Automobil Revue | 30.07.2026
BMW reagiert auf die schwierigeren Marktbedingungen mit einem deutlichen Sparkurs. Der Münchner Konzern baut seine Strukturen um, senkt Kosten und hat mit dem Betriebsrat ein freiwilliges Abfindungsprogramm vereinbart. Hintergrund sind vor allem die schwache Entwicklung im chinesischen Markt.
Die Zeiten zweistelliger Renditen im Premiumsegment sind vorbei. Im ersten Halbjahr 2026 sank das Vorsteuerergebnis der BMW Group um 29.4 Prozent auf 4.045 Milliarden Euro. Im zweiten Quartal fiel der Rückgang mit 35.1 Prozent noch stärker aus. Der Umsatz ging um 8 Prozent auf 62.266 Milliarden Euro zurück. Besonders das Automobilgeschäft steht unter Druck: Die EBIT-Marge lag nach sechs Monaten nur noch bei 2.3 Prozent.
Hauptursache ist China. Im weltweit wichtigsten Automarkt für Premiumhersteller verliert BMW deutlich an Boden. Die Auslieferungen sanken dort im ersten Halbjahr um 20,4 Prozent auf 261’773 Fahrzeuge. Im zweiten Quartal beschleunigte sich der Rückgang sogar auf 30.2 Prozent. Der Wettbewerb mit chinesischen Herstellern, die vor allem bei Elektrofahrzeugen mit kurzen Entwicklungszyklen und aggressiver Preisgestaltung auftreten, verschärft die Situation zusätzlich.
Als Konsequenz will BMW seine Organisation verschlanken. Mit dem Betriebsrat wurde eine Anpassung der Personalstrukturen inklusive eines freiwilligen Abfindungsprogramms vereinbart. Nach Medienangaben sollen weltweit rund 8000 Stellen wegfallen. Betroffen sind vor allem Verwaltungs- und indirekte Bereiche; der Abbau soll über freiwillige Austritte und natürliche Fluktuation erfolgen.
BMW-Chef Milan Nedeljković begründet den Schritt mit einem grundlegenden Wandel der Branche: «Ein harter globaler Wettbewerb, steigende regulatorische Anforderungen und geopolitische Konflikte» würden die kommenden Jahre bestimmen. Deshalb müsse BMW «schlank und agil» werden.
Nicht alle Märkte entwickeln sich negativ. In Europa stiegen die Auslieferungen im ersten Halbjahr um 5.4 Prozent, in den USA um 3.9 Prozent. Auch die Elektromobilität entwickelt sich regional unterschiedlich. Weltweit lieferte BMW 204’295 vollelektrische Fahrzeuge aus, 7.4 Prozent weniger als im Vorjahr. In Europa hingegen legte der Absatz im zweiten Quartal nach dem Start des neuen BMW iX3 um 37.9 Prozent zu.
Die Hoffnung des Konzerns ruht auf der Neuen Klasse. Der neue iX3 als erstes Modell der neuen Elektroarchitektur verzeichnet laut BMW eine hohe Nachfrage und nähert sich 100’000 Bestellungen. Weitere Modelle wie der neue BMW i3 und der kommende X5 sollen die Technologieplattform in weitere Segmente bringen.