Formel 1 Grand Prix von Belgien: Die Königsklasse steuert aufs Titel-Quartett zu
Elmar Brümmer | 21.07.2026
Mit viel Schwung rast die Formel 1 der Sommerpause entgegen. Der Grosse Preis von Belgien war dabei weit mehr als ein Härtetest für Batterien, Motoren und Reifen – in Spa-Francorchamps zeigte sich vor allem, wer im Titelkampf tatsächlich das Zeug zum Champion hat.
Kimi Antonelli hat die Reifeprüfung in den Ardennen mit Auszeichnung bestanden. Seiner Pole-Position – ganz ohne Windschattenhilfe – liess er nach einigen Wochen voller Rückschläge seinen sechsten Saisonsieg folgen. Der Italiener, der die WM wieder souverän anführt, demonstrierte beim zehnten Saisonlauf eindrucksvoll sein Gespür für das richtige Tempo: Er machte nur dann Druck, wenn es nötig war – dann allerdings kompromisslos.
Nervosität scheint der 19-Jährige nicht zu kennen. Auch nicht, als Max Verstappen neben ihm aus der ersten Startreihe ins Rennen geht und ihm zunächst die Führung abnimmt. Kein Grund zur Hektik – schliesslich bleiben noch 44 Runden. Die nutzt Antonelli geduldig, legt sich den dank eines cleveren Boxenstopps und einer Neutralisation nach vorn gespülten Ferrari-Piloten Charles Leclerc zurecht und kassiert ihn zehn Runden vor Schluss souverän.
Der Mercedes-Junior ist längst mehr als nur der Aufsteiger des Jahres – er gehört inzwischen uneingeschränkt zum Kreis der Titelanwärter. Begünstigt wird das auch durch die anhaltenden Ausfälle seines Teamkollegen George Russell.
Kimi Antonelli
Es deutet sich ein faszinierendes Generationenduell an. Rekordweltmeister Lewis Hamilton bleibt trotz seines unglücklichen vierten Platzes nach einem missglückten Boxenstopp der erste Verfolger des Juniors. Ferrari wiederum scheint die schwierigsten Strecken für die Charakteristik seines Autos überstanden zu haben.
Nach Leclercs Sieg in Silverstone und Rang zwei in Belgien könnte die Scuderia nun richtig Fahrt aufnehmen. Leclerc wirkt gereifter denn je, Hamilton hat den Titelgeruch längst aufgenommen – und Maranello präsentiert sich so konstant wie lange nicht.
Grosser Preis von Belgien, 10. Lauf der Formel-1-Weltmeisterschaft
Rang Fahrer Team Zeit ------------------------------------------------------------ 1 Kimi Antonelli Mercedes 1:24:42.479 2 Charles Leclerc Ferrari +1.952 s 3 Max Verstappen Red Bull Racing +11.586 s 4 Lewis Hamilton Ferrari +17.245 s 5 Oscar Piastri McLaren +18.988 s 6 Isack Hadjar Red Bull Racing +23.307 s 7 Lando Norris McLaren +24.014 s 8 Gabriel Bortoleto Audi +49.140 s 9 Arvid Lindblad Racing Bulls +50.406 s 10 Franco Colapinto Alpine +1:16.037 11 Pierre Gasly Alpine +1:16.991 12 Liam Lawson Racing Bulls +1:17.523 13 Nico Hülkenberg Audi +1:18.348 14 Oliver Bearman Haas +1:34.465 15 Alexander Albon Williams +1:44.684 16 Carlos Sainz Williams +1:45.856 17 Esteban Ocon Haas +1:50.925 18 Valtteri Bottas Cadillac +1 Runde 19 Fernando Alonso Aston Martin +2 Runden DNF Lance Stroll Aston Martin Ausfall DNF Sergio Pérez Cadillac Ausfall DNF George Russell Mercedes Ausfall
Zu den Überraschungen des Wochenendes gehörten die beiden Halb-Belgier im Feld. Max Verstappen hatte sich mit einem geschickten Windschattenspiel in der Qualifikation an die Spitze katapultiert und verteidigte seinen Podestplatz im Rennen mit gewohnt kompromisslosem Angriffsmodus. Dem Red Bull fehlt zwar weiterhin etwas Leistung, doch der vierfache Weltmeister kompensiert das mit einem angepassten Fahrstil und neu entfachtem Ehrgeiz.
Dass im Auto mehr Potenzial steckt, unterstrich auch Teamkollege Isack Hadjar: Der Franzose kämpfte sich vom Ende des Feldes bis auf Rang sechs vor.
Das Podium in Spa Francorchamps: Verstappen, Antonelli, Leclerc (von links)
Auch Lando Norris, dessen Mutter Belgierin ist, bewies, dass mit ihm trotz eines derzeit nicht ganz konkurrenzfähigen McLaren zu rechnen bleibt. Teamkollege Oscar Piastri wurde zwar Fünfter, doch Norris hatte den papayafarbenen McLaren überraschend auf Startplatz drei gestellt. Wegen eines Teilewechsels musste er allerdings zehn Plätze nach hinten.
Wie Verstappen lauert auch Norris hinter der Spitze auf seine Chance – vorausgesetzt, die Technik spielt endlich mit.
Sollte sich das Kräfteverhältnis von Spa-Francorchamps – der längsten und vielleicht anspruchsvollsten Strecke des Kalenders – auf die kommenden Rennen übertragen lassen, läuft die Formel 1 nicht auf ein klassisches Duell, sondern auf einen Vierkampf um den Titel hinaus.
Entscheidend wird dabei das Rennen zwischen den Rennen: Wer seine technischen Updates zur richtigen Zeit bringt und sie am effizientesten auf die Strecke bringt, dürfte am Ende die besten Karten im Titelkampf besitzen.
Charles Leclerc
Formel-1-WM 2026 – Fahrerwertung nach GP Belgien: Antonelli baut die Führung aus