Doppel-Lauf Schweizer Slalom-Meisterschaft: Aus vier mach zwei in Ambri

Automobil Revue | 05.05.2026

Im Kampf um die Schweizer Slalom-Meisterschaft sind nach dem Doppelrennen in Ambri noch zwei Fahrer verlustpunktefrei. Die Tagessiege im Tessin gingen an Lionel Ryter – allerdings knapper als erwartet.

Sawatzki Eichenberger

Bruno Sawatzki, Porsche 911

Kurz vor dem ersten Rennlauf am Samstag meinte Christophe Oulevay: «In einer halben Stunde ist das mit der weissen Weste für mich gelaufen. Werner Rohr ist hier stärker als ich. Die Chancen auf den Slalom-Titel sind für mich dahin.»

Oulevay sollte recht behalten. In der IS bis 1.6 Liter war der VW-Scirocco-Pilot an beiden Renntagen langsamer als Rohr auf seinem Toyota Corolla AE 86. Am Samstag fehlten 0.58, am Sonntag 0.32 Sekunden. Natürlich hat Oulevay noch immer theoretische Chancen. Doch die Vergangenheit hat gezeigt: Am Ende der Saison gewinnt in der Regel der Fahrer die Meisterschaft, der verlustpunktefrei geblieben ist.

Der letzte Schweizer Slalom-Meister, der nicht auf das Punktemaximum gekommen ist, war Martin Bürki. Das ist aber schon ein Weilchen her. 2016 fehlten ihm, um am Ende eine weisse Weste zu haben, fünf Zähler – zum Titel reichte es ihm trotzdem.

Bralla Eichenberger

Christian Bralla, Fiat X1/9

2026 sind nach fünf von sieben Rennen noch zwei Fahrer auf Kurs: Christian Bralla auf seinem Fiat X1/9 und Vorjahresmeister Alessandro Grispino auf seinem Renault Clio R3. Beide haben in Ambri ihre Klassen souverän gewonnen, wobei Bralla am Samstag in 1:32.84 min als Gesamtvierter obendrauf der schnellste Tourenwagenfahrer war.

Am Sonntag – auf der schneller gesteckten Strecke – musste sich der Lokalmatador den beiden Porsche-Piloten Dino Wintsch und Mathias Bischofberger geschlagen geben. Für Wintsch war es nach Frauenfeld der zweite Gesamtsieg bei den Tourenwagen. Auch er wurde (wie Bralla am Vortag) Gesamtvierter.

Schneller als die beiden schnellsten Tourenwagen waren im auf 1000 Meter hoch gelegenen Ambri nur die drei Formel-Piloten Lionel Ryter (Formel Renault), Ursanne Salomon (Formel 3) und Tiziano Riva (Formel 3000). Dass Ryter, der bereits in Bière einen Tagessieg 2026 verbuchen konnte, die Nummer 1 sein würde, war abzusehen.

Ryter Eichenberger

Lionel Ryter, Formel Renault

Ohne Dauerrivale Philip Egli fehlte ganz an der Spitze die Referenz. Doch die beiden Siege im Tessin sind dem jungen Walliser nicht in den Schoss gefallen. Ryter hatte schon vor der Saison darauf hingewiesen, dass er punkto Reifen ziemlich ausgeschossen sei. «Ich bin in Sachen Gummi am Limit», meinte Ryter, der inzwischen auch schon bei sieben Slalom-Tagessiegen liegt.

«Meine Vorderreifen von Ambri hatten 220 Kilometer drauf…» Dazu kam ein kleiner Blechschaden am Sonntagmorgen. «Im ersten Trainingslauf habe ich mir den Frontflügel an einer Pylone abgefahren. Aber das konnten wir zum Glück in zwei Minuten reparieren, sodass ich sogar zum zweiten Durchgang starten konnte.»

Salomon Eichenberger

Ursanne Salomon, Formel 3

Am Samstag betrug der Vorsprung von Ryter 1.53 Sekunden auf Salomon. Am Sonntag war er 1.6 Sekunden schneller. Der Jurassier kommt mit dem ehemaligen Formel 3 von Roland Bossy immer besser zurecht. «Es geht sicher noch schneller», meinte er nach dem ersten Renntag, «aber ich bin zufrieden mit meiner Leistung.»

