VW ID.3 – Auf neuem Kurs

AR-Testteam | 11.01.2024

Modellpflege Das Facelift des Wolfsburger Elektro-­Kompaktwagens ID.3 korrigiert die Fehler, die bei der Einführung des Wagens im Jahr 2019 gemacht wurden.

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Der ID.3, der 2019 an der Frankfurter IAA vorgestellt wurde, war die Antwort von Volkswagen auf den Dieselskandal. Der kompakte Elektrowagen, der bei seiner Einführung oft neben dem Käfer und dem Golf der ersten Generation zu sehen war, präsentierte sich als ein ebenso markantes Fahrzeug wie seine beiden berühmten Vorfahren. Der Stromer wurde als echter Gamechanger verkauft und sollte Volkswagen in das Zeitalter der Elektrofahrzeuge führen. Doch trotz der positiven Resonanz bei der Einführung – 10 000 Vorbestellungen gingen innerhalb von 24 Stunden ein – hat der ID.3 bis heute Schwierigkeiten, sein Publikum zu finden. Volkswagen sah sich sogar gezwungen, die Produktion des Modells in seinen deutschen Werken in Zwickau und Dresden im Oktober 2023 für zwei Wochen einzustellen. Zu den Gründen für den mangelnden Erfolg gehörten Softwareprobleme, sie verzögerten die Markteinführung und führten zu zahlreichen Problemen im Betrieb. Auch die Qualität wurde von vielen Beobachtern als mangelhaft eingestuft. Und schliesslich ist da noch die Bedien-Ergonomie, die, freundlich gesagt, eher suboptimal war. Die Frage, die sich rund um den Test des Faceliftmodells stellte, ist also ganz einfach: Wie gut konnte VW den Kurs korrigieren?

Optisch haben die Wolfsburger nur ein leichtes Facelifting vorgenommen. Es betrifft überwiegend die Vorderseite mit einer Motorhaube, die nicht mehr zweifarbig lackiert ist. Das Vorfacelift-Modell ist erkennbar am schwarzen Streifen am Fuss der Windschutzscheibe. Ausserdem wurde der Stossfänger neu gestaltet. Er kann den Luftstrom dank neuer Air-Curtains an den Vorderrädern vorbeileiten und optimiert so die Aerodynamik. Ebenfalls überarbeitet wurden die Rückleuchten.

Die Abmessungen bleiben jedoch weitgehend unverändert. Auch die Technik ist gleich geblieben, denn der Permanentmagnet-Synchronmotor auf der Hinterachse ist weiter im Einsatz. Dieser leistet 150 kW (204 PS) und hat 310 Nm maximales Drehmoment, wobei Volkswagen nur diesen einen Antriebsstrang anbietet. Der Allradantrieb 4Motion ist im ID.3 nicht vorhanden. Der Grund dafür ist der Platzbedarf. Der vordere Asynchronmotor, der unter anderem im ID.4 SUV die vorderen Räder antreibt, ist zu gross für den kompakten Bauraum unter der vorderen Haube des ID.3. Für den Schweizer Markt, der den Allradantrieb liebt, ist dies eindeutig ein Nachteil. Es muss jedoch gesagt werden, dass es derzeit noch keinen elektrischen Kompaktwagen gibt, der über einen Allradantrieb verfügt. Allerdings wurden bei Tests schon Erlkönige einer ID.3-Sportversion gesichtet.

Zwei Batteriekapazitäten

Dennoch müssen wir uns vorerst mit den beiden aktuellen Versionen begnügen. Zunächst gibt es den Pro. Mit einer von LG gelieferten Batterie mit 62 kWh (netto 58 kWh) ermöglicht sie eine WLTP-Reichweite von 415 Kilometern, je nach Fahrzeugkonfiguration liegt der Wert zwischen 397 und 429 Kilometern. An einer Wallbox mit elf Kilowatt Leistung dauert es 6¼ Stunden, bis der Akku vollständig aufgeladen ist. Bei Gleichstrom bleibt die Leistung auf 120 kW beschränkt. Damit kann man in 35 Minuten von 5 auf 80 Prozent laden. Dann gibt es noch die Version Pro S. Mit 82 kWh (netto 77 kWh) ermöglicht sie eine Reichweite zwischen 529 und 559 Kilometern. Das ist phänomenal, vor allem für ein Fahrzeug in diesem Segment. Bei Wechselstrom dauert es 7½ Stunden, bis der Akku komplett voll ist. Bei Gleichstrom braucht es 30 Minuten, da das Auto nun mit 170 kW aufgeladen werden kann (vorher 135 kW). Das ist langstreckentauglich – liess sich aber nicht testen, denn der Testwagen war mit der kleineren Batterie ausgestattet.

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