VW ID. Cross im ersten Test: VW ist zurück

Moritz Doka | 16.03.2026

Mit dem elektrischen Kompaktwagen ID. Cross und seinen Plattformgeschwistern will VW wieder mit den bekannten Markentugenden «Qualität», «Nutzwert» und «Preis-Leistung» punkten. Gleich vorweg: Das gelingt.

DB2026 AU00170

«Die Mehrheit der Kunden wird das nicht bemerken. Aber sie werden sich wohlfühlen, und das ist essenziell.» VW-Pressesprecher Martin Hube meint die Qualitätsanmutung im neuen ID. Cross.

Es sei an der Zeit gewesen, wieder echte VWs zu bauen, und nicht, wo man noch ein paar Cent sparen könne. Das klang zu Herbert Diess' Zeiten noch anders.

Wir fahren heute einen seriennahen Prototypen von VWs neuem kleinen E-Auto, der Gutes erahnen lässt. Unter dem Stoff, der noch das Armaturenbrett abdeckt, verstecken sich unterschäumte Oberflächen, wertige Kunststoffe, schöne Stoffbezüge und vor allem wieder: Knöpfe.

Anstelle der Touchslider unter dem Infotainment sitzt eine Tastenreihe für die Klimaanlage, aus dem Mitteltunnel ragt ein Lautstärkeregler, und auch am Lenkrad sind Knöpfe statt Touchflächen zu finden.

DB2025 AU02028 large

Fast baugleicher Innenraum des VW ID. Polo, der des ID. Cross darf noch nicht gezeigt werden.

Erfreuliches ist auch von den Bildschirmen zu vermelden. Das Digitalcockpit hat nun endlich eine gescheite Grösse, sodass man die Informationen gut ablesen kann und verschiedene Darstellungen bis hin zu Retro-Uhren aus den 1970er-Jahren angezeigt werden können.

VW ID. Cross: Kofferraum mit 475 Litern, viel Platz auch auf der hinteren Bank

Der ID. Cross basiert wie der Cupra Raval auf der MEB+-Plattform mit Frontantrieb. Der erlaubt mehr Platz für Gepäck (475 – 1320 Liter) und Passagiere, im luftigen Fond sitzen auch 1.90-Meter-Menschen gut. Nicht schlecht bei 4.15 Meter Fahrzeuglänge.

Die Kopffreiheit rührt von einer Aussparung im Dach her, das Rollo des Glasdachs ist vor den Köpfen der Fondpassagiere montiert. In den Praxisnutzen zahlen bis zu 1.2 Tonnen Anhänge- und 75 Kilogramm Stützlast ein.

DB2026 AU00173

Sparsamer Elektromotor, realistische 400 Kilometer Reichweite mit dem VW ID. Cross 

Beim Motor ging es dabei vor allem um eines: «Wir haben beim Antrieb so viel wie noch nie versucht, die Effizienz zu optimieren», so VW-Ingenieur Stephan Plate über die hochintegrierte Antriebseinheit.

Wir haben denn auch nicht schlecht gestaunt, als am Ende unserer normal gefahrenen Testrunde mit Anteilen an Stadt, Landstrasse und Autobahn 12.5 kWh/100 km im Display standen. Die 52 kWh der grossen NMC-Batterie reichen damit realistisch für 400 Kilometer.

Die Zellen werden noch von Gotion produziert, ab Ende Jahr will VW sie selbst herstellen.

DB2026 AU00168

Ein Novum bei VW ist die Rekuperation bis zum Stillstand. Weil der Motor jetzt nicht mehr hinten, sondern an der Vorderachse verbaut ist, kann er stärker rekuperieren und mehr Bremsleistung übertragen. Das macht sich beim Fahren bemerkbar.

Die Rekuperation kann in zwei Stufen verstellt werden – leider nur über einen Umweg im Infotainment – und per Wahlhebel am Lenkrad aktiviert oder ausgeschaltet. Auch eine adaptive Rekuperation gibt es, die sich natürlich anfühlt und auf Sensor- und Kartendaten zurückgreift.

Die 155 kW (211 PS) beschleunigen den ID. Cross satt und progressiv. Einen merklichen Einfluss haben die Fahrmodi «Eco», «Normal» und «Sport».

Fürs Überholen ist der Normal- oder Sportmodus ideal, wobei selbst bei letzterem ein Kick in den Rücken beim Beschleunigen ausbleibt. Im Prinzip reicht der Eco-Modus aber für praktisch alle Lebenslagen, weil dann die Fahrpedalabstimmung etwas weniger direkt ist, was ein «verbrennerähnliches» Fahrgefühl vermittelt.

Das bietet der VW ID. Cross an Fahrspass und Komfort

Einflüsse im Lenkrad gibt es praktisch keine, die Lenkung selbst ist direkt und angenehm gewichtet. Am Fahrwerk wurde ebenfalls gefeilt und die Abrollgeräusche merklich reduziert.

Die Abstimmung ist ausgewogen und durchaus auf der spassigen Seite, was mit dem für ein E-Auto geringen Gewicht von unter 1.7 Tonnen zu tun hat – das sind rund 400 Kilogramm weniger als der ID.3 wiegt.

An der Vorderachse setzt der ID. Cross auf MacPherson-Federbeine, hinten auf eine günstigere Verbundlenkerachse mit komfortabler ausgelegten Buchsen. Es wird auch ein DCC-Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern verfügbar sein.

DB2026 AU00167

Für noch mehr Komfort würden wir die 18-Zoll-Felgen empfehlen, beim Testwagen mit 19-Zöllern war das Ansprechverhalten der Federung manchmal etwas herb. Kurz: Der VW ID. Cross fährt wie ein normales Auto, nicht wie ein E-Auto.

Auf der Autobahn zeigt sich das kleine SUV sehr spurstabil und ruhig. Man kann das Fahrverhalten bei höherem Tempo als «satt», sicher und getrost als rundum gut und ausgewogen bezeichnen.

Hohes Mass an automatisiertem Fahren

Ungewöhnlich in dieser Klasse ist die Menge an Ausstattung, spezifisch bei den Fahrassistenten.

Bestellbar ist ein hochautonomer Fahrassistent mit automatischem Spurwechsel, automatischem Bremsen und Anfahren an Ampeln, eine adaptive Rekuperation und eine automatische Einparkfunktion. All das funktionierte auf unserer Testfahrt sanft und fehlerfrei.

DB2025 AU02031 large

Fast baugleicher Innenraum des VW ID. Polo, der des ID. Cross darf noch nicht gezeigt werden.

Ansonsten ist beim ID. Cross ein Harman-Kardon-Soundsystem, eine Sitzmassage, Sitz- und Lenkradheizung, ein Glasdach mit elektrischem Rollo und vieles mehr bestellbar.

Der VW ID. Cross kostet in der Schweiz unter 30'000 Franken

Bestellstart für den VW ID. Cross ist ab Mitte Juli zu Preisen unter 30'000 Franken. Selbst die Topversion soll nicht viel mehr als 40'000 Franken kosten.

Kein Sonderangebot, aber fairer Kurs für ein geräumiges, praktisches, gut ausgestattetes und vor allem wertiges Auto – der ID. Cross trägt das VW-Logo wieder zu Recht.

Bildergalerie VW ID. Cross

VW ID. Cross. Zum Vergrössern anklicken!

Fotos: VW

Kommentare

Keine Kommentare