Formel 1 Grand Prix Monaco: Sonne über Kimi, Schatten über Monaco
Elmar Brümmer | 09.06.2026
Die Rückkehr der Formel 1 nach Europa bringt alles mit, was Monte Carlo auszeichnet: viel Glamour, wenig Renn-Action, grosses Chaos. Vor allem aber den jüngsten Sieger der Geschichte des Strassenrennens von Monaco: Kimi Antonelli, 19 Jahre und 256 Tage alt, hat im sechsten WM-Lauf der Saison zum fünften Mal in Folge gewonnen.
Sechster Sieg für Mercedes in Folge, der fünfte für Kimi Antonelli
Mit seinem Triumph vor Rekordchampion Lewis Hamilton hat Antonelli bewiesen, dass er das Zeug zum Champion hat. Dreimal starten müssen und dreimal die Nerven zu behalten, obwohl der Start die einzige Schwäche an seinem Silberpfeil zu sein scheint und dabei jedes Mal den drängenden Ferrari hinter sich – das ist der Ausdruck grösster Abgeklärtheit.
Tapfer versucht der Mercedes-Pilot jegliche WM-Chancen zu verleugnen, obwohl er mit 66 Punkten vor Hamilton führt. Auch mit dem Druck geht der Italiener auf seine Art um: «Ich kann doch gar nichts verlieren, was ich noch nicht gewonnen habe.»
Ergebnisse des Grand Prix von Monaco
Rang | Fahrer | Team | Zeit/Rückstand
1 | Kimi Antonelli | Mercedes | 2:23:31.243
2 | Lewis Hamilton | Ferrari | +6.271 s
3 | Isack Hadjar | Red Bull Racing | +23.394 s
4 | Oscar Piastri | McLaren | +24.261 s
5 | Liam Lawson | Racing Bulls | +26.553 s
6 | Arvid Lindblad | Racing Bulls | +29.010 s
7 | Pierre Gasly | Alpine | +30.369 s
8 | Alexander Albon | Williams | +33.413 s
9 | Esteban Ocon | Haas | +37.140 s
10 | Fernando Alonso | Aston Martin | +41.899 s
11 | Gabriel Bortoleto | Audi | +42.748 s
12 | George Russell | Mercedes | +43.353 s
13 | Nico Hülkenberg | Audi | +44.102 s
14 | Franco Colapinto | Alpine | +48.964 s
15 | Sergio Pérez | Cadillac | +1 Runde
16 | Charles Leclerc | Ferrari | +1 Runde
17 | Carlos Sainz | Williams | +1 Runde
18 | Lando Norris | McLaren | +2 Runden
Ausfälle (DNF)
-- | Max Verstappen | Red Bull Racing | Motorschaden (Runde 1)
-- | Valtteri Bottas | Cadillac | Bremsproblem
-- | Lance Stroll | Aston Martin | Unfall
-- | Yuki Tsunoda | Haas | Unfall
-- | Oliver Bearman | Ferrari | Unfall
Siegertaufe für Kimi Antonelli
Wo ein strahlender Sieger ist, findet sich aber auch viel Schatten. Vier Fahrer, die allesamt Monte Carlo ihren Wohnort nennen, mussten mit hängenden Köpfen den Heimweg antreten, der immerhin kurz war – auch im Verhältnis zu ihren fortgesetzten Leiden.
Charles Leclerc verursachte den zwischenzeitlichen Rennabbruch zwölf Runden vor Schluss, als er seinen Ferrari in die Barrieren setzte – Bremsversagen. Der gebürtige Monegasse tobte schon über Boxenfunk: «Die Schuld dafür nehme ich ganz sicher nicht auf mich.» Der verlorene dritte Platz wäre ohnehin nur ein Trostpflaster gewesen, denn Teamkollege Hamilton hatte nicht nur im Qualifikationsduell zum 3:3 ausgeglichen, sondern lag auch vor Leclerc.
