Werner J. Haller | 01.04.2025
Fabio Scherer gibt sein Comeback in der DTM. Der 25-jährige
Luzerner fährt diese Saison für das Haupt Racing Team einen Ford Mustang
GT3. Die Automobil Revue hat Scherer auf dem Weg ins neue Abenteuer
gesprochen.
Es ist Montagvormittag, als die Automobil Revue telefonisch Fabio Scherer auf dem Weg zur Arbeit erreicht. Der Luzerner besucht im deutschen Drees, einen Katzensprung vom Nürburgring entfernt, das Haupt Racing Team. Beim Rennstall soll unter anderem der Sitz des Ford Mustang GT3 auf den Rennfahrer angepasst werden. «Morgen geht es dann weiter nach Oschersleben, dort gibt es einen Pressetag zur neuen DTM-Saison und am Mittwoch stehen Testfahrten an», sagt Scherer. Es geht Schlag auf Schlag, am letzten Aprilwochenende startet die Meisterschaft in Oschersleben. Aber mit dem Tempo kommt Scherer klar, vor rund zwei Wochen ahnte er nicht, dass er nach 2020 in die DTM zurückkehren würde.
Automobil Revue: Die Ankündigung, dass Sie dieses Jahr das Comeback in der DTM geben, und das noch in einem Ford Mustang GT3 des Haupt Racing Teams, kam überraschend. Entsprechend gut dürfte Ihre Stimmung sein?
Fabio Scherer: Ja, zumal die letzten Monate nicht einfach waren, weil sich doch ein paar Pläne für die Saison 2025 zerschlagen hatten. Vorletztes Wochenende durfte ich zumindest beim Auftaktrennen zur Nürburgring-Langstreckenserie NLS fahren, wo sich Gespräche ergaben. Plötzlich sass ich mit Ulrich Fritz, dem Geschäftsleiter von Haupt Racing an einem Tisch. Es ging schnell, Mitte der vergangenen Woche war alles klar. Ich freue mich gigantisch! Haupt Racing hat viel Erfahrung in der DTM, ich fahre ein Werksauto und bin Ford-Junior. Besser hätte ich mir mein DTM-Comeback nicht vorstellen können.
Aber es gibt ein paar Hürden. Zum Beispiel debütiert Ford mit dem Mustang GT3 in der DTM.
Richtig. Die ersten Rennen dürften demnach nicht einfach werden. Ich sehe aber die Chance, dass wir später in der Saison mit der Spitze mithalten können.
2020, als Sie die bisher einzige Saison in der DTM fuhren,
war auch die letzte Meisterschaft nach dem alten Reglement mit den
sogenannten Class-1-Tourenwagen. Das DTM-Comeback wird für Sie demnach
auch zur GT3-Premiere?
Stimmt. Ich bin in meiner bisherigen Karriere verschiedene Rennwagen
gefahren, aber noch nie einen GT3-Boliden. Ich bin gespannt!
Der Langstreckenrennsport mit Prototypen, wie Sie sie in den
vergangene Jahren gefahren sind, hat sich aber für Sie noch nicht
erledigt?
Es gibt Gespräche, hauptsächlich drehen sich diese um Teilnahmen
bei den Klassikern. Mir – und vermutlich auch anderen Fahrern – ist zum
Verhängnis geworden, dass die LMP2-Prototypenklasse immer teurer
geworden ist und demnach auch mehr Bezahlfahrer gefragt sind.
Der Langstreckenrennsport lebt ja aber nicht allein von den
Prototypen. Vor allem die GT3-Klasse ist gross im Geschäft, angefangen
bei grossen Rennserien wie der US-amerikanischen IMSA-Meisterschaft und
natürlich der Langstrecken-WM. Insofern könnten sich Ihnen Perspektiven
eröffnen?
Absolut! Einige der heutigen Hypercar-Piloten sind in der
Vergangenheit GT3 gefahren. Aber ich will jetzt nicht an den
Langstreckenrennsport denken. Ich bin zurück in der DTM, und darauf
konzentriere und freue ich mich sehr.
Welche Ziele verfolgen Sie denn in dieser Comeback-Saison mit Haupt Racing und Ford?
Mein Ziel ist es, dass ich mich stetig steigern kann. Es macht keinen
Sinn, jetzt Ziele anzupeilen, die im Moment nicht realisierbar sind.
Ich habe den DTM-Vertrag erst jüngst unterschrieben, es wird sozusagen
ein Kaltstart. Später in der Saison hoffe ich darauf, mal auf dem Podium
stehen zu können.
Fotos: HRT, Audi, Archiv Scherer