Automobil Revue | 03.06.2026
Der Branchenverband wächst auf 63 Mitgliedsmarken und fordert wegen des anhaltenden Drucks auf die Schweizer Automobilwirtschaft einen politischen Kurswechsel: die Übernahme der europäischen Flexibilisierung bei den CO₂-Vorschriften, den Abbau von Überregulierung sowie eine Entlastung von Unternehmen und Automobilisten bei Steuern und Abgaben.
Die ordentliche 68. Generalversammlung von Auto-Schweiz stand ganz im Zeichen der grossen Herausforderungen für die Schweizer Automobilwirtschaft in einem stagnierenden Markt. Präsident Peter Grünenfelder wurde für eine weitere Amtsdauer von drei Jahren bestätigt. Ebenfalls wiedergewählt wurde Claudia Meyer (Renault Group). Neu im Vorstand ist Dirk Adelmann, CEO von Mercedes-Benz Schweiz.
Nach Aufnahme von zwei neuen Marken zählt der Verband nun mit 63 Mitgliedsmarken so viele Marken wie noch nie, die mehr als 90 Prozent der in der Schweiz neu immatrikulierten neuen Fahrzeuge abdecken. Peter Grünenfelder dankte den Mitgliedern: «Die geschlossene Wiederwahl stärkt uns den Rücken, um die verkehrs- und klimapolitischen Interessen der Schweizer Automobilbranche weiterhin mit Nachdruck in Bern zu vertreten.»
Grünenfelder verwies auf die schwierige Lage der Schweizer Automobilwirtschaft. Während sich zahlreiche europäische Fahrzeugmärkte erholen und die Europäische Union ihre Regulierung an die Marktrealität anpasst, blieben «die Automobilimporteure in der Schweiz mit einem rückläufigen Markt, rigider Regulierung und millionenschweren Sanktionen konfrontiert.»
Für Auto-Schweiz hat deshalb die rasche Übernahme der europäischen Flexibilisierungsmassnahmen bei den CO₂-Flottenvorschriften oberste Priorität. Die Schweiz dürfe ihre Automobilwirtschaft nicht länger durch zusätzliche Belastungen gegenüber den europäischen Nachbarländern benachteiligen.Thomas Rücker, Direktor Auto-Schweiz, ergänzte: «Die Schweiz darf sich keinen regulatorischen Sonderweg leisten. Es braucht mehr Technologieoffenheit, mehr Pragmatismus und eine Politik, die sich an den Marktgegebenheiten statt an ideologischen Wunschvorstellungen orientiert.»
Auto-Schweiz fordert zudem einen konsequenten Abbau des «Regulierungsdickichts, das die Branche zunehmend belastet.» Statt neuer Vorschriften brauche es marktwirtschaftliche Rahmenbedingungen, welche Innovationen und Investitionen fördern. Der Verband setzt sich deshalb für eine umfassende Deregulierung ein. Die Bandbreite reicht von der «Überprüfung unnötiger Deklarationspflichten bis hin zum Abbau marktverzerrender Vorschriften».
Gleichzeitig fordert der Verband eine Entlastung bei Steuern und Abgaben. Die Automobilisten und die Automobilwirtschaft leisteten bereits heute jährlich fast 13 Milliarden Franken an Steuern und Abgaben. Vor diesem Hintergrund lehnt Auto-Schweiz zusätzliche Belastungen entschieden ab und spricht sich unter anderem für die Abschaffung der Automobilsteuer aus.
Kritisch beurteilt Auto-Schweiz die zunehmende Schieflage bei den Infrastrukturinvestitionen des Bundes. Obwohl rund zwei Drittel aller Personen- und Gütertransporte auf der Strasse stattfinden, soll im Rahmen von Verkehr’45 ein Grossteil der geplanten zusätzlichen Investitionen in den Schienenverkehr fliessen. Gleichzeitig erreichen Staus und Engpässe auf dem Strassennetz Rekordwerte. Leistungsfähige Strassen blieben eine zentrale Voraussetzung für Wohlstand, Versorgungssicherheit und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Schweiz.
Fotos: Auto-Schweiz, Mercedes-Benz, Renault