Automobil Revue | 22.09.2026
Noch denkt kaum jemand an Schnee und Eis. Trotzdem lohnt sich bereits jetzt ein Blick auf die Winterreifen. Denn wer erst beim ersten Kälteeinbruch feststellt, dass die Pneu abgefahren sind, hat wenig Spielraum für den Neukauf. Der aktuelle Winterreifentest des Touring Club Schweiz (TCS) zeigt, wie gross die Unterschiede zwischen einzelnen Produkten sein können.
Insgesamt 32 Winterreifen in den Dimensionen 185/65 R15 und 225/50 R17 hat der TCS geprüft. Bewertet wurden 19 Kriterien in den Bereichen Fahrsicherheit und Umweltbilanz. 70 Prozent der Gesamtwertung entfallen auf die Sicherheit, 30 Prozent auf Umweltaspekte wie Laufleistung, Abrieb, Effizienz und Geräusch.
Besonders deutlich werden die Unterschiede auf nasser Fahrbahn. In der Kleinwagendimension 185/65 R15 kam ein Testfahrzeug mit dem Bridgestone Blizzak LM 005 aus 80 km/h nach 33.5 Metern zum Stillstand. Mit dem Rockblade Rock 868S waren es 51.4 Meter. Das sind 17.9 Meter Unterschied. Während das Fahrzeug mit dem Bridgestone bereits steht, ist jenes mit dem Rockblade noch rund 47 km/h schnell.
An der Spitze des Kleinwagenfelds stehen der Continental WinterContact TS 870 und der Michelin Alpin 7. Beide bewertet der TCS als «sehr empfehlenswert». Fünf weitere Modelle sind «empfehlenswert». Drei Reifen – Sunny Winter-max NW611, Atlas Polarbear HP und Rockblade Rock 868S – stuft der TCS als «nicht empfehlenswert» ein. Die genauen Testergebnisse finden Sie durch einen Klick auf den Ergebnis-Link.
Auch bei der Laufleistung gibt es deutliche Unterschiede. Im Durchschnitt erwartet der TCS rund 31'000 Kilometer. Der Kumho WinterCraft WP52+ kommt auf rund 40'000 Kilometer, der Bridgestone Blizzak LM 005 dagegen nur auf rund 22'400 Kilometer.
In der Dimension 225/50 R17, die unter anderem bei Audi A4 und A5, Skoda Octavia, Peugeot 3008 und 5008 sowie verschiedenen BMW- und Mercedes-Modellen zum Einsatz kommt, fällt das Ergebnis an der Spitze besser aus.
Pirelli Cinturato Winter 3, Continental WinterContact TS 870, Goodyear UltraGrip Performance 3 und Michelin Alpin 7 sind «sehr empfehlenswert». Sechs weitere Modelle erhalten die Bewertung «empfehlenswert».
Am anderen Ende des Feldes stehen Falken Eurowinter HS02 Pro, Toyo Observe EWS1, Tracmax Ice-Plus S210, Aptany RW211, Royal Black Royalwinter UHP und Sunwide Snowide. Von diesen sechs Reifen rät der TCS aufgrund der mangelhaften Fahrsicherheit ab.
Auch hier zeigt sich der Unterschied beim Bremsen. Continental WinterContact TS 870 und Pirelli Cinturato Winter 3 benötigen auf nasser Fahrbahn aus 80 km/h 34.7 Meter bis zum Stillstand. Der Sunwide Snowide kommt erst nach 46.3 Metern zum Stehen.
Tipps für den Winterreifenkauf
Wer seine Winterreifen jetzt aus dem Lager holt, sollte nicht nur kontrollieren, ob sie keine Schäden haben. Entscheidend ist vor allem die Profiltiefe.
Der TCS empfiehlt für Winterreifen eine Restprofiltiefe von mindestens vier Millimetern. Bei Fahrten in Österreich gelten die aufgezogenen Reifen nur dann als Winterreifen, wenn sie noch mindestens vier Millimeter haben. Haben sie die nicht, ist an Strecken mit vorgeschriebener Winterausrüstung Fahrtende. Liegen die alten Pneus darunter, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, sich um Ersatz zu kümmern. Die Profiltiefe lässt sich mit dem sogenannten Zweifranken-Test unkompliziert kontrollieren.
Auch das Alter sollte nicht ausser Acht gelassen werden. Die DOT-Kennzeichnung auf der Reifenflanke gibt Auskunft über das Produktionsdatum. Bei einem Neukauf empfiehlt der TCS, möglichst Reifen zu wählen, die nicht älter als drei Jahre sind. Bei den vorhandenen Pneu sollte man die Winterreifen wechseln, wenn sie mehr als sechs Jahre auf dem Buckel haben. Die Gummimischung härtet mit den Jahren aus, dadurch verlieren sie spürbar an Qualität, auch wenn das Profil noch gut ist – ein Problem, das Wenigfahrer haben. Wer jetzt also Winterreifen auf dem Fahrzeug hat mit DOT 4019, sollte sich mit einem Neukauf definitiv befassen. Die Reifen wurden in der 40. Kalenderwoche 2019 produziert.
Für das Fahrzeug sollten immer vier Reifen desselben Modells und Typs verwendet werden. Auch moderne Sicherheitsassistenten können die Grenzen der Reifenphysik nicht ausser Kraft setzen.