Velo-Navi im Test: Die Spezialisten kennen den sicheren Weg

Automobil Revue | 17.08.2026

Wer mit dem E-Bike unterwegs ist, möchte nicht unbedingt die gleiche Route nehmen wie ein Auto. Genau hier zeigen spezialisierte Velo-Navis ihre Stärke. Ein Test des Touring Club Schweiz (TCS) kommt zum Schluss: Bei der sicheren Routenwahl haben Bikemap, Komoot und Co. gegenüber den grossen Allzweck-Kartendiensten wie Google und Apple die Nase vorn.

Velo Navi

Rund 1,4 Millionen E-Bikes sind in der Schweiz unterwegs. Und weil der elektrische Rückenwind auch weniger trainierten Velofahrern längere Distanzen ermöglicht, steigt der Bedarf an brauchbaren Navigationslösungen. Doch eine Route, die auf dem Bildschirm schnell und logisch aussieht, ist für Velofahrer nicht zwangsläufig die beste. Eine viel befahrene Hauptstrasse kann für das Auto die optimale Verbindung sein, für das E-Bike dagegen eine wenig attraktive oder gar unsichere Wahl.

Wie gut die verschiedenen Apps mit diesem Unterschied umgehen, hat der TCS untersucht. Die Tester gingen dabei bewusst von einem eher unerfahrenen E-Bikefahrer aus, der nicht möglichst schnell, sondern möglichst sicher ans Ziel kommen möchte. Getestet wurden zwei unterschiedliche Szenarien: eine Fahrt durch Bern und eine Freizeittour mit Start und Ziel in Laupen BE.

Für die Sicherheitsbewertung unterteilten die Tester die gefahrenen Strecken in verschiedene Kategorien – vom Veloweg bis zur Hauptstrasse ohne Veloinfrastruktur. Daraus ergab sich eine Sicherheitswertung für die jeweiligen Routen. Zusätzlich bewertete der TCS die Bedienung und die Kosten der Apps.

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Einmal quer durch Bern: Bikemap hält sich aus dem Verkehr heraus

In Bern mussten Bikemap, OsmAnd, Komoot, Google Maps und Apple Maps zeigen, was sie können. Das überzeugendste Ergebnis lieferte Bikemap. Die App schickte den Velofahrer überwiegend durch Quartierstrassen und Tempo-30-Zonen und hielt ihn damit weitgehend von stark belasteten Verkehrsachsen fern. So das Ergebnis der Tester des Touring Clubs.

Weniger glücklich war die Routenwahl von Apple Maps. Mehrere Abschnitte führten über stark befahrene Hauptstrassen. Hinzu kam ein Teilstück, auf dem das Velo geschoben werden musste. Was aus Sicht eines allgemeinen Kartendienstes durchaus als mögliche Verbindung durchgehen mag, ist für einen Velofahrer, der ausdrücklich eine sichere Route sucht, keine optimale Lösung.

Freizeittour im Mittelland: SchweizMobil überzeugt auf der Landstrasse

Für die zweite Prüfung wechselten die Tester von der Stadt aufs Land. Die Route rund um Laupen sollte zeigen, wie sich die Apps bei einer typischen Freizeittour schlagen. Apple Maps fiel dabei aus dem Vergleich: Im Velomodus lassen sich keine Zwischenstopps definieren, ausserdem stürzte die App während des Testversuchs ab. Dafür wurde SchweizMobil als Referenzlösung einbezogen.

Und die Referenz setzte sich prompt an die Spitze. Die von SchweizMobil ermittelte Route erhielt die höchste Bewertung und überzeugte sowohl bei der Sicherheit als auch bei der Bedienung. Komoot führte seine Nutzer auf exakt derselben Strecke ans Ziel und erzielte deshalb bei diesen beiden Kriterien die gleichen Resultate. Allerdings zu unterschiedlichen Kosten: Komoot kostet 60 Franken, SchweizMobil 35.

Am wenigsten Punkte sammelte auf dieser Route Google Maps. Der Kartendienst führte nur auf einem kleinen Teil der Strecke über den offiziellen Veloweg. Trotzdem blieb das Ergebnis ordentlich: Auch Google Maps erhielt das Prädikat «sehr empfehlenswert». Die Tester sehen darin einen Beleg dafür, dass selbst die nicht auf Velos spezialisierten Dienste bei einer klassischen Freizeittour durchaus brauchbare Resultate liefern.

Bikemap gewinnt den Gesamtvergleich

Für die Schlusswertung bildeten die TCS-Tester den Mittelwert aus beiden Routen. Dabei wurden nur jene vier Apps berücksichtigt, die sowohl in Bern als auch rund um Laupen zum Einsatz kamen.

Mit 77,65 Prozent setzte sich Bikemap an die Spitze. Die App lieferte sowohl in der Stadt als auch auf der Landpartie überzeugende Ergebnisse und erwies sich insbesondere bei der Wahl sicherer Strassen und Wege als stark.

OsmAnd folgt mit 73,2 Prozent auf Rang zwei, Komoot erreicht 70,75 Prozent und landet damit auf Platz drei. Bei Komoot zeigt sich allerdings ein deutlicher Unterschied zwischen den beiden Einsatzgebieten: In Bern kam die App auf 60,8 Prozent, während sie bei der Freizeittour mit 80,7 Prozent deutlich besser abschnitt.

Google Maps bildet das Schlusslicht der Gesamtwertung. Nach Einschätzung der Tester liegt das vor allem daran, dass der Dienst keine vergleichbar spezifische Ausrichtung auf den Veloverkehr besitzt. Entsprechend wird nicht immer die Route gewählt, die für Velofahrer die sicherste ist.

Das Gesamtergebnis fällt dennoch erfreulich aus: Alle vier über beide Strecken getesteten Apps erhielten das Prädikat «sehr empfehlenswert». Wer allerdings nicht nur den Weg, sondern auch die Qualität des Weges optimieren möchte, ist mit einer spezialisierten Lösung besser bedient. So das Fazit der TCS-Tester: Die grossen Kartendienste kennen den Weg – die spezialisierten Velo-Navis wissen eher, welchen Weg man mit dem Velo auch tatsächlich fahren möchte.

Fotos: TCS

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