Subaru Forester im Test: Kernsaniert durch dick und dünn
Moritz Doka | 28.08.2025
Der Subaru ist seit jeher eines der wenigen SUVs am Markt, die das U in «Sport Utility Vehicle» wirklich ernst nehmen. Die kernsanierte sechste Generation legt da noch eine Schippe drauf.
Was bleibt nach dem Brand beim Bauern übrig? Der Helly-Hansen-Reissverschluss und der Subaru-Schlüssel. Wie viel an diesem Kalauer auch dran sein mag, ein Körnchen Wahrheit steckt drin – zumindest, was Subaru betrifft. In Sachen Robustheit und Zuverlässigkeit belegen die Japaner regelmässig die vorderen Plätze in einschlägigen Untersuchungen. Und ihr berühmterAllradantrieb macht die Modelle vor allem in Bergregionen sehr beliebt.
Das gilt insbesondere für den Forester, der in Subarus Verkaufsstatistiken immer weit vorne liegt, seit er 1997 eingeführt wurde. Fünf Millionen Exemplare wurden bisher verkauft, 40’000 davon in der Schweiz. Nun muss auch ein Geländewagen mit der Zeit gehen und all die Fahrsicherheitssysteme integrieren, die in immer grösserer Zahl vorgeschrieben werden. So fährt der Forester nun rundum aufgefrischt in die sechste Generation.
Eine komplette Neuentwicklung ist er nicht, eher ein sehr umfassendes Facelift. Das aber sticht sofort ins Auge. Subaru hat dem Forester mehr Charakter ins Blech gepresst. Mehr Kanten und Ecken suggerieren Robustheit. Vorne und hinten leuchten neu gestaltete Lampen, in die Heckklappe ist der Modellschriftzug gestanzt – hier wurde Geld in die Hand genommen.
Mit niedrigeren Fensterkanten und versteckten Scheibenwischern wurde die Übersicht optimiert. Die drei Zentimeter mehr Aussenlänge sind dem verbesserten Aufprallschutz geschuldet. Ebenfalls drei Zentimeter mehr beträgt die Stehhöhe unter der geöffneten Kofferraumklappe, die neuerdings auch per Fussgeste zu öffnen und schliessen ist.
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Subaru Forester: der Praxisnutzen steht im Vordergrund
Im Innenraum prangt Subarus neuer, vertikal montierter Infotainmentbildschirm. Das eigene Telefon lässt sich nun drahtlos spiegeln und via USB-C- und -A-Buchsen oder kabellos aufladen. Das Infotainmentsystem selbst bietet keinen riesigen Funktionsumfang und die Grafiken erinnern ein wenig an ältere Nintendo-Spiele. Dafür gerät die Bedienung über die grossen, bunten Kacheln schön einfach. Das meiste wird dankenswerterweise noch über physische Tasten gesteuert.
Dass die Forester-Basis schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, schimmert an einigen Stellen durch. So gibt es kein Head-up-Display und die Anzeigen übernehmen analoge statt digitaler Instrumente. Aber mal ehrlich, mehr braucht es nicht. Die Uhren sind gut ablesbar und überfordern nicht in der Handhabung.
Der Praxisnutzen steht beim Forester klar im Vordergrund. Die grossen Fondtüren vereinfachen das Montieren von Kindersitzen. In der neuen Generation sind nun noch mehr Ablagen und Befestigungsmöglichkeiten für das tägliche Allerlei verteilt. In den grossen Kofferraum passen wahlweise der Kinderwagen, das erlegte Wild oder das Mountainbike.
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Zwei Gelände-Fahrmodi, 220 Millimeter Bodenfreiheit
Wenn dann alles verstaut ist, kann man dem Forester praktisch alles vorsetzen, was entfernt an einen Weg erinnert. Mit normalen Winterreifen besohlt haben wir ihn durch losen Sand und tiefen Schlamm gejagt. Auf beide Untergründe sind zwei Fahrmodi spezialisiert, die die Kraft bedarfsgerecht auf alle vier Räder verteilen und den Vortrieb sicherstellen.
Das Drehmoment lässt sich fein mit dem Gaspedal dosieren. 220 Millimeter Bodenfreiheit sind ein Bestwert in seiner Klasse und auch mit 20.4 Grad Böschungswinkel vorne und 25.7 Grad hinten sowie 21 Grad Rampenwinkel lässt sich gut arbeiten. Die Allrad-Assistenz funktioniert neuerdings auch beim Rückwärtsfahren. Als Hinweis darauf sind auf den Scheiben kleine Kolibris abgedruckt – der einzige Vogel, der rückwärts fliegen kann.
