Seit der Einführung der aktuellen Generation 2021 baut der VW Multivan nicht mehr auf einer Nutzfahrzeugplattform auf, sondern fusst auf dem MQB, den auch der Golf und Co. nutzen. Praktisch von Anfang an gab es Benzin-, Diesel- und Plug-in-Hybridantriebe, allerdings nur mit Vorderradantrieb. Allradantrieb «4Motion» im Multivan wurde erst kürzlich in Form des modernisierten Plug-in-Hybriden «eHybrid» nachgeschoben, dem wir hier auf den Zahn fühlen.
VW Multivan im Test: Allrad gibt's nur beim Plug-in-Hybrid
Moritz Doka | 19.02.2026
Beim VW Bus hat der Kunde so viel Auswahl wie noch nie: Den T7 mit Technik von Ford, den elektrischen ID. Buzz, den Camper «California» und den Multivan auf der PW-Plattform MQB, den es endlich auch mit Allradantrieb gibt – allerdings nur beim neuen Plug-in-Hybridantrieb mit mehr elektrischer Reichweite und nicht ganz günstigem Preis. Eine gute Wahl oder zu viel der Einschränkung?
Testwagenpreis: fast 100'000 Franken
Zum Test trat der Multivan eHybrid 4Motion in Topkonfiguration vor: langer Überhang, sieben Einzelsitze und in der höchsten Ausstattung «Style Liberty». Wo der Multivan aktuell ab 58'310 Franken bestellbar ist, kostet der Plug-in-Hybrid mit Allradantrieb mindestens 71'400 Franken. Der Testwagen schlug gar mit 98'869 Franken zu Buche – inklusive 8420 Franken Aktionsrabatt. Es ist schon enorm, was so ein VW Bus mittlerweile kosten kann.
Allerdings bekommt man auch eine ganze Menge Auto fürs Geld. Das ist zuallererst einmal wörtlich zu nehmen, in der Langversion misst der Multivan stolze 5.17 Meter. Die Karosserie ist aber so dimensioniert, dass man vor Normparkplätzen und den allermeisten Tiefgaragen keine Angst haben muss. Was man von der gut abschätzbaren Karosserie nicht einsehen kann, überwacht das 360-Grad-Kamerasystem.
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Beim Rangieren meinen es die Assistenzsysteme etwas gar gut. In der Tiefgarage des Redaktors riss der Notbremsassistent vor der Ausfahrt manchmal Vollstopps, selbst wenn er eigentlich deaktiviert und nichts im Weg war. Das Baby im Fond hat jedes Mal einen gehörigen Schreck bekommen und die Ausfahrt wurde zur Wundertüte: Bremst er, bremst er nicht?
Wallbox ist Pflicht
An besagtem Tiefgaragenstellplatz hängt auch eine Wallbox, die quasi Bedingung ist, wenn man den Plug-in-Hybrid kauft. Warum dann nicht gleich einen ID. Buzz kaufen? Der ist auch unter 60'000 Franken zu haben und kostet selbst als vollausgestatteter GTX mit Allrad weniger als der getestete Multivan. Weil es keine Budgetfrage ist, sondern eine der Reichweite und des Nutzungsverhaltens. Der Plug-in-Multivan ist dann sinnvoll, wenn man häufig auf Kurzstrecken unterwegs ist und diese rein elektrisch zurücklegen kann – knapp 70 Kilometer haben wir im Test mit einer Batterieladung geschafft, im reinen Stadtbetrieb sind auch 80 Kilometer und mehr möglich. Sind Tank und Batterie voll, schafft man über 600 Kilometer am Stück, wobei man den 19-7-kWh-Akku sogar am DC-Fastcharger und damit problemlos beim Zwischenstopp an der Autobahn aufladen kann. Langstreckenkönig bleibt der Diesel, aber immerhin.