Auf Platz 3 im SCRATCH landete Ambri-Spezialist Riva auf seinem Reynard 92D. Am Sonntag fehlten dem 58-jährigen Tessiner 0.16 Sekunden auf Salomon. Mit Nolan Vuilleumier und Anthony Gurba (beide auf Formel Renault) landeten noch zwei weitere junge Nachwuchspiloten in Ambri in den Top 10.

Riva Eichenberger

Tiziano Riva, Formel 3000

Apropos Top 10: In der tauchte am Samstag auch Bruno Sawatzki auf. Der Schweizer Tourenwagen-Meister von 2023 und 2024 hat den Slalom in Ambri als Trainingsfahrt im Hinblick auf die Berg-Meisterschaft genutzt und war am Samstag mit seinem Porsche 991.1 schnellster Interswiss-Pilot. Dass er sich im zweiten Lauf nicht steigern konnte, lag an den Reifen. «Die Hankooks haben hier deutlich besser funktioniert als die Michelins.»

Hinter Sawatzki, der in der IS über 3 Liter startete, gewann Stephan Burri am Samstag in seinem VW Scirocco die 2-Liter-Konkurrenz. Am Sonntag war Marco Geering im Opel Kadett der schnellste IS-ler. Sawatzki hatte seinen Porsche schon am Samstagnachmittag nach zwei Läufen wieder aufgeladen – «Ich habe genug Erkenntnisse gesammelt».

Burri hatte schon am ersten Renntag merkwürdige Geräusche aus dem Motorenumfeld wahrgenommen. «Irgendetwas läuft nicht rund», meinte der gebürtige Berner und verzichtete auf weitere Experimente am Sonntag.

Burri Eichenberger

Stephan Burri, VW Scirocco

Schlimmer traf es Ex-Slalom-Champion Martin Oliver Bürki im zweiten Trainingslauf am Sonntagmorgen. Nach einem kleinen Fahrfehler ausgangs der Zielschikane landete MOB in der Leitplanke. «Ich habe die Lenkung etwas zu früh aufgemacht und dann kam schon der Gegenschwenker.» Ob wir den wunderschön aufgebauten BMW 320iS in dieser Saison nochmals sehen werden? Im Moment sieht es nicht danach aus. Immerhin: Der Fahrer ist abgesehen von einem «Ziehen im Nacken» wohlauf.

Einen starken Eindruck hinterliess in Ambri Jannis Jeremias. Der Seeländer hat im Tessin zum zweiten Mal nach Bière seinem frisch erstandenen Honda-TCR von der Leine gelassen. Samstag wie Sonntag schaffte er es jeweils in die Top 15. Auf einen Routinier wie Christoph Zwahlen im Porsche 911, der ohne Zweifel weiss, wo sich das Gaspedal befindet, hat Jannis an beiden Tagen nur jeweils zwei Sekunden verloren.

Jeremias Eichenberger

Jannis Jeremias, Honda-TCR

Im Renault Classic Cup meldete sich am Samstag Thomas Zürcher mit seinem ersten Saisonsieg vor Beat Rohr und René Schnidrig zurück. Am Sonntag hätte der Serienmeister abermals auf dem Podium stehen können, doch Zürcher touchierte in beiden Rennläufen eine Pylone. So sicherte sich der neue Gesamtführende Rohr seinen zweiten Sieg im RCC – vor Marc Beyeler und Schnidrig.

Im Suzuki Swiss Racing Cup setzte sich Patrick Flammer gleich zwei Mal durch. Wie üblich war es auch diesmal wieder sehr eng. Am Samstag betrug der Vorsprung auf den Zweitplatzierten Rico Thomann 0.23 Sekunden, am Sonntag war Reto Steiner mit 0.32 Sekunden Zweiter.

Bei den LOCalen Rennen war Mario Hedinger auf seinem Lotus Exige S am Samstag in 1:38.12 min der schnellste Pilot. Am Sonntag war die Reihe an einem Elektroauto! Noa Schmid gewann auf seinem Tesla Model 3 in 1:35.28 min.

