Formel 1 Grand Prix Silverstone: Chaos, Comebacks, Knalleffekte

Elmar Brümmer | 06.07.2026

Der neunte WM-Lauf in Silverstone macht die Saison wieder richtig spannend, weil sich am Ende eine Menge Dramen abspielten. Genau das also, was den Zauber der Königsklasse ausmacht.

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Charles Leclerc, Ferrari

Silverstone verbuchte die grösste Kulisse, die je am Geburtsort der Formel 1 einen Grand Prix verfolgt hat – und die insgesamt 560‘000 Besucher am Rennwochenende kamen ordentlich auf ihre Kosten.

Der erste Triumph von Charles Leclerc seit dem Oktober 2024 zeigt, dass Branchenführer Mercedes alles andere als unverwundbar ist. Im Gegenteil: Kimi Antonelli, das Wunderkind an der WM-Spitze, wird durch technische Probleme und eine dumme Zeitstrafe zum zweiten Mal um alle Punkte gebracht. Damit hat der Italiener nur noch den Punktevorsprung eines Rennsieges. Aber nicht nur der glückliche George Russell macht Druck, sondern vor allem Ferrari.

Aber Antonelli ist ein Kämpfer, das hat er am Ende gezeigt, als seine vermeintlich erfolgreiche Aufholjagd gegenüber Charles Leclerc jäh von einer defekten Räderabdeckung gestoppt wurde. Mit einem lädierten Auto blieb er gegen den Rat des Kommandostands draussen, wollte einen Ehrenpunkt, wurde aber wegen des zu häufigen Überschreitens der Streckenbegrenzung durch eine Zeitstrafe um den Mindestlohn gebracht.

«Das gibt mir zusätzliche Motivation, um stärker zurückzukommen», sagt der 19-Jährige. Wie stark sein Willen ist, hatte er bereits samstags mit seinem überlegenen Sprint-Sieg und der Pole-Position trotz schwieriger Umstände gezeigt. Seinem Rennfahrerherz scheint es Spass zu machen, dass die Dinge in der Weltmeisterschaft sich zuspitzen.

Rot gegen Silber, das grosse Duell der Vergangenheit, wird neu belebt. Fast hätte Ferrari sogar einen Doppelerfolg eingefahren, wie bei Leclercs letztem Sieg in Austin, aber Lewis Hamilton wurde während der späten Neutralisierung zum Opfer eines zu optimistisch geplanten Reifenwechsels – so verlor er nicht nur die Chance auf den Sieg, sondern auch den zweiten Platz.

Intern werden bei der Scuderia die Karten neu gemischt, nachdem sich Leclerc von den Fahrzeugeinstellungen Hamiltons gelöst hat und fortan seinen eigenen Weg gehen will. Auch das wird spannend, vor allem für Scuderia-Chef Fred Vasseur. Der ehemalige Sauber-Teamleiter scheint auf dem richtigen Weg, auch was die Entwicklungsschritte angeht. Schon fordert ihn Hamilton heraus, der unbedingt seinen achten Titel holen will: «Es gibt noch ein bisschen was zu tun.» Er weiss natürlich, dass der interne Konkurrent durch den Erfolg ausgerechnet auf britischem Boden an psychologischem Momentum gewonnen hat.

Formel 1 Grand Prix von Grossbritannien in Silverstone, 
9. Lauf zur Formel-1-Weltmeisterschaft

Rang

Fahrer

Team

Zeit

1

Charles Leclerc

Ferrari

1:27:11.335

2

George Russell

Mercedes

+0.427 s

3

Lewis Hamilton

Ferrari

+0.772 s

4

Lando Norris

McLaren

+1.149 s

5

Isack Hadjar

Red Bull Racing

+1.598 s

6

Liam Lawson

Racing Bulls

+2.040 s

7

Arvid Lindblad

Racing Bulls

+2.298 s

8

Gabriel Bortoleto

Audi

+2.473 s

9

Franco Colapinto

Alpine

+3.239 s

10

Pierre Gasly

Alpine

+3.491 s

11

Oscar Piastri

McLaren

+4.087 s

12

Carlos Sainz

Williams

+4.579 s

13

Oliver Bearman

Haas

+5.241 s

14

Esteban Ocon

Haas

+5.544 s

15

Sergio Pérez

Cadillac

+7.445 s

16

Kimi Antonelli

Mercedes

+1 Runde

17

Valtteri Bottas

Cadillac

+1 Runde

18

Fernando Alonso

Aston Martin

+1 Runde

19

Lance Stroll

Aston Martin

+1 Runde

DNF

Max Verstappen

Red Bull Racing

Unfall

DNF

Alexander Albon

Williams

Ausfall

DNF

Nico Hülkenberg

Audi

Technischer Defekt

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So wie Leclerc seine Chance genutzt hat, konnte das mit reichlich Glück auch George Russell bei Mercedes tun. Zweiter im Rennen und Zweiter in der WM-Tabelle, dass ist mehr, als er noch zur Mitte des von ihm bislang so ungeliebten Heimrennens erwarten konnte.

Aber in dieser Formel 1 kann alles passieren, bei Mercedes allerdings auch unfreiwillig: das anfänglich so überlegene technische Paket ist offenkundig auch das anfälligste, weshalb Teamchef Toto Wolff von einem bittersüssen Rennen spricht. Ausfälle, die seiner Meinung nach nicht passieren dürfen, denn: «Ferrari ist ein echter Gegner.»

Einmal mehr kämpft Max Verstappen nach einem Zwischenhoch in Spielberg wieder gegen sein Auto. Der spektakuläre Abflug ins Kiesbett kurz vor Schluss, als er einen Podiumsplatz zum Greifen nah wähnte, wurde durch einen defekten Heckflügel hervorgerufen. Das ist nicht nur gefährlich, sondern auch demoralisierend.

«Das darf einfach nicht sein», klagt der Niederländer, der ziemlich genervt davon ist, mit immer wieder neuen technischen Problemen konfrontiert zu werden. Es wird den Gerüchten neue Nahrung geben, dass er Red Bull Racing bald verlassen könnte. Diese Saison nimmt gerade erst richtig Fahrt auf – auf der Strecke, im Fahrerlager und in den Rennfabriken.

Stand der Fahrerwertung nach dem 9. Lauf 


RangFahrerTeamPunkte
1Kimi AntonelliMercedes179
2George RussellMercedes154
3Lewis HamiltonFerrari147
4Charles LeclercFerrari108
5Lando NorrisMcLaren97
6Oscar PiastriMcLaren82
7Max VerstappenRed Bull Racing76
8Isack HadjarRed Bull Racing52
9Pierre GaslyAlpine42
10Liam LawsonRacing Bulls39
11Arvid LindbladRacing Bulls20
12Oliver BearmanHaas18
13Franco ColapintoAlpine18
14Gabriel BortoletoAudi6
15Carlos SainzWilliams6
16Alexander AlbonWilliams5
17Esteban OconHaas3
18Fernando AlonsoAston Martin1
19Nico HülkenbergAudi0
20Valtteri BottasCadillac0
21Sergio PérezCadillac0
22Lance StrollAston Martin0


Fotos: Ferrari

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