Silverstone verbuchte die grösste Kulisse, die je am Geburtsort der Formel 1 einen Grand Prix verfolgt hat – und die insgesamt 560‘000 Besucher am Rennwochenende kamen ordentlich auf ihre Kosten.
Der erste Triumph von Charles Leclerc seit dem Oktober 2024 zeigt, dass Branchenführer Mercedes alles andere als unverwundbar ist. Im Gegenteil: Kimi Antonelli, das Wunderkind an der WM-Spitze, wird durch technische Probleme und eine dumme Zeitstrafe zum zweiten Mal um alle Punkte gebracht. Damit hat der Italiener nur noch den Punktevorsprung eines Rennsieges. Aber nicht nur der glückliche George Russell macht Druck, sondern vor allem Ferrari.
Aber Antonelli ist ein Kämpfer, das hat er am Ende gezeigt, als seine vermeintlich erfolgreiche Aufholjagd gegenüber Charles Leclerc jäh von einer defekten Räderabdeckung gestoppt wurde. Mit einem lädierten Auto blieb er gegen den Rat des Kommandostands draussen, wollte einen Ehrenpunkt, wurde aber wegen des zu häufigen Überschreitens der Streckenbegrenzung durch eine Zeitstrafe um den Mindestlohn gebracht.
«Das gibt mir zusätzliche Motivation, um stärker zurückzukommen», sagt der 19-Jährige. Wie stark sein Willen ist, hatte er bereits samstags mit seinem überlegenen Sprint-Sieg und der Pole-Position trotz schwieriger Umstände gezeigt. Seinem Rennfahrerherz scheint es Spass zu machen, dass die Dinge in der Weltmeisterschaft sich zuspitzen.
Rot gegen Silber, das grosse Duell der Vergangenheit, wird neu belebt. Fast hätte Ferrari sogar einen Doppelerfolg eingefahren, wie bei Leclercs letztem Sieg in Austin, aber Lewis Hamilton wurde während der späten Neutralisierung zum Opfer eines zu optimistisch geplanten Reifenwechsels – so verlor er nicht nur die Chance auf den Sieg, sondern auch den zweiten Platz.
Intern werden bei der Scuderia die Karten neu gemischt, nachdem sich Leclerc von den Fahrzeugeinstellungen Hamiltons gelöst hat und fortan seinen eigenen Weg gehen will. Auch das wird spannend, vor allem für Scuderia-Chef Fred Vasseur. Der ehemalige Sauber-Teamleiter scheint auf dem richtigen Weg, auch was die Entwicklungsschritte angeht. Schon fordert ihn Hamilton heraus, der unbedingt seinen achten Titel holen will: «Es gibt noch ein bisschen was zu tun.» Er weiss natürlich, dass der interne Konkurrent durch den Erfolg ausgerechnet auf britischem Boden an psychologischem Momentum gewonnen hat.