Holger Holzer | 07.10.2026
Käfer, Ente oder Mäuschen: Manche Autos sind unter ihrem tierischen Spitznamen bekannter geworden als unter ihrer eigentlichen Modellbezeichnung.
Citroën lässt die Ente wieder aufleben. Auf dem Pariser Salon steht zumindest eine seriennahe Studie des für 2028 angekündigten 2CV, diesmal als kleines Elektro-Stadtauto. Ob das fertige Modell vom deutschen Volksmund wieder den Vogel-Titel verliehen bekommt, ist noch offen. Unwahrscheinlich ist der Griff in die Begriffskiste des Tierreichs aber nicht, wenn man sich die Autogeschichte so anschaut.
Citroën 2CV – das hässliche Entlein
In der Deutschschweiz wird der 2CV gerne mit Döschwo benannt, in der Romandie als deuche, beides abgeleitet von «deux chevaux». In Deutschland kennt nahezu jeder den Citroën 2CV als Ente. Seine Wurzeln hat der Spitzname allerdings wohl in den Niederlanden. Bei der Vorstellung des Autos 1948 soll ein niederländischer Journalist angesichts der ungewöhnlichen Karosserie vom «hässlichen Entlein» gesprochen haben. Von dort verbreitete sich der Name vor allem im deutschsprachigen Raum. Citroën übernahm den Enten-Namen in Deutschland später selbst.
VW Käfer – vom Spitznamen zum Modellnamen
Eigentlich hiess der berühmteste VW zunächst schlicht Typ 1. Wegen seiner rundlichen Karosserie bürgerte sich in Deutschland jedoch schon früh die Bezeichnung«Käfer» ein. Auch im Ausland setzte sich das Tiermotiv durch: Im englischsprachigen Raum wurde aus dem Auto der «Beetle», in Frankreich hiess es «Coccinelle» (Marienkäfer). Der ursprünglich volkstümliche Spitzname wurde schliesslich so bekannt, dass der Wolfsburger Hersteller ihn offiziell übernahm.
Fiat 500 – das Mäuschen
Auch der erste Fiat 500 kam zu einem Tiernamen, der sich bis heute gehalten hat. Der kleine Italiener von 1936 wurde im Volksmund «Topolino» genannt – wörtlich ungefähr «Mäuschen». Zugleich ist Topolino in Italien der Name von Micky Maus. Fiat selbst griff die Bezeichnung Jahrzehnte später auf: Heute trägt das elektrische Leichtfahrzeug der Marke offiziell den Namen Topolino.
Austin-Healey Sprite – das Froschauge
Beim Austin-Healey Sprite Mk I genügt ein Blick auf die Front, um die Amphibien-Assoziation zu verstehen. Seine weit oben auf der Motorhaube sitzenden Rundscheinwerfer brachten dem kleinen britischen Roadster in Europa den Namen «Frogeye», also «Froschauge», ein. Ursprünglich sollten die Scheinwerfer versenkbar sein, blieben dann aus Kostengründen jedoch dauerhaft aufrecht stehen – und schufen damit das prägendste Merkmal des Autos.
Nissan Skyline GT-R – ein Monster aus Japan
Kein echtes Tier, aber das berühmteste Monster der japanischen Popkultur: Der Nissan Skyline GT-R der Baureihe R32 wurde Ende der 1980er-Jahre zum «Godzilla». Geprägt wurde der Spitzname in Australien. Das Magazin Wheels stellte den neuen Hochleistungs-Nissan 1989 als japanisches Monster vor, das die etablierten europäischen Rennwagen schlagen sollte. Wenig später dominierte der GT-R tatsächlich den australischen Tourenwagensport. Der Name blieb hängen und wird bis heute auch auf spätere GT-R-Generationen übertragen.
Ganz auf Serienautos beschränkt ist die tierische Spitznamenwelt allerdings nicht. Gerade im Motorsport finden sich besonders fantasievolle Beispiele: Der Mercedes 300 SEL 6.8 AMG wurde als «Rote Sau» berühmt, die schweren Mercedes-Kompressor-Rennwagen der Vorkriegszeit als «Weisse Elefanten». Porsche schickte mit dem rosa lackierten 917/20 ein «Pink Pig» nach Le Mans, während der extrem gestreckte Porsche 935/78 wegen seiner weissen, massigen Karosserie als «Moby Dick» bekannt wurde. SP-X/AR
Fotos: Fiat, Nissan, Stellantis, VW