Klar, mangels Sperren überlässt er das ganz grobe Gelände anderen. Der Forester kann aber mehr, als ihm die meisten zutrauen würden. Und er bietet einen optimalen Kompromiss zwischen Geländetauglichkeit und Komfort auf Asphalt.
Das Fahrwerk gibt nur wenig an die Insassen weiter, lässt in Kurven einiges an Seitenneigung zu, schaukelt die Karosserie aber nie auf. Durch mehr Strukturkleber in der Karosserie wurde das Geräuschniveau im Innenraum um fast 40 Prozent reduziert, das macht sich auf der Autobahn bemerkbar.
Allgemein ist der Forester ein ruhiger Geselle. Der Benzinmotor läuft boxertypisch sanft und meldet sich nur dann deutlicher zu Wort, wenn Leistung gefordert wird. Wie schon bei anderen Subaru-Modellen wurde auch beim Forester die Sitzergonomie optimiert. Man sitzt bequem auf gut stützendem Gestühl.
Natürlich hat man auch bei den eingangs erwähnten Fahrassistenten aufgerüstet. Zwölf aktive gibt es, fünf davon sind neu. Unter anderem der Querverkehrswarner, das Notfall-Anhaltesystem und eine neue internationale Verkehrszeichenerkennung. Zusätzliche Sensoren erfassen nun ein doppelt so breites Feld vor dem Fahrzeug.
Auf der ersten Fahrt funktionierten die Systeme zuverlässig und agierten sanft. Die neue 360-Grad-Kamera hilft sowohl bei der Übersicht im Gelände als auch beim Rangieren auf dem Parkplatz vor dem Konsum.
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Subaru Forester: Boxermotor mit elektrischer Unterstützung und Allradantrieb
Allradantrieb und eine CVT-Automatik sind im Forester Serie, die Abgasvorschriften haben die Handschaltung eliminiert. Die einzige Motoroption ist der E-Boxer. Dessen Zweiliter-Vierzylinder büsste ein paar PS ein, was aber niemandem auffallen wird. Unterstützt wird der Benziner von einem Elektromotor mit 12.3 kW (16.7 PS). Im Kriechgang und ohne Last geht der Verbrenner ganz aus.
Das Paket macht seinen Job gut, ist unauffällig und recht kräftig. Durstig ist der Geselle aber trotz Elektrounterstützung. 8.1 Liter auf 100 Kilometer sind laut WLTP im Schnitt mindestens nötig. Wir kamen auf unserer einstündigen Asphaltrunde nicht unter deren 10.5. Da vermisst man einen Dieselmotor, zumal die gebremste Anhängelast bei zwölf Prozent Steigung auf 1870 Kilogramm beschränkt ist. In Deutschland wären es bei acht Prozent immerhin 2055 Kilogramm, doch das lässt unsere Gesetzgebung aufgrund der bergigen Schweizer Topografie nicht zu.
Fazit: Auch der neue Forester ist wieder ein ehrlicher, solider und fähiger Begleiter geworden. Er wurde dort modernisiert, wo es zwingend notwendig war, und in jenen Bereichen verbessert oder auch gleich gelassen, wo die Zielgruppe es zu schätzen weiss – und das sind längst nicht nur die Bauern.
Abmessungen und Gewicht: Länge 4.67 m, Breite 1.83 m, Höhe 1.73 m, Radstand 2.67 m, Kofferraum 508–1679 l, Leergewicht 1739 kg, Gesamtgewicht 2185 kg, Anhängelast gebremst/ungebremst 1870/750 kg, Dachlast 80 kg, Stützlast 100 kg, Wendekreis 11.8 m, Böschungswinkel vorne/hinten 20.4/25.7 Grad, Rampenwinkel 20.9 Grad, Bodenfreiheit 220 mm
Motor: Mildhybrid, B4-Saugbenziner und permanenterregter Synchronmotor im Getriebegehäuse, Hubraum 1995 ccm, Leistung Verbrenner 100 kW (136 PS) bei 5600 U/min, Drehmoment Verbrenner 182 Nm bei 4000 U/min, Leistung Elektromotor 12.3 kW (16.7 PS), Drehmoment Elektromotor 66 Nm, Lithium-Ionen-Batterie mit 32 Zellen, 4.8 Ah, Gesamtspannung 118.4 V
Antrieb: Allradantrieb, CVT-Automatik mit 7 simulierten Gängen
Fahrleistungen: 0–100 km/h in 12.2 s, Höchstgeschwindigkeit 188 km/h, 8.1 l/100 km, Emissionen 183 g/km CO2, Energieeffizienz G
Preis und Garantie: Subaru Forester ab 40‘950 Franken, Werksgarantie 3 Jahre/100 000 km