Schon mit der E-Ray hat Chevrolet ausprobiert, wie sich der klassische V8-Sound mit elektrischen Beats verträgt. Mit der ZR1X kommt nun der Track, der wirklich einschlägt: Mit maximaler Leistung stürmt sie direkt an die Spitze der Motown-Charts.
Das X am Ende des Modellnamens zeigt, dass sich die Corvette nicht allein auf die Kraft des Verbrenners verlässt, sondern auch elektrischen Vortrieb über die Vorderachse generiert. 1079 PS aus dem 5.5-Liter-Biturbo-V8 liefern nach wie vor den Grundton, dazu kommen 189 PS aus einem Elektromotor an der Vorderachse.
Macht zusammen 1267 PS Systemleistung und 1320 Nm Drehmoment, von 0 auf 100 km/h in weniger als zwei Sekunden, die Viertelmeile in unter neun Sekunden und bei Vollgas mehr als 375 km/h – Zahlen, mit denen dieser Wagen ganz oben in die Charts einsteigt.
Der eigentliche Effekt zeigt sich aber nicht auf der Geraden, sondern in der Kurve. Früher musste man der Corvette dort mit Nachdruck erklären, wo es langgeht, musste gegensteuern, wenn die Hinterachse zu forsch wurde. Jetzt übernimmt der E-Motor an der Vorderachse einen Teil der Feinabstimmung und sortiert die Kraft, bevor sie zum Problem werden kann.
Der Wagen bleibt sauber in der Spur, selbst wenn das Tempo deutlich steigt. Die gut zwei Zentner, die Batterie und E-Motor zusätzlich mitbringen, fallen dabei kaum ins Gewicht; man merkt sie eher auf dem Datenblatt als beim Fahren.
In Detroit machen sie gar nicht erst den Versuch, die ZR1X als etwas anderes zu verkaufen, als sie ist. Sie will kein Leisetreter und auch kein Alternativ-Rocker sein.
Deshalb gibt es keinen Ladestecker und auch keine elektrische Reichweite. Die Akkus und der E-Motor sind kein Feigenblatt, sondern dienen allein der Performance. Mehr Beats per Minute hat das Herz in keinem anderen heissen Eisen.
Auch optisch tritt die ZR1X entsprechend auf: Karbon-Splitter, breite Schweller und ein Heckflügel, der eher nach Bühnenrequisite als nach Serienteil aussieht. Innen gibt es viel Leder und Alcantara sowie endlich eine neu sortierte Bedienung ohne die aufsteigende Schalterleiste auf der Mittelkonsole. Dazu – egal ob mit offenem oder geschlossenem Dach – ein deutliches Gefühl von Erwartung, bevor der Vorhang aufgeht.
Anders als ihre gewöhnlichen Geschwister kommt die ZR1X dabei kaum zur Entspannung. Während die reguläre Corvette – Amerika ist gross, die Distanzen sind es auch – noch für lange Fahrten taugt, verlangt einem die ZR1X mit ihren engen Sitzen und dem straff abgestimmten Fahrwerk auch abseits der Rennstrecke einiges ab.
Corvette ZR1X, Interieur. Zum Vergrössern anklicken!
Leistung satt, Schub ohne Ende, atemberaubende Beschleunigung und selbst am Limit zuverlässig: Mit dem Faktor X und einer Portion Vitamin E steigt die Corvette als ZR1X endgültig in die Liga der europäischen Hypercars auf.
In einem Punkt bleibt sie ihrem Wesen aber treu. Mit einem Startpreis von 209'700 Dollar ist sie zwar für eine Corvette fast schon teuer. Verglichen mit Ferrari, Lamborghini oder McLaren bleibt sie jedoch ein Schnäppchen – und damit bei aller Finesse trotzdem ein Hammer. SP-X/AR
Technische Daten Chevrolet Corvette ZR1X
Karosserie Zweitüriges, zweisitziges Sportcoupé, auch als Cabrio mit Targadach erhältlich; Länge 4.72 Meter, Breite 2.02 Meter, Höhe 1.23 Meter, Radstand 2.72 Meter, Wendekreis 11.1 Meter, Kofferraumvolumen 255 Liter
Antrieb 5.5-Liter-Biturbo-V8 (LT7) mit Hinterradantrieb, kombiniert mit Elektromotor an der Vorderachse, Allradantrieb (eAWD); Verbrennerleistung 793 kW (1079 PS), Elektromotor 139 kW (189 PS), Systemleistung 932 kW (1267 PS), maximales Systemdrehmoment 1320 Nm
Batterie Lithium-Ionen-Akku, Kapazität 1.9 kWh
Fahrleistungen 0 - 100 km/h unter 2.0 s, Höchstgeschwindigkeit über 375 km/h, Verbrauch k. A.
Preis ab 209'700 US-Dollar (Coupé), ab 217'100 US-Dollar (Cabrio)