Elmar Brümmer | 14.09.2026
Die Formel 1 verlässt Europa – und Kimi Antonelli scheint die Konkurrenz gleich mit abgehängt zu haben. Beim ersten Grossen Preis von Spanien auf dem neuen Madring feierte der Italiener seinen achten Sieg im 14. WM-Lauf. Diesmal half allerdings Fortuna kräftig mit. Antonelli räumte selbst ein, dass der Sieg eigentlich Lando Norris gehört hätte.
Der McLaren-Pilot führte das Rennen, verlor aber während einer virtuellen Neutralisierung entscheidende Zeit beim Boxenstopp. Antonelli und Max Verstappen erwischten den richtigen Moment, Norris kam einen Tick zu spät. Ausgerechnet jener Norris, der in diesem Sommer gerade zum grossen Gegenschlag ansetzt, musste sich mit Rang drei begnügen.
Antonellis erster Verfolger ist Teamkollege George Russell. Doch auch er ist längst kein echter Herausforderer mehr: Nach Rang fünf in Madrid fehlen ihm 81 Punkte.
Lewis Hamilton, der seinen Ferrari wegen eines frühen Bremsdefekts abstellen musste, liegt bereits 101 Punkte zurück. Der siebenfache Weltmeister gratulierte seinem jungen Landsmann entsprechend frustriert: «Niemand wird ihn und Mercedes in diesem Jahr stoppen können.» Antonelli sieht das naturgemäss anders – und will weiter Druck machen: «Wir machen Druck bis zum Schluss.»
Für Norris war der Madring vor allem ein Lehrstück in Sachen Timing. Das Virtual Safety Car wird eingesetzt, wenn ein havariertes Auto geborgen werden kann, ohne das gesamte Feld wie beim Safety Car einzubremsen. Dass dabei ein Boxenstopp zum Volltreffer oder zum Desaster werden kann, gehört allerdings zum Spiel. Norris hat von dieser Regel schon selbst profitiert. Diesmal traf es ihn.
Die «Daily Mail» formulierte den Eindruck aus britischer Sicht etwas dramatischer: «Jedes Mal, wenn hinter dem Vorhang ein Schimmer aufblitzt, zieht Kimi Antonelli die Rollläden zu.» Ganz falsch liegt sie damit nicht.
Der 20-Jährige gewann in Madrid ein Rennen, das er ohne die unglückliche Neutralisierung für Norris vermutlich nicht gewonnen hätte. Nur: Antonelli ist keiner, der auf Geschenke angewiesen sein will. Er fährt bis zum Schluss am Limit und nimmt jede noch so kleine Chance mit. Genau diese Konsequenz macht ihn derzeit so schwer zu schlagen.
Norris hat sich diese Härte offenbar ebenfalls angewöhnt. Sein McLaren kommt zudem immer besser mit dem Mercedes-Leihmotor zurecht. Mercedes selbst wartet noch auf den nächsten Entwicklungsschub: Das erste grössere technische Update soll in den kommenden Rennen in Baku und Kuala Lumpur kommen.
Der neue Madring hinterliess bei seiner Premiere dennoch einen zwiespältigen Eindruck. Die Strecke ist schnell, Überholen aber schwierig – wenn auch nicht ