlen, sondern um das Erlebnis, das Ansprechverhalten, die Art, wie das Auto Befehle umsetzt. Auch das ist Kunst. Der Klang, das Schütteln des Motors, der Geruch – herrlich. Es ist schon ein sehr emotionales Erlebnis. Gleichzeitig fühlt man sich schnell sicher.

Auch das ist Kunst, denn Sicherheitsnetze gibt es abgesehen vom Motorsport-ABS keine. Man muss aufpassen und wissen, wo die eigenen Grenzen liegen. Bodenwellen in Kurven können den Vorderwagen leicht werden lassen, vor allem wenn der Tank nicht voll ist und weniger Gewicht auf der Vorderachse liegt.

Dennoch: Bange wird einem nie. Einschüchternd ist höchstens der Gedanke, dass man gerade den Gegenwert einer kleinen Eigentumswohnung durch die Lande scheucht.

Beim FERDINAND S geht es auch, aber nicht nur ums Schnellsein. Er ist kein einschüchternder, fordernder Rennwagen wie sein Bruder, der SUB1000, sondern Fahrmaschine und Kunstwerk zugleich. Der SUB1000 drängt sich auf, der FERDINAND S bietet sich an. Genuss statt Gewalt.

Ein Genuss, den man sich leisten können muss. Inklusive Spenderfahrzeug muss man in etwa mit einer Dreiviertelmillion Franken rechnen, wenn man sich einen Sportec FERDINAND S in die klimatisierte Garage oder eben ins Wohnzimmer stellen möchte. Exklusivität und Handwerkskunst haben ihren Preis – vor allem für Menschen mit einer Plastikphobie.

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Technische Daten
Sportec FERDINAND S

Motor luftgekühlter Sechszylinder-Saugboxer, hinten längs, 2 Ventile/Zylinder, 4000 cm3, Bohrung k. A., Hub k. A., Verdichtung k. A., Leistung 265 kW (360 PS) bei 6100 U/min, Drehmoment 420 Nm bei 5380 U/min

Antrieb Hinterradantrieb, Fünfgang-manuell

Karosserie Coupé, 2 Türen, 2+2 Plätze, selbst tragende Karosserie, in Zug- und Druckstufe verstellbares Gewindefahrwerk, belüftete und gelochte Scheibenbremsen rundum, Reifen vorne 205/50 ZR17, Reifen hinten 255/40 ZR17

Abmessungen und Gewicht Länge 4.17 m, Breite 1.77 m, Höhe 1.25 m, Radstand 2.27 m, Spur vorne/hinten k. A., Bodenfreiheit k. A., Kofferraum ca. 260 l, Leergewicht 1193 kg (fahrbereit, ohne Fahrer), Gesamtgewicht k. A., Anhängelast gebremst/ungebremst 0 kg, Dachlast 0 kg, Stützlast 0 kg, Wendekreis k. A., Tankinhalt 95 l

Fahrleistungen 0–100 km/h k. A., Höchstgeschwindigkeit k. A., Verbrauch k. A., CO2-Emissionen k. A., Energieeffizienz k. A.

Preis ab 571‘911 Franken (Umbau exklusive Spenderfahrzeug)

Fotos: Leon Elmazov

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