Porsche Sonderwunsch Flachbau RS: Wenn Geld keine Rolle mehr spielt

Klaus Justen | 14.08.2026

Wenn alle Optionenlisten ausgereizt sind und die Individualisierungspakete nichts mehr hergeben, dann gibt es bei Porsche noch das Sonderwunsch-Programm. Voraussetzung: Man hat ein gut gefülltes Bankkonto. Ein sehr gut gefülltes.

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Sonderwunsch Flachbau RS rechts, Original 935/78 «Moby Dick» links

Exakt 150'000 Euro kostet bereits der Einstieg. Dafür bekommt der Kunde zunächst noch kein Auto, sondern die Projektierungsphase: Porsche prüft die Idee, entwickelt ein Konzept und klärt, ob sich der Wunsch überhaupt technisch, rechtlich und produktionstechnisch realisieren lässt. Erst danach wird es richtig teuer. Je nach Aufwand kann ein Sonderwunsch-Projekt zwischen zwei und 15 Millionen Euro kosten.

Das Programm trägt seine heutige Form seit 2021 und richtet sich an Kunden, denen selbst die Möglichkeiten der regulären Individualisierung nicht exklusiv genug sind. Drei Fahrzeuge können bei Porsche gleichzeitig als Sonderwunsch-Projekte gebaut werden. Die Nachfrage ist entsprechend überschaubar – die Wartezeit inzwischen aber nicht: Mindestens ein Jahr sollte ein Kunde einplanen.

Wie weit die Möglichkeiten gehen, zeigt das jüngste Beispiel: ein 911 GT2 RS der Generation 991.2, der zum Flachbau RS umgebaut wurde. Nicht einfach mit anderen Sitzen, einer speziellen Lackierung oder einem zusätzlichen Carbonpaket, sondern mit einer komplett neu entwickelten Karosserie. Das Ergebnis ist ein strassenzugelassenes Werksunikat, das den legendären Porsche 935/78 «Moby Dick» zitiert.

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Die Idee hinter solchen Projekten ist allerdings älter als die Marke Sonderwunsch. Eines der bemerkenswerten Beispiele entstand vor einigen Jahren auf Initiative des italienischen Designers Luca Trazzi. Er wollte seiner Sammlung einen 993 Speedster hinzufügen. Das Problem: Porsche hatte vom 993 nie einen Speedster gebaut. Also zog Trazzi eine ebenso einfache wie konsequente Schlussfolgerung: «So I decided to build it myself.» Aus dem Wunsch eines Sammlers wurde ein offizielles Porsche-Sonderprojekt.

Der aktuelle Flachbau RS folgt demselben Prinzip, treibt es aber technisch deutlich weiter. Ausgangspunkt war ein neuwertiger 911 GT2 RS mit Weissach-Paket aus dem Baujahr 2018. Knapp drei Jahre lang arbeiteten Spezialisten der Sonderwunsch-Manufaktur, von Style Porsche, aus Weissach, dem Motorsport und von Manthey an dem Einzelstück. Der Antrieb blieb unverändert. Alles andere stand zur Diskussion.

Vorbild war der 935/78, der wegen seiner lang gezogenen Karosserie den Spitznamen «Moby Dick» trug. Der Rennwagen auf Basis des 911 Turbo sorgte ab 1976 für zahlreiche Erfolge und gewann unter anderem viermal in Folge die Markenweltmeisterschaft. 1978 entstand mit dem 935/78 eine besonders radikale Variante. Porsche griff die Form bereits 2018 wieder auf und baute 77 Exemplare eines modernen 935 als Clubsport-Rennwagen.

Bildergalerie: Vom Porsche 911 GT2 zum Flachbau RS – das fertige Auto

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Beim aktuellen Sonderwunsch-Projekt ging es nun darum, diese Rennsportästhetik mit einem strassenzugelassenen GT2 RS zu verbinden. Die Kotflügel wurden deutlich flacher gestaltet und erhielten schlitzförmige Luftauslässe. Weil sich dadurch die Kontur der Karosserie änderte, mussten auch Tankdeckel und dessen Kinematik angepasst werden. Die Front wurde komplett neu entwickelt.

Besonders auffällig ist das Lichtsystem. Statt der runden Serienscheinwerfer sitzen drei extrem flache LED-Einheiten übereinander. Abblend- und Fernlicht sind jeweils nur knapp vier Zentimeter hoch, das Tagfahrlicht misst weniger als zwei Zentimeter. Die Optik soll damit möglichst nahe an der flachen, gedrungenen Form des historischen Rennwagens kommen.

Lackiert ist das Unikat in Grandprixweiss, das mit mattschwarz lackierten Partien sowie Flächen mit Sichtcarbon kombiniert wurde.

Bildergalerie: Vom Porsche 911 GT2 zum Flachbau RS – die Tests

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Auch aerodynamisch ist das Einzelstück weit mehr als eine Designübung. Manthey steuerte Frontflaps, Unterboden und Diffusor bei. Der neue Heckflügel orientiert sich am 911 GT3 R Rennsport und ist rund fünf Zentimeter höher. Er lässt sich in drei Positionen fixieren. Bei 340 km/h erzeugt der Flachbau RS im High-Downforce-Setup 554 Kilogramm Abtrieb an der Hinterachse.

Dafür wurde auch Gewicht geopfert, wo immer es möglich war. Gegenüber dem bereits konsequent auf Leichtbau getrimmten GT2 RS mit Weissach-Paket verlor das Einzelstück weitere 31,6 Kilogramm. Im Innenraum verschwanden unter anderem das Porsche Communication Management, die Audioanlage, zahlreiche Dämmmaterialien und Bodenbeläge. Hinter den Sitzen präsentiert sich der Porsche beinahe wie ein Rennwagen: nackte Flächen, sichtbare Leitungen und viel Carbon.

Bildergalerie: Vom Porsche 911 GT2 zum Flachbau RS – der Manufaktur-Prozess

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Dass ein solches Auto trotz seiner Radikalität eine Strassenzulassung erhält, ist allerdings nicht selbstverständlich. Porsche betrieb dafür einen erheblichen Entwicklungsaufwand. Drei Versuchsträger wurden aufgebaut, virtuelle Crash- und Strukturanalysen durchgeführt und die Aerodynamik per CFD untersucht. Der neue Heckflügel musste auf dem Hydropulser-Prüfstand extreme Belastungen aushalten, zusätzlich wurde seine statische Belastbarkeit geprüft.

Danach ging es auf die Teststrecke. Die Erprobung umfasste Fahrten auf dem Flugplatz Mendig (das liegt in der Nähe des Nürburgrings in Deutschland), rund 50 Runden auf der Nürburgring-Nordschleife sowie Dauerläufe in Weissach bei Stuttgart. Die Belastung des Heckflügels entsprach dabei ungefähr 150'000 Kilometern im Einsatz eines Kunden.

Das klingt nach einem beträchtlichen Aufwand für ein einziges Auto. Genau darin liegt allerdings das Prinzip des Sonderwunsch-Programms: Es geht nicht darum, aus einem Serienmodell eine seltene Ausstattungsversion zu machen. Der Kunde bezahlt dafür, dass Porsche eine Idee aufgreift, sie konstruktiv durchdringt und daraus ein Einzelstück entwickelt, das es so kein zweites Mal gibt.

Bildergalerie: Vom Porsche 911 GT2 zum Flachbau RS – Detailarbeit

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Der entscheidende Unterschied zur normalen Aufpreisliste liegt damit weniger darin, was angekreuzt werden kann. Sondern darin, dass Porsche beim Sonderwunsch im Zweifel erst herausfinden muss, wie etwas überhaupt gebaut werden kann. Die Rechnung dafür beginnt bei 150'000 Euro – und endet dort, wo die Fantasie des Kunden auf die technischen Möglichkeiten von Porsche trifft.

Beim Flachbau RS ist das Ergebnis ein Porsche, der eine historische Idee neu interpretiert. Die Karosserie zitiert den 935, die Technik stammt aus dem GT2 RS, die Aerodynamik wurde gemeinsam mit Manthey entwickelt – und am Ende steht ein Einzelstück mit Strassenzulassung.

Wo es genau seine Kreise ziehen wird, verrät Porsche nicht. Der Käufer will anonym bleiben. Irgendwie verständlich. Aber solch ein Auto will gefahren werden, nicht nur in einer abgedunkelten Sammlung stehen. Also auf Wiedersehen demnächst – auf irgendeiner Rennstrecke dieser Welt.

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Fotos: Porsche

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