Mehr als nur Lack: Die Carrosserie-Branche stellt die Weichen für die Zukunft

Luca Prota | 06.07.2026

Am Refinish Innovation Day von Akzo Nobel in Bäretswil wurde deutlich: Die Zukunft der Carrosserie- und Lackbranche entscheidet sich nicht allein in der Lackierkabine. Nachhaltigkeit, Energieeffizienz, Digitalisierung und starke Partnerschaften entwickeln sich zu den entscheidenden Erfolgsfaktoren.

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Mit rund 70 Fachpersonen aus Carrosserie- und Lackierbetrieben, Versicherungen, Flottenmanagement sowie der Zulieferindustrie war der Refinish Innovation Day von Akzo Nobel deutlich besser besucht als erwartet. Im Schulungszentrum in Bäretswil wurde schnell klar: Die Branche befindet sich mitten in einem tiefgreifenden Wandel – und dieser reicht weit über neue Lacke und Reparaturverfahren hinaus.

Zum Auftakt präsentierte Akzo Nobel seine neuesten Entwicklungen im Bereich moderner Reparaturlacke und nachhaltiger Beschichtungstechnologien. Neue wasserbasierte Systeme verkürzen die Trocknungszeiten in Lackierkabinen deutlich und reduzieren gleichzeitig Energieverbrauch und CO₂-Emissionen. Ergänzt werden sie durch digitale Werkzeuge, mit denen Betriebe den CO₂-Fussabdruck verschiedener Produkte und Prozesse direkt vergleichen können. Innovation bedeutet heute längst nicht mehr nur bessere Lackqualität, sondern auch höhere Effizienz und geringere Betriebskosten.

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Dass Nachhaltigkeit zunehmend zum wirtschaftlichen Erfolgsfaktor wird, unterstrichen mehrere Referenten im Verlauf des Tages. Andreas Hofer von Enerprice Partners zeigte auf, dass gesetzliche Vorgaben, neue Berichtspflichten und steigende Anforderungen grosser Auftraggeber künftig sämtliche Unternehmen entlang der Lieferkette betreffen werden. Wer seine Energieverbräuche und CO₂-Emissionen kennt, verschafft sich nicht nur regulatorische Sicherheit, sondern verbessert gleichzeitig seine Wettbewerbsfähigkeit.

Wie sich diese Transformation technisch umsetzen lässt, erläuterte Stephan Gemperle von eicher+pauli. Lackierkabinen zählen zu den grössten Energieverbrauchern eines Carrosseriebetriebs und bieten entsprechend grosses Einsparpotenzial. Wärmerückgewinnung, Wärmepumpen, geschlossene Energiesysteme oder die Nutzung von Abwärme für die Gebäudeheizung können den fossilen Energiebedarf markant reduzieren. Gleichzeitig wurde offen angesprochen, dass solche Investitionen sorgfältig geplant werden müssen und je nach Betriebsgrösse unterschiedlich wirtschaftlich sind.

Amedeo Bonorva

Amedeo Bonorva, Country Sales Manager VR Switzerland, Akzo Nobel Coatings

Mindestens ebenso wichtig wie die Technik sei jedoch der Austausch innerhalb der Branche. Mit Acoat Selected stellte Akzo Nobel sein seit 50 Jahren bestehendes internationales Premium-Netzwerk vor, das heute rund 1400 ausgewählte Carrosserie- und Lackierbetriebe umfasst. Im Mittelpunkt stehen Erfahrungsaustausch, Weiterbildung, einheitliche Qualitätsstandards sowie der Zugang zu Flotten- und Versicherungspartnern. Qualität statt Quantität lautet dabei das Credo – auch für den weiteren Ausbau des Schweizer Netzwerks.

Wie wichtig gut ausgebildete Mitarbeitende künftig sein werden, zeigte EBP Schweiz. Gemeinsam mit Akzo Nobel und dem Schweizer Mobilitätsverband entsteht eine Booster-Ausbildung, welche Nachhaltigkeit nicht als Pflichtübung, sondern als Business Case vermittelt. Ziel ist es, Betrieben konkrete Werkzeuge an die Hand zu geben, um Energieeffizienz, neue Geschäftsmodelle und wirtschaftliche Chancen gezielt zu nutzen.

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Für Salvatore Malomo von AkzoNobel steht fest, dass Dekarbonisierung längst keine theoretische Zukunftsvision mehr ist. Flottenbetreiber, Versicherungen und öffentliche Auftraggeber definieren bereits heute ambitionierte Klimaziele und werden diese zunehmend entlang ihrer gesamten Lieferkette einfordern. Gleichzeitig stehen den Betrieben umfangreiche Förderprogramme des Bundes für energieeffiziente Investitionen zur Verfügung.

Mit dem Sustainable Repair Network (SRN) soll Carrosserieunternehmen zudem ein praxisnahes Instrument erhalten, um ihre CO₂-Bilanz zu erfassen, Verbesserungsmassnahmen umzusetzen und sich für die Anforderungen der Zukunft aufzustellen. Die zentrale Botschaft des Tages lautete deshalb: Nicht abwarten, sondern Schritt für Schritt handeln. Denn bereits kleine Verbesserungen können langfristig einen grossen wirtschaftlichen und ökologischen Effekt erzielen.

Verlosung

Einmal Porsche für ein Wochenende: Thomas Güntert, Geschäftsführer des Porsche Zentrum Zug, verloste im Rahmen des Events den Wagen und überreichte ihn an Gewinner Martin Bucher von der Schellenberg GmbH Müllheim TG

Der Refinish Innovation Day zeigte eindrücklich, dass sich die Schweizer Carrosserie- und Lackbranche in einer Phase grundlegender Transformation befindet. Wer künftig erfolgreich sein will, benötigt nicht nur technisches Know-how, sondern ebenso unternehmerisches Denken, effiziente Prozesse und starke Partnerschaften. Nachhaltigkeit entwickelt sich dabei zunehmend vom regulatorischen Thema zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

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Fotos: Akzo Nobel

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