Formel 1 Grand Prix von Kanada: Bei Mercedes fliegen die Fetzen

Elmar Brümmer | 25.05.2026

Der Grosse Preis von Kanada ist erst der fünfte WM-Lauf der Saison, aber schon schnellen die Blutdruckwerte am Kommandostand von Mercedes in den kritischen Bereich. Und das, obwohl Kimi Antonelli als Aufsteiger der Saison gerade seinen vierten Sieg in Folge feiern konnte und die WM-Gesamtwertung mit 43 Zählern Vorsprung vor dem Teamkollegen George Russell anführt.

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Packender Zweikampf an der Spitze. In dieser Momentaufnahme Russell vor Antonelli

Das interne Duell ist noch keine Intimfeindschaft, wie sie zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg geherrscht hat, aber die Auseinandersetzung hat das Potenzial dazu. Schliesslich geht es zwischen den beiden Mercedes-Chauffeuren nicht einfach nur darum, wem die nächste Kurve gehört. Die grössere Fragestellung dahinter lautet: Wem gehört die Zukunft?

Das erklärt, warum der 19 Jahre alte Italiener und der ursprünglich für die Führungsposition vorgesehene Brite, 28, auf der Piste so aufeinander losgehen. Beim Sprintrennen in Montreal gerieten sie zweimal heftig aneinander, berührten sich einmal und hätten sich nicht beschweren dürfen, wenn beide von der Strecke geflogen wären. Genau darauf lauert die Konkurrenz, die den Silberpfeilen technisch bislang nicht beikommen konnte.

Über die direkte Auseinandersetzung kochen auch die Emotionen hoch, Antonelli forderte nach dem Rempler Russells sogar eine Bestrafung durch die Rennleitung und warf dem Kollegen einen Verstoss gegen interne Absprachen vor. Irgendwann schaltete sich Teamchef Toto Wolff ein und verbat dem Heisssporn den Mund.

Grosser Preis von Kanada: die Top 10


Rang 

Fahrer

Team

Zeit

1

Kimi Antonelli

Mercedes

1:28:15.758

2

Lewis Hamilton

Ferrari

+10.768 s

3

Max Verstappen

Red Bull Racing

+11.276 s

4

Charles Leclerc

Ferrari

+15.944 s

5

Isack Hadjar

Red Bull Racing

+21.337 s

6

Franco Colapinto

Alpine

+24.882 s

7

Liam Lawson

Racing Bulls

+27.104 s

8

Pierre Gasly

Alpine

+31.556 s

9

Carlos Sainz

Williams

+36.901 s

10

Oliver Bearman

Haas

+42.773 s

Das gleiche Spiel dann im Grand Prix. Wieder die beiden Mercedes-Fahrer vorneweg, und fortan jede Runde mindestens eine Attacke. Häufig auch ein Positionswechsel. Mal Russell vorn, mal Antonelli, ein munteres Wechselspiel, dass die Zuschauer begeisterte.

Natürlich sollte es nicht lange dauern, bis das Limit des ordentlichen Miteinanders auf der ohnehin schwierigen Piste auf der Ile Notre-Dame erreicht war. Bei einem Verbremser Antonellis wäre es fast zu einer Kollision gekommen, anschliessend kürzte der Angreifer die Schikane ab und setzte sich an die Spitze. Daraufhin pfiff ihn die Box zurück, was neuerliches Protestgeheul auslöste. Diesmal wurde es, so rau ist der Ton aus gutem Grund geworden, per Funkbotschaft unterbunden: „Wir wollen, dass euer Rennen sauber bleibt. Sonst müssen wir euch stoppen." Gestoppt wurde das Duell dann vor der Rennmitte leider durch einen Blackout des Mercedes-Motors im Wagen von Russell.

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Wieder auf dem Podium: Lewis Hamilton (links), rechts Sieger Antonelli

Aber das Duell wird mit unverminderter Härte weitergehen. Antonelli hat nun stattliche 43 Punkte Vorsprung. Für das Gesamtgebilde Mercedes, das für den Erfolg in der lukrativen Konstrukteurs-Wertung zwei starke Fahrer benötigt, wird es nur dann schwierig, wenn einer der beiden im grundsätzlich schwierigen Verhältnis zweier leistungsstarker Teamkollegen das Vertrauen verliert.

Friedensrichter Wolff darf daher keinen der beiden bevorzugen, es sei denn, dass sich einer als alleiniger Titelkandidat herauskristallisiert. Eine Stallorder wie im Vorjahr bei McLaren zu Gunsten des späteren Champions Lando Norris soll es bei ihm nicht geben.

Die Top 10 der Fahrwertung nach 5 von 22 Rennen


Rang 

Fahrer

Team

Punkte

1

Kimi Antonelli

Mercedes

131

2

George Russell

Mercedes

88

3

Charles Leclerc

Ferrari

75

4

Lewis Hamilton

Ferrari

72

5

Lando Norris

McLaren

58

6

Oscar Piastri

McLaren

48

7

Max Verstappen

Red Bull Racing

43

8

Pierre Gasly

Alpine

20

9

Oliver Bearman

Haas

18

10

Liam Lawson

Racing Bulls

16

Vielmehr goutiert der Österreicher die hohe kämpferische Komponente der Auseinandersetzung: «Wenn beide so hart um den Weltmeistertitel kämpfen, darf man nicht erwarten, dass einer den anderen vorbeiwinkt. Vielleicht erinnern uns alle solche Situationen aber auch daran, wo unsere gemeinsamen Ziele liegen.» Antonelli ist keiner, der so schnell klein bei gibt, das liegt auch am jugendlichen Ungestüm. Aber er spürt, dass es auch um eine grundlegende Position geht, die er nun manifestieren kann, wo er sportlich den Lauf hat.

Beinahe unschuldig, aber tatsächlich mit handfester Psychologie fordert er mehr «Klarheit». George Russell, der aus seiner unerwarteten Aussenseiterposition nun das meiste herausholen muss, schliesslich sitzt auch er im überlegenen Auto, hat kein Problem mit der Härte bei den internen Positionskämpfen: «Ich liebe das, denn darum geht es doch beim Rennfahren. Ich wüsste auch nicht, was ich an diesem Wochenende hätte besser machen können.» Ausser gewinnen natürlich, denn dann wäre er jetzt lediglich elf Zähler zurück.

Vom 5. bis 7. Juni geht die Show beim Grand Prix von Monaco in Monte Carlo weiter.

Fotos: Mercedes-Benz

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