Mercedes EQS: Technik-Sprung mit 800 Volt und 925 Kilometer Reichweite

Michael Specht | 15.04.2026

Nach mehr als vier Jahren erfährt der Mercedes EQS eine umfangreiche Modellpflege. Sie findet besonders unterm Blech statt. Mit einer Batterieladung sind jetzt über 900 Kilometer möglich.

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Als Mercedes Ende 2021 seinen EQS zu den Händlern schickte, galt die eigenwillig gestylte Luxuslimousine noch als eines der fortschrittlichsten Elektroautos am Markt. Der EQS war das erste BEV (Battery Electric Vehicle) von Mercedes, das auf einer eigens dafür entwickelten Plattform basierte. Die EVA2 (Electric Vehicle Architecture) sollte Entwicklern und Designern völlig neue Freiräume ermöglichen, die man mit einer auf E-Antrieb umgebauten S-Klasse niemals hätte erreichen können.

Doch die Rechnung ging nicht so auf, wie sich das die Marketing-Strategen von Mercedes vorstellten. Der EQS verkaufte sich mehr schlecht als recht. Besonders in China, dem mit Abstand grössten Markt für E-Autos, hatte man sich deutlich mehr Zuspruch erwartet.

Kritiker gaben sowohl dem One-Bow-Design (bogenförmige Silhouette) als auch der 400-Volt-Architektur die Hauptschuld. Letztere hat vor allem bei der Ladegeschwindigkeit das Nachsehen gegenüber den heute in dieser Klasse gebräuchlichen 800 Volt.

Wenn Mercedes nun in diesem Sommer seinen neuen EQS auf die Strasse bringt, wird man optisch nur marginale Unterschiede sehen. Zu erkennen sind sogenannte Powerdomes (längliche Wölbungen) auf der Haube sowie Stern-Signets im Tagfahrlicht. Den aufrechtstehenden traditionellen Mercedes trägt der EQS ja bereits seit einem kleineren Facelift im vorigen Jahr. Jetzt allerdings ist das Markenzeichen beleuchtet.

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Wesentlich grösseres Augenmerk hat man auf technische Updates gesetzt., um den Luxus-Stromer in seinem Umfeld wieder an die Spitze zu setzen. Mercedes sagt, mehr als ein Viertel aller Teile seien neu entwickelt, überarbeitet und verfeinert worden.

Dickster Brocken dabei war es, die EVA2-Architektur auf 800 Volt umzustellen. Zudem wurden Antriebsteile neu entwickelt, an der Hinterachse sitzt jetzt ein Zweiganggetriebe, das bei zirka 120 km/h hochschaltet, die Batterie erhielt eine optimierte Zellchemie.

In Summe macht der EQS einen deutlichen Reichweitensprung nach vorn. Hatte er bei seinem Debüt als EQS 450+ noch einen maximalen Wert von 780 Kilometern, sind es jetzt 925 Kilometer – mehr als die deutsche Konkurrenz. Theoretisch liesse sich so nonstop von Zürich nach Hamburg fahren.

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Elektrokomfort heisst nicht nur geräuschloses und gediegenes Reisen, sondern auch schnelles Laden. Dank der 800 Volt können in zehn Minuten bis zu 320 Kilometer nachgeladen werden. Erreicht wird dies mit einer Ladeleistung von bis zu 350 kW.

Die von 118 auf 122 kWh vergrösserte Batterie kann zudem ihren Strom direkt ins öffentliche Netz (Vehicle-to-Grid) oder an das eigene Zuhause (Vehicle-to-home) abgeben. Auch damit schliesst Mercedes zu gängigen Standards auf.

Neue Standards dagegen wollen die Stuttgarter mit der Lenkung setzen. Gegen Aufpreis kann der EQS-Kunde eine sogenannte Steer-by-Wire-Technologie wählen. Bei ihr gibt es keine mechanische Verbindung mehr zwischen Lenkrad/Lenksäule und den Rädern. Die Lenkbefehle erfolgen elektronisch über Kabel (wire).

Integriert ist zudem eine 10-Grad-Hinterachslenkung. Für Steer-by-Wire verspricht Mercedes ein nie gekanntes Fahrerlebnis. Optisch präsentiert sich die neue Technik durch ein Steuerrad, das mehr einer liegenden, eckigen Acht als einem Kreis ähnelt.

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Parallel zum Update von EVA2 entwickelten die Mercedes-Ingenieure für Fahrzeuge ab Mittelklasse aufwärts eine komplett neue Elektroantriebs-Architektur, genannt MB.EA.

Integriert wurde eine sehr leistungsfähige Software, die als Mercedes-Benz Operating System (MB.OS) auch in den EQS Einzug halten konnte. Die Kombination mit künstlicher Intelligenz macht sogar komplexe Dialoge mit dem KI-Assistenten möglich.

In Sachen Komfort dürfte der neue EQS schon jetzt zum Klassenbesten gehören. Neueste Errungenschaft ist ein beheizbares Gurtband. Es soll an kalten Wintertagen schnell wohlige Wärme in den Oberkörper schicken. Vor sieben Jahren hatte Mercedes dieses Feature in dem Experimental-Sicherheitsfahrzeug ESF erstmals vorgestellt.

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Der Einstandspreis für den Mercedes EQS liegt in der Schweiz bei 120‘000 Franken

Der neue Mercedes EQS ist ab sofort bestellbar, in der Schweiz werden vier Versionen angeboten. Die ersten Fahrzeuge sollen im Juli bei den Händlern sein.

Neues Einstiegsmodell ist der EQS 400 mit Hinterradantrieb und 270 kW (367 PS). Seine Batterie speichert 112 kWh Strom, das ist für 810 Kilometer Reichweite gut. Er startet preislich bei 120‘000 Franken.

Reichweiten-Champion ist der EQS 450+. Er ist mit der 122-kWh-Batterie ausgestattet, wird ebenfalls über die Hinterräder angetrieben und hat eine Leistung von 300 kW (408 PS). Die Reichweite nach WLTP liegt bei 920 Kilometern, die Preisliste beginnt ab 142‘200 Franken.

Darüber platziert sind die beiden Allradmodelle, die beide mit der grossen Batterie ausgestattet sind. Die zwei Elektromotoren im EQS 500 4Matic leisten 350 kW (476 PS), die Reichweite wird mit 869 Kilometern angegeben. Preis ab 154‘300 Franken.

Der EQS 580 4Matic kommt auf die gleiche Reichweite bei einer Leistung von 430 kW (585 PS), hier liegt der Einstandspreis bei 162‘700 Franken. SP-X/AR

Fotos: Mercedes-Benz

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