1994 hatte Nicolas Hayek die Vision vom rein elektrischen Kleinstwagen. Jetzt, über 30 Jahre später, geht sie vollends in Erfüllung. Der 1998 eingeführte ForTwo war zwar ein revolutionäres Konzept, aber nur mit Verbrenner zu haben, und auch die Nachfolger, wenn auch elektrisch erhältlich, waren vorrangig als Verbrenner konzipiert. Was Smart unter der geteilten Herrschaft von Mercedes-Benz und Geely hervorgebracht hat, ist zwar rein elektrisch, hab aber nichts mit der Ur-Idee zu tun. Erst der neue #2 geht als rein elektrischer Kleinstwagen endlich «all in».
Smart geht mit dem #2 zurück in die Zukunft. Denn die neue Generation des Kleinstwagens wird jetzt endlich so, wie es sich sein geistiger Vater Nikolas Hayek immer vorgestellt hat: rein elektrisch. 1994 als Antrieb zu futuristisch, heute zeitgemäss und in einem Kleinstwagen geradezu zukunftsweisend in einer Zeit, in der sich der #2 im Showroom neben seine drei SUV-Brüder stellt.
Als Gemeinschaftsprojekt haben sich Mercedes-Benz und Geely die Arbeit aufgeteilt: Design aus Deutschland, Technik aus China. Dabei scheint Mercedes früher Feierabend gemacht haben können, denn auf den ersten Blick wirkt der #2 seinem Vorgänger sehr ähnlich. Das wird der Leistung aber nicht gerecht, wirkt sein Design doch modern und gleichzeitig angenehm vertraut.
Nach innen spitz zulaufende Leuchten zitieren das Markenlogo und blicken grimmig, vertikale Designelemente in der Frontschürze zitieren die Breite. Das Heck wirkt freundlicher, kommt aber leider ohne Scheibenwischer aus, wie ihn der Vorgänger noch hatte. 2.79 Meter kurz ist der #2, knappe 30 Zentimeter mehr als das Urmodell, aber mit Blick auf heutige Vier-Meter-Kleinwagen immer noch winzig. Und ja, er behält seinen 6.95-Meter-Wendekreis – von einem äusseren Rand zum anderen, versteht sich.
Kleines Auto, hohes Mass an Sicherheit
Technische Basis ist die extra für den #2 entwickelte Electric Compact Architecture, um die sich die bekannte, aber weiterentwickelte und zusätzlich versteifte Tridion-Sicherheitszelle hüllt, zu 78 Prozent bestehend aus hochfestem Stahl. Bis zu vier Tonnen Last hält sie aus, ohne zu verformen. Weitere Sicherheitsmerkmale: sieben Airbags, ein optimiertes Gurtsystem und Fahrassistenten vom adaptiven Tempomat bis zum Spurhalteassistent, alle Serie.
Nobel und praktisch
Seinen Passagieren bietet der #2 erstaunlich viel Raum. Selbst Grossgewachsene finden eine angenehme Sitzposition, in der höchsten Ausstattung lässt ein Glasdach noch mehr Licht in die Kanzel. Das wirkt nobel, so wie das Cockpit insgesamt. Weiche Oberflächen, wertige Materialien, perfekte Verarbeitung – das ist eindeutig Premiumniveau. Praktisch sind die vielen Haken, um Taschen oder andere Gegenstände aufzuhängen. Ein Clip-System nimmt Accessoires wie eine Magnethalterung für Brillenetuis auf.
Für die Anzeigen ist ein kleines Digitalcockpit zuständig, mittig auf dem Armaturenbrett sitzt ein 10.1-Zoll-Infotainmentsystem. Dieses war bei der ersten Inaugenscheinnahme im Studio noch nicht funktionsfähig und konnte von uns nicht getestet werden. Unter dem Bildschirm sind noch einige Knöpfe platziert, etwa für die Fensterheber und einige Klimatisierungsfunktionen. Das Gros der Funktionen wird aber über den Bildschirm gesteuert.
Ohne Mitteltunnel und mit hochklappbarer Armlehne kann man bequem durchrutschen und in engen Parklücken auf der Beifahrerseite ein- oder aussteigen. Im Kofferraum finden bis zu 305 Liter Gepäck Platz, und der #2 hat die geteilte Kofferraumklappe beibehalten, auf der man Platz nehmen kann, während man seine elektronischen Geräte der Wahl durch V2L direkt am Ladeanschluss des Autos mit Energie versorgen kann.
Bis zu 290 km Reichweite
Angetrieben werden die Hinterräder, vorerst von einem 65-kW-Motor (82 PS). Bei 1.1 Tonnen Leergewicht ausreichend und gut für 130 km/h Höchstgeschwindigkeit. Eine Brabus-Version mit dreistelliger PS-Zahl dürfte zu einem späteren Zeitpunkt noch folgen. In diesem Segment einzigartig ist die aufwändige Fünflenker-Hinterachse, die auf der Autobahn dem kurzen Radstand Konter geben und den Geradeauslauf stabilisieren soll.
Die Energie kommt aus dem 35.8-kWh-LFP-Akku, womit der #2 bis zu 290 Kilometer weit kommt. Geladen werden kann mit 7.4 kW in der Basis-Version Pure und 11 kW ab Pure+. 65 kW bei Gleichstrom können alle Ausstattungsvarianten, so ist der Akku in unter 20 Minuten von zehn auf 80 Prozent geladen.
Preis ab 18'300 Franken
Bestellbar ist der Smart #2 ab sofort. Die Preise starten bei 18'300 Franken für den Pure, der adaptive LED-Scheinwerfer, V2L und oben genannte Assistenzsysteme mitbringt. Darüber rangiert Pure+ ab 19'300 Franken, was zusätzlich 11-kW-Laden und eine Sitzheizung für den Fahrerplatz beinhaltet. Die Premium-Topausstattung mit Sitz- und Lenkradheizung, Glasdach, Ambientebeleuchtung und Sennheiser-Soundsystem kostet ab 22'300 Franken.
Zum Marktstart gibt es noch eine in Europa auf 999 Exemplare limitierte, in mattem Weiss mit goldenen Akzenten lackierte Haute-Couture-Edition, die Designelemente von der Studie mitbringt, etwa die Frontvekleidung in der Optik einer Lederhandtasche anstelle des Kühlergrills. Diese kostet 23'430 Franken.
Für einen derart wertigen und durchdachten Kleinstwagen sind das moderate Preise, die mit Blick auf Konkurrenten wie den Renault Twingo auch nötig sind. Die ersten Exemplare sollen im zweiten Quartal 2027 auf Schweizer Strassen ankommen.