Der hatte vor dem Wochenende noch seinen Vertrag bis in die Dreissiger Jahre verlängert bekommen, und gilt damit als Ferrari-Mann der Zukunft. Das kam überraschend, denn beide Seiten müssen sich fragen, ob sie zusammen wirklich (und endlich) das Ziel WM-Titel erreichen können.
Stand der Fahrerwertung der Formel-1-Weltmeisterschaft 2026 Rang | Fahrer | Team | Punkte 1 | Kimi Antonelli | Mercedes | 156 2 | Lewis Hamilton | Ferrari | 90 3 | George Russell | Mercedes | 88 4 | Charles Leclerc | Ferrari | 75 5 | Oscar Piastri | McLaren | 60 6 | Lando Norris | McLaren | 58 7 | Max Verstappen | Red Bull Racing | 43 8 | Oliver Bearman | Haas | 39 9 | Arvid Lindblad | Racing Bulls | 30 10 | Isack Hadjar | Red Bull Racing | 28
George Russell auf seinem 13. Platz kann ähnlich wie Leclerc über eine verpatzte Boxenstrategie lamentieren, aber Tatsache ist auch, dass der Brite einmal mehr im entscheidenden Moment nicht die Leistung abrufen kann, zu der Antonelli im – identischen – Auto fähig ist.
Dem Briten fehlt nicht viel, aber eben das entscheidende Bisschen auf den internen Rivalen, der längst der Mercedes-Liebling ist. Russell vermisst das nötige Glück, aber vielleicht auch das Selbstbewusstsein, das bei Antonelli zunehmend zu wachsen scheint: «Ich weiss wirklich nicht, was gerade läuft.»
Lando Norris ist neben Max Verstappen (für den mit einem gestorbenem Motor schon früh alles vorbei war) der Fahrer, der sich so gar nicht mit der neuen Fahrzeuggeneration anfreunden kann. Das hilft dem Titelverteidiger aber nicht, steht ihm vielleicht sogar im Weg. Der Brite musste beim 1000. Formel-1-Rennen von McLaren nach 43 von 78 Runden einen technischen Schaden hinnehmen, nachdem er aber ohnehin schon in der Anfangsphase kein Land mehr gesehen hatte.
Daraus ist inzwischen ein menschlich-sportlich-technisches Stimmungstief geworden, seit er hinter dem Teamkollegen Oscar Piastri auf Platz sechs der Gesamtwertung zurückgefallen ist. Da braucht einer dringend ein echtes Erfolgserlebnis.
Konstrukteurswertung der Formel-1-Weltmeisterschaft 2026
Rang | Team | Punkte 1 | Mercedes | 244 2 | Ferrari | 165 3 | McLaren | 118 4 | Red Bull Racing | 72 5 | Alpine | 41 6 | Racing Bulls | 39 7 | Haas F1 Team | 21 8 | Williams | 11 9 | Audi | 2 10 | Aston Martin | 1
Das trifft mindestens genauso auf Nico Hülkenberg zu. Der deutsche Audi-Pilot, der auf den undankbaren elften Platz abonniert war, hatte sich am Ende des chaotischen Rennens auf den neun Rang vorschieben können und damit unter den Augen des Audi-Vorstandschefs Gernot Döllner endlich seine ersten Punkte einfahren können.
Dann machte ihm eine umstrittene Zehn-Sekunden-Strafe für das Verursachen einer Kollision den kleinen Triumph zunichte. Zumal auf einer Strecke, auf der das in Hinwil neuformierte Werksteam eine seiner besten Chance auf Erfolg hatte, da die Motorleistung bei der Hafenrundfahrt nicht so entscheidend ist.
Audi braucht, auch wenn offiziell von einer «steilen Lernkurve» gesprochen wird, dringend Zählbares. Nicht nur fürs WM-Konto, sondern auch fürs Ego. Denn das fährt immer mit – siehe Siegertyp Antonelli.