Elmar Brümmer | 28.09.2026
George Russell meldet sich im WM-Kampf zurück. Nach sechs Rennen ohne Sieg gewann der Mercedes-Pilot den Grossen Preis von Aserbaidschan und verkürzte seinen Rückstand auf Teamkollege Kimi Antonelli auf 66 Punkte. Der Italiener rettete sich nach einem Unfall im Qualifying und Startplatz 16 noch auf Rang fünf ins Ziel.
Russell dominierte das Rennen von der Pole-Position und sicherte sich neben seinem achten Grand-Prix-Sieg auch die schnellste Runde. Dennoch musste er bis ins Ziel um den Sieg zittern: Max Verstappen kam im Red Bull bis auf 0,196 Sekunden heran. Für Russell war es ein Befreiungsschlag – und offenbar auch eine Ansage an seinen Teamkollegen.
«Auf mir lastet weniger Druck als auf ihm», sagte der 28-Jährige nach dem Rennen. «Jetzt geht es ans Eingemachte.» Russell sieht sich nach schwierigen Monaten wieder auf Augenhöhe mit seinem Mercedes. Die Anpassung an die neuen Hybrid-Rennwagen habe ihn vor Herausforderungen gestellt. «Ich habe diesen Glauben an mich selbst nie verloren. Es war ja nicht so, dass ich plötzlich vergessen hätte, wie man fährt», sagte er. Über Funk dankte er seinen Renningenieuren sichtlich bewegt.
Antonelli erlebte dagegen sein bislang schwierigstes Wochenende der Saison. «Ich war einfach nicht richtig präsent und bin deshalb auch weniger Risiken eingegangen», räumte der WM-Leader ein. Anzeichen dafür, dass der 20-Jährige den Druck nicht mehr im Griff hat, gibt es allerdings nicht. Mit 66 Punkten Vorsprung bleibt seine Ausgangslage komfortabel.
Für Mercedes-Teamchef Toto Wolff könnte Russells Aufschwung dennoch zum Problem werden. Zwei Fahrer im selben Team, die um den WM-Titel kämpfen, kennt er aus den Zeiten von Lewis Hamilton und Nico Rosberg nur zu gut. Der interne Zweikampf könnte dem Saisonfinale damit zusätzliche Spannung verleihen.
Für Russell ist der Titel nach Baku zumindest wieder näher gerückt. Lewis Hamilton liegt nach Rang sechs bereits 103 Punkte zurück, Titelverteidiger Lando Norris verlor nach einer Kollision mit Franco Colapinto weitere Zähler und hat nun 116 Punkte Rückstand. Die britische «Daily Mail» formulierte es passend: Für den WM-Titel brauche Russell zwar noch ein Fernglas – «aber er ist nicht mehr ausser Sichtweite».
Baku war das 17. WM-Rennen der Saison. Wie viele Chancen Russell noch bleiben, den Rückstand von 66 Punkten auf Antonelli aufzuholen, hängt allerdings auch vom noch nicht endgültig geklärten Kalender ab: Sieben oder acht Rennen stehen möglicherweise noch aus. Für das WM-Duell ist dieser eine Grand Prix Unterschied durchaus relevant.