Elmar Brümmer | 26.10.2026
Kimi Antonelli fehlt nur noch ein kleiner Schritt zum Formel-1-Weltmeistertitel. Beim Grossen Preis der USA in Austin dominierte der Mercedes-Pilot das Geschehen und feierte seinen neunten Saisonsieg. Damon Hill, selbst einst Weltmeister, staunte über die Vorstellung des Italieners: «Kimi muss denken, dass Formel-1-Fahren ganz einfach ist.»
Antonelli hatte sich bereits mit einer einzigen schnellen Runde die Pole-Position gesichert. Im Rennen kontrollierte er das Geschehen und verwies Charles Leclerc im Ferrari mit 13.078 Sekunden Vorsprung auf Rang zwei. Max Verstappen komplettierte das Podium. Es war ein Wochenende, an dem Antonelli seine derzeitige Überlegenheit eindrucksvoll unter Beweis stellte.
Beim Grossen Preis von Mexiko-Stadt am kommenden Sonntag kann der 20-Jährige den Titel perfekt machen. Zwei weitere Punkte genügen ihm, um als jüngster Weltmeister der Formel-1-Geschichte in die Annalen einzugehen. Zugleich wäre er der erste italienische Champion seit Alberto Ascari 1953. George Russell und Lewis Hamilton besitzen nur noch theoretische Chancen, Antonelli abzufangen.
Der Druck scheint den Mercedes-Junior allerdings kaum zu beschäftigen. Statt auf Sicherheit zu fahren, sucht er weiterhin das bestmögliche Ergebnis. Diese Mischung aus Tempo und Nervenstärke zeichnet ihn aus. Mercedes hat stets an das Ausnahmetalent geglaubt – in Austin lieferte Antonelli erneut Argumente dafür, dass diese Zuversicht berechtigt ist.
Besonders stolz war er auf ein Detail, das auf den ersten Blick unscheinbar wirkt: «Ich habe lediglich einmal die Streckenbegrenzung überschritten.» In dieser Saison hatte er sich wiederholt durch Ausflüge über die weissen Linien Strafen eingehandelt. Diesmal blieb er besonders diszipliniert. «Diesmal war ich besonders sorgfältig», sagte er mit einem breiten Grinsen. Die Botschaft an sein Team war unmissverständlich: Auf ihn ist Verlass. Auch Mentor Toto Wolff zeigte sich beeindruckt: «Was für ein Junge.»
Dabei war der Sieg nicht nur eine Frage des Tempos. Antonelli brachte eine Ein-Stopp-Strategie ins Ziel, während mehrere Konkurrenten zweimal die Reifen wechselten. Selbst als Mercedes mit dem jüngsten technischen Upgrade zunächst nicht das erhoffte Potenzial ausschöpfen konnte, verlor der Italiener nicht das Vertrauen in die Entwicklungsrichtung. Ein Rückgriff auf die ältere Version kam für ihn nicht infrage.
Für Mercedes war der Erfolg deshalb mehr als ein weiterer Sieg. «Deshalb war dieser Sieg hier so wichtig für die ganze Mannschaft», erklärte Antonelli. In den vergangenen Wochen hatte sich im Team eine gewisse Unsicherheit breitgemacht. Ausgerechnet der jüngste Fahrer gab mit seiner Leistung wieder die Richtung vor.
«Schön, dass ich wieder hier oben bin», sagte Antonelli nach seinem ersten Sieg seit Mitte September. Seine Coolness erinnert an seinen Namensvetter Kimi Räikkönen: wenig Aufhebens, klare Leistung. Noch ist die WM nicht entschieden. Doch wenn Antonelli in Mexiko die letzten nötigen Punkte sammelt, wird aus der beinahe vollendeten Pflicht der historische Triumph.