Die nächsten Rennen der Schweizer Slalom-Meisterschaft

16./17. Mai, Bure

20./21. Juni, Chamblon

Alle Klassensieger von Ambri im Überblick


Samstag

Samuel Weibel (Subaru BRZ, SuperSérie bis 2000 ccm),
Pierre Mürner (Porsche 992 GT3, SuperSérie Compétition über 2000 ccm),
Hanspeter Thöni (Peugeot 106, PSA Transition Trophy Gr. N),
Roland Schmid (Peugeot 208, PSA Transition Trophy Gr. Rally4),
Ramon Hänggi (PSA Transition Trophy Gr. A),
Alessandro Grispino (Renault Clio R3, A/ISA/R2 bis 2000 ccm),
Thomas Zürcher (Renault Clio RS III, RCC),
Jannis Jeremias (Honda Civic, TCR),
Ludovic Ecabert (Citroën Saxo, E1 bis 1400 ccm),
Hans Peter Eller (Opel Kadett C Coupé, E1 bis 1600 ccm),
Christian Bralla (Fiat X1/9, E1 bis 2000 ccm),
Steven Chiquita (BMW E30, E1 bis 2500 ccm),
Christophe Maréchal (BMW E30, E1 bis 3000 ccm),
Mario Bertocchi (BMW E36, E1 bis 3500 ccm),
Dino Wintsch (Porsche 911, E1 über 3500 ccm),
Stephan Moser (Toyota Yaris, IS bis 1400 ccm),
Werner Rohr (Toyota Corolla AE 86, IS bis 1600 ccm),
Stephan Burri (VW Scirocco, IS bis 2000 ccm),
Michael Zbinden (Opel Kadett GT/E, IS bis 2500 ccm),
Bruno Sawatzki (Porsche 991.1, IS über 3000 ccm),
Markus Brander (March F2, Historic bis 1600 ccm),
Lionel Ryter (Formel Renault, E2-SS bis 2000 ccm),
Tiziano Riva (Reynard 92D, E2-SS über 2000 ccm).


Sonntag

Samuel Weibel (Subaru BRZ, SuperSérie bis 2000 ccm),
Pierre Mürner (Porsche 992 GT3, SuperSérie Compétition über 2000 ccm),
Adrian Gerber (Citroën Saxo VTS, PSA Transition Trophy Gr. N),
Max Langenegger (Peugeot 208, PSA Transition Trophy Gr. Rally4),
Ramon Hänggi (PSA Transition Trophy Gr. A),
Alessandro Grispino (Renault Clio R3, A/ISA/R2 bis 2000 ccm),
Beat Rohr (Renault Clio RS III, RCC),
Jannis Jeremias (Honda Civic, TCR),
Ludovic Ecabert (Citroën Saxo, E1 bis 1400 ccm),
Peter Eggimann (Peugeot 106, E1 bis 1600 ccm),
Christian Bralla (Fiat X1/9, E1 bis 2000 ccm),
Steven Chiquita (BMW E30, E1 bis 2500 ccm),
Christophe Maréchal (BMW E30, E1 bis 3000 ccm),
Mario Bertocchi (BMW E36, E1 bis 3500 ccm),
Dino Wintsch (Porsche 911, E1 über 3500 ccm),
Stephan Moser (Toyota Yaris, IS bis 1400 ccm),
Werner Rohr (Toyota Corolla AE 86, IS bis 1600 ccm),
Marco Geering (Opel Kadett C GT/E, IS bis 2000 ccm),
Michael Zbinden (Opel Kadett GT/E, IS bis 2500 ccm),
Vanessa Zenklusen (Subaru Impreza Type R, IS über 3000 ccm),
Markus Brander (March F2, Historic bis 1600 ccm),
Lionel Ryter (Formel Renault, E2-SS bis 2000 ccm),
Tiziano Riva (Reynard 92D, E2-SS über 2000 ccm).

Text: Auto Sport Schweiz

Fotos: Christian Eichenberger

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