Oldtimer zu erhalten, ist das eine. Entscheidend ist, wer sie künftig noch fahren will. Mit der neuen AMAG Classic in Schinznach-Bad bündelt die AMAG Werkstatt, Sammlung, Handel, Vermietung und Veranstaltungen – und verhindert damit, historische Automobile einfach ins Museum abzuschieben. Bei der Eröffnung ging es deshalb auch um die Zukunft der Schweizer Oldtimerszene.
Wer sich in Schinznach-Bad mit einem Oldtimer beschäftigt, bewegt sich auf historischem Boden. Hier sass jahrzehntelang die Schweizer AMAG-Importorganisation, und zwischen 1949 und 1972 wurden rund 30'000 Fahrzeuge montiert. Für viele Autos, die über die AMAG zu uns kamen, begann hier ihre Schweizer Reise.
Seit Anfang Juli 2026 ist Schinznach-Bad nun wieder um eine Adresse reicher: An der Aarauerstrasse 33 arbeitet die AMAG Classic als eigenständiger Betrieb, der mehr ist als ein gewöhnlicher neuer Garagenstandort. AMAG Classic führt zwei bisher getrennte Welten zusammen: die historische Sammlung mit Archiv und Schaulager sowie die Werkstatt für klassische Kundenfahrzeuge. Daraus soll ein Kompetenzzentrum für klassische Automobile und die Geschichte der AMAG entstehen. Das Ziel ist also nicht bloss, alte Autos zu reparieren, sondern ein buntes Spektrum an Angeboten rund um klassische Automobile abzudecken.
Vom Service über die Vermietung bis zum Autohotel
Das beginnt bei den klassischen Werkstattarbeiten. Zum Angebot gehören Wartung und Reparaturen für Fahrzeuge aller AMAG-Marken, Motor- und Getrieberevisionen, Restaurationen inklusive Karosserie- und Lackierarbeiten sowie Zustandsanalysen und Kaufberatung. Auch Fragen zum Veteranenstatus, zu Importen oder zur Nachrüstung mit DAB+ gehören dazu.
Noch interessanter wird es dort, wo die AMAG Classic über den klassischen Werkstattbetrieb hinausgeht. Old- und Youngtimer können gekauft und verkauft, gemietet oder eingelagert werden. Ein eigenes Autohotel nimmt Kundenfahrzeuge auf und stellt sie auf Wunsch für die nächste Ausfahrt bereit. Dazu kommen Hol- und Bringservice sowie verschiedene Veranstaltungen. Das Vermietungsangebot soll noch weiter wachsen. Ab 2027 ist unter anderem ein in Schinznach montiertes Plymouth Belvedere Cabriolet von 1956 für Hochzeitsfahrten vorgesehen. Der historische Autobestand soll damit nicht nur angeschaut, sondern auch genutzt werden können.
Wer fährt morgen Oldtimer?
Die Zukunft des Oldtimers entscheidet sich nicht allein an der Verfügbarkeit von Ersatzteilen oder an der Qualität von Restaurierungen. Sie entscheidet sich auch daran, ob auch junge Menschen noch Lust auf alte Autos haben. Bei der Eröffnung der neuen AMAG Classic war deshalb neben AMAG-CEO Helmut Ruhl auch Daniel Geissmann, Präsident der Swiss Historic Vehicle Federation (SHVF), zu Gast. AMAG-Classic-Geschäftsführer Dino Graf hielt die Eröffnungsrede und diskutierte anschliessend mit Geissmann über die Zukunft der Oldtimer und der Oldtimerszene in der Schweiz.
AMAG-Classic-Geschäftsführer Dino Graf (links) im Gespräch mit SHVF-Präsident Daniel Geissmann.
Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie sich auch junge Menschen für Old- und Youngtimer begeistern lassen. Denn der Generationenwechsel ist für die Szene eine der zentralen Herausforderungen. Die Fahrzeuge selbst können Jahrzehnte überdauern – die Begeisterung dafür muss allerdings immer wieder neu entstehen. So hat der SHVF die Initiative "Young4Vintage" ins Leben gerufen, um junge Menschen ans Thema Old- und Youngtimer heranzuführen.
Vom Sammlerobjekt zum Erlebnis
Die AMAG Classic setzt deshalb nicht nur auf die klassische Betreuung bestehender Besitzer. Mit Veranstaltungen, Vermietung und einem öffentlich zugänglicheren Auftritt soll der Zugang zum Thema breiter werden. Der neue Standort soll ausdrücklich auch ein Treffpunkt für Menschen sein, die sich für automobile Klassiker interessieren, ohne gerade einen Werkstattauftrag zu haben.
Das passt zu einem weiteren Teil des Konzepts: der AMAG Classic Collection. Die historische Fahrzeugsammlung, das Archiv und das Schaulager bleiben Bestandteil des neuen Betriebs. Zu sehen sind dort unter anderem frühe AMAG-Importfahrzeuge, ein in Schinznach montierter Amerikaner, der letzte in der Schweiz verkaufte VW Käfer oder ein Audi 200 Avant von Audrey Hepburn, der auch schon einen Auftritt in der Automobil Revue hatte (AR 10/25). Damit treffen bei der AMAG Classic zwei Ansätze aufeinander: bewahren und bewegen. Das Auto als historisches Dokument – und das Auto als Fahrzeug, das weiterhin auf die Strasse gehört.
Auch Youngtimer gehören dazu
Das Angebot ist nicht auf die klassischen Oldtimer beschränkt. Die AMAG Classic kümmert sich ausdrücklich auch um Youngtimer. Das erweitert das mögliche Publikum erheblich: Ein VW Golf 4, ein Audi TT oder ein früher Seat Ibiza kann für einen jüngeren Fan einen ganz anderen emotionalen Zugang darstellen als ein 60 Jahre alter Luxusklassiker.
Gerade Youngtimer könnten für die nächste Generation eine Brücke bilden. Sie sind Teil der eigenen Kindheit oder derjenigen der Eltern und Grosseltern, technisch noch vergleichsweise vertraut und auf dem heutigen Strassenbild trotzdem selten geworden.
Ein neuer Szene-Fixpunkt
Die AMAG Classic hat sich damit ein breites Aufgabenfeld vorgenommen, ist Werkstatt, Händler, Vermieter, Lager, Sammlung und Treffpunkt zugleich. Das bestehende Angebot soll in den kommenden Monaten weiter ausgebaut werden. Ein potenzieller neuer Fixpunkt für die Schweizer Klassikerszene, der nicht allein durch Showroom- oder Sammlungsgrösse, sondern auch durch das breite Angebot überzeugt.
Dino Graf, Geschäftsführer der AMAG Classic.
Denn am Ende geht es bei historischen Autos um mehr als deren Erhalt. Ein Oldtimer lebt davon, dass jemand den Schlüssel dreht, den Motor startet und losfährt. Genau diese Begeisterung an die nächste Generation weiterzugeben, dürfte eine der wichtigsten Aufgaben der Szene sein.