Gegenüber dem bisherigen Plug-in-Hybrid mit Vorderradantrieb wurde der eHybrid mächtig umgekrempelt. Statt des 1.4-Liter-Vierzylinders steckt jetzt ein modernerer 1.5-Liter (181 PS) unter der Haube, kombiniert mit einem E-Motor (116 PS) im Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe und einem weiteren E-Motor (136 PS) auf der Hinterachse. Letzterer sorgt für Allradantrieb bis 65 km/h und treibt die Hinterachse auch bei leerem Akku an, weil er dann vom Verbrenner via Generator mit Energie versorgt wird. Die Systemleistung liegt bei 245 PS (vorher 218 PS), das Systemdrehmoment bei 350 Nm.
Verbrauch kann klein sein
Mit gewissenhaftem Nachladen haben wir einen Testverbrauch von glatten 4 l/100 km plus 22.8 kWh/100 km erreicht. Praktisch eine Punktlandung beim angegebenen Stromverbrauch, während gut drei Liter mehr Sprit durchflossen. War der Akku leer, stieg der Verbrauch auf gute neun Liter an. Auf beherzten Gaseinsatz reagiert der Antrieb mit empfindlichem Verbrauchanstieg.
Üppige Ausstattung
Ein Vorteil des Plug-in-Hybriden ist die serienmässige Standklimatisierung, was bei einem grossen Familienvan mit Schlafmöglichkeit nicht zu unterschätzen ist. Überhaupt ist die Ausstattung der Topversion entsprechend generös. Heizung für Lenkrad und Sitze, Massagefunktion, drahtlose Smartphoneanbindung, Head-up-Display und allerlei gut funktionierende Fahrhilfen (bis auf besagten Notbremsassistenten) sind an Bord. Der helle Innenraum wirkt wertig und ist sehr gut verarbeitet. Kunststoffe sind naturgemäss vorhanden, aber nicht als Sparmassnahme, sondern weil sie einfacher zu reinigen und unempfindlich sind.
Die Technik im Multivan gehört noch zur alten Generation bei VW. Der Infotainmentbildschirm ist relativ klein, integriert sich damit aber harmonischer ins Armaturenbrett und kann alles, was man von einem solchen System erwartet. Ungeschickt: Aktiviert man die Sitzheizung im Bildschirm, berührt man schnell mal versehentlich die darunterliegende Touchleiste und verändert die Musiklautstärke oder die Temperatur. Ansonsten gerät die Bedienung einfach, was vor allem den noch vorhandenen Knöpfen zu verdanken ist.
Platz ohne Ende
Aber einen solchen Bus kauft man sich ja vorrangig, weil Platzbedarf herrscht, und da ist der Multivan in seinem Element. Man kann ihn auch mit fünf, sechs oder acht Sitzen (für den Shuttleservice) bestellen, der Grossfamilienkönig ist aber diese siebensitzige Langversion. Man kann die Sitze umklappen, verschieben oder einzeln herausnehmen und die Mittelkonsole verschieben oder herausnehmen, womit sich für wirklich jede Situation die passende Konfiguration findet. Die Sitze zu montieren und demontieren ist etwas einfacher als beim T6, aber noch immer kein Kinderspiel, idealerweise ist man dafür zu zweit.
Bequemes Reiseauto
Zur Probe aufs Exempel hat der Multivan im Test einen Ausflug mit vier Erwachsenen, zwei Babys im Kinderschalensitz plus zwei grossen Kinderwagen gemacht – alle(s) fand(en) problemlos Platz. Man sitzt hoch und mit guter Übersicht, aber mit PW-mässiger Sitzposition am Steuer. Vorteil der PW-Basis: Egal ob beladen oder nicht, der Multivan fährt und federt komfortabel, was auch am Zusatzgewicht der grossen Batterie liegen mag. Lange Strecken erledigt der Multivan mit Bravour, ist mit gutem Geradeauslauf gesegnet und gemessen am grossen Innenraum relativ leise. Beim Überholen hilft der zusätzliche Elektroschub, wobei es bei Kickdown eine Weile braucht, bis sich das ganze System sortiert hat und man zum Überholen ansetzen kann.
Am wohlsten fühlt sich der Multivan eHybrid bei «halber Kraft», dann ist der Antrieb harmonisch und unauffällig. Hilfreich ist – wie bei allen Hybrid- und Elektromodellen des VW-Konzerns – die adaptive Rekuperation. Ist sie aktiv, bremst sie den Multivan vor Kurven und Hindernissen automatisch ab, sodass man kaum das Bremspedal betätigen muss, wenn man vorausschauend fährt.
Kein reines Arbeitstier
Das hohe Gewicht des Hybridantriebs senkt sowohl die Zuladung (ca. 550 kg) als auch die Anhängelast (1.6 Tonnen). Der Diesel darf zum Beispiel bis zu 800 kg zuladen und bis zu 2.5 Tonnen an den Haken nehmen. Ein Arbeitstier ist der PHEV also nicht, doch wenn das der Einsatzzweck ist, greift man ohnehin eher zum T7.
Schlussendlich ist der Multivan mit Plug-in-Hybrid dann die richtige Wahl, wenn man zuhause laden kann, häufiger auf Kurzstrecken unterwegs ist, auf der gelegentlichen Langstrecke nicht zwingend eine Ladestation aufsuchen will – und das nötige Geld aufbringen kann.
Technische Daten VW Multivan eHybrid 4Motion Style Liberty Lang
| Karosserie | |
| Fahrzeugsegment | Van |
| Länge | 5173 mm |
| Breite | 1941 mm |
| Höhe | 1907 mm |
| Radstand | 3124 mm |
| Sitzplätze | Sieben |
| Leergewicht (mit Fahrer) | 2494 kg |
| Gesamtgewicht | 2950 kg |
| Kofferraum | 469 l – 763 l – 4005 l (Dachhoch) |
| Reifengrösse | 235/55 R17 |
| Anhängelast ungebremst/gebremst | 750/1600 kg |
| Stützlast | 80 kg |
| Dachlast | 100 kg |
| Bodenfreiheit | 152 mm |
| Wendekreis | 12.1 m |
| Antrieb | |
| Motor Bauart | Ottomotor |
| Zylinder | R4 |
| Hubraum | 1498 ccm |
| Motorkonstruktion | 4 Ventile/Zylinder, DOHC, Direkteinspritzer |
| Aufladung | Turbo |
| Bohrung x Hub | 74.5 x 85.9 mm |
| Verdichtung | 12.5:1 |
| Antrieb | AWD |
| Getriebe | DSG6 |
| Leistung | 130 kW/177 PS |
| – bei Drehzahl | 5500 U/min |
| Max. Drehmoment | 250 Nm |
| – bei Drehzahl | 1500 U/min |
| Elektromotor 1 | Permanentmagnet-Synchronmotor |
| Leistung | 85 kW/116 PS |
| Drehmoment | k. A. |
| Elektromotor 2 | Permanentmagnet-Synchronmotor |
| Leistung | 100 kW/136 PS |
| Drehmoment | k. A. |
| Systemleistung | 180 kW/245 PS |
| Systemdrehmoment | 350 Nm |
| Batteriekapazität | 19.7 kWh (netto) |
| Batteriechemie | Lithium-Nickel-Mangan-Kobalt |
| Ladeleistung DC | 40 kW (kurzzeitig max. 50 kW) |
| Ladezeit DC 10-80 Prozent | 26 min |
| Ladeleistung AC | 11 kW |
| Ladezeit AC 0–100 Prozent | 150 min |
| Fahrleistungen und Verbrauch | |
| 0-100 km/h | 8.9 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 200 km/h |
| – elektrisch | 130 |
| Elektrische Reichweite (WLTP) | 91 km |
| Tankinhalt | 45 l |
| Verbrauch 100 km | 0.9 l + 22.5 kWh |
| CO2-Emission | 20 g/km |
| Energieeffizienz | E |
| Testverbrauch | 4 l + 22.8 kWh |
| Testreichweite elektrisch | 70 km |
| Preis | |
| Grundpreis | Multivan Liberty ab 58'310 Franken, eHybrid Style Lang ab 97'200 Franken |
| Testwagenpreis | 98'869 Franken |
| Garantie | 2 Jahre ohne Kilometerbegrenzung |
Bildergalerie VW Multivan eHybrid 4Motion Style Liberty Lang
Bilder: Monika Hanczyc
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