Die Auswahl bezahlbarer E-Autos wächst: Der Hyundai Ioniq 3 überzeugt mit einfacher Bedienung, viel Platz und einem komfortablen Fahrwerk. Sein sportlicher Auftritt verspricht allerdings mehr, als der Antrieb liefert.
Die Türkei hat sich längst als Produktionsstandort der Autoindustrie etabliert. Renault, Fiat und Hyundai bauen dort seit Jahrzehnten Fahrzeuge. Hyundai hat zuletzt 260 Millionen Euro in sein Werk in Izmit investiert, um dort den ersten Stromer der Marke «Made in Turkey» zu fertigen. Der Ioniq 3 soll die Lücke zwischen dem kleinen Inster und dem Kona Elektro schliessen.
Technisch ist der Hyundai eng mit dem Kia EV2 verwandt. Batteriegrössen und Frontantriebe sind weitgehend identisch, bei der Karosserie gehen die Koreaner allerdings eigene Wege. Während Kia auf einen hoch bauenden SUV setzt, tritt der gut 4.15 Meter lange und nur 1.50 Meter hohe Ioniq 3 als flacher Fastback auf. Das wirkt dynamischer, als es der Antrieb später einlösen kann.
Das Design bleibt Geschmackssache. Vor allem das gedrungene Heck mit der abgeknickten und von einem Spoiler geteilten Scheibe dürfte nicht jedem gefallen. Das zusätzliche Fenster verbessert immerhin die Sicht nach hinten. Die Dachlinie bleibt über den Passagieren zunächst nahezu gerade und fällt erst weiter hinten ab. Das schafft ordentlich Kopffreiheit im Fond und kommt der Aerodynamik zugute.
Zwei Batteriegrössen stehen zur Wahl: 42.2 oder 61 kWh. Damit sind nach WLTP bis zu 344 oder 497 Kilometer möglich. In der Schweiz startet der Ioniq 3 bei 29'990 Franken. Zur Grundausstattung gehören unter anderem Zwei-Zonen-Klimaautomatik, LED-Scheinwerfer und Rückfahrkamera. Je nach Ausstattung kommen Batterieheizung und Vorkonditionierung, Wärmepumpe, Matrix-LED-Licht und Navigation hinzu.
Die N-Line-Version treibt den Preis weiter nach oben. Mit 19-Zoll-Rädern und weiteren optischen Zutaten soll der Ioniq 3 sportlicher wirken. Gerade hier fällt auf, dass der Antrieb nicht ganz zum Auftritt passt.
Positiv ist die Bedienung. Der Ioniq 3 ist der erste europäische Hyundai mit dem neuen Infotainmentsystem Pleos Connect. Je nach Ausstattung gibt es einen 12.9 oder 14.6 Zoll grossen Touchscreen. Das System basiert auf Android Automotive, Apps wie Spotify oder Youtube lassen sich direkt nutzen. Apple CarPlay und Android Auto funktionieren zusätzlich kabellos.
Entscheidend ist aber weniger die technische Basis als die Bedienbarkeit – und hier haben die Koreaner ihre Hausaufgaben gemacht. Häufig benötigte Funktionen lassen sich schnell erreichen, für die Klimatisierung gibt es weiterhin echte Tasten und die Lautstärke wird über einen separaten Regler eingestellt. Auch die Assistenzsysteme lassen sich vergleichsweise einfach deaktivieren. Ein langer Druck auf die entsprechende Lenkradtaste öffnet ein Menü, in dem die gewünschten Systeme ausgewählt werden können.
Das schmale Fahrerdisplay sitzt weit vorne an der Windschutzscheibe und liegt damit gut im Blickfeld. Die Darstellung ist übersichtlich und auf die wichtigsten Informationen beschränkt. Ein zusätzliches Head-up-Display vermisst man deshalb kaum.
Im Innenraum bietet der Ioniq 3 genügend Platz und zahlreiche Ablagen. Die Mittelkonsole nimmt Getränke und Smartphone auf, darunter findet sich weiterer Stauraum. Die Sitze sind bequem, könnten aber mehr Seitenhalt bieten. In den teureren Versionen lässt sich der Beifahrersitz vom Fahrerplatz aus elektrisch verschieben. Auch im Fond geht es trotz der flachen Dachlinie geräumig zu. Die niedrige Sitzbank sorgt allerdings für einen spitzen Kniewinkel.
Der Kofferraum fasst 322 Liter im Hauptabteil, dazu kommen 119 Liter Stauraum unter dem Ladeboden. Das ist praktisch für kleinere Gegenstände, schwere Gepäckstücke müssen allerdings entsprechend tief herausgehoben werden. Einen zusätzlichen Frunk gibt es nicht.
Auf der Strasse hinterlässt der Ioniq 3 einen erwachsenen Eindruck. Die Lenkung arbeitet etwas schwergängiger als bei vielen anderen Hyundai, vermittelt dafür einen guten Kontakt zu den Vorderrädern. Das Fahrwerk ist eher weich abgestimmt und damit komfortorientiert. Unebenheiten werden sauber weggefiltert, sportliche Ambitionen stehen dagegen nicht im Vordergrund.
Das gilt auch für den Antrieb. Der Ioniq 3 beschleunigt ordentlich und bietet für den Alltag genügend Leistung. Mehr Punch würde man angesichts des dynamischen Auftritts aber erwarten – insbesondere bei der N Line mit ihren grossen Rädern. Das Potenzial für eine sportlichere Variante wäre vorhanden.
Bei der kleinen Batterie arbeitet ein 108 kW (147 PS) starker Elektromotor mit Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP). Die 61-kWh-Batterie nutzt Nickel-Mangan-Kobalt-Zellen (NMC) und wird von einem 99 kW (135 PS) starken Motor angetrieben. Für den Sprint auf 100 km/h vergehen je nach Version 8.7 bis 9.5 Sekunden, bei 170 km/h wird abgeregelt.
Geladen wird mit der in dieser Klasse üblichen 400-Volt-Technik. Am Gleichstrom-Schnelllader sind bis zu 119 kW möglich. Von 10 auf 80 Prozent dauert der Ladevorgang unter Idealbedingungen rund eine halbe Stunde. Wechselstrom wird mit bis zu 22 kW geladen. Die Vehicle-to-Load-Funktion ermöglicht zudem die Versorgung externer Geräte mit Strom. Hyundai nennt für das DC-Laden 10 bis 80 Prozent rund 29 Minuten.
Unterm Strich ist der Ioniq 3 weniger der sportliche Stromer, den seine Optik suggeriert, als ein unkomplizierter und komfortabler Alltagswagen. Seine Stärken liegen bei Bedienung, Platzangebot und Fahrkomfort – und damit genau dort, wo ein kompakter Elektro-Hyundai überzeugen sollte. SP-X/AR
Technische Daten Hyundai Ioniq 3
Karosserie Fünftüriger, fünfsitziger Kleinwagen; Länge 4.15 m, Breite 1.80 m, Höhe 1.50 m, Radstand 2.68 m, Kofferraum 441–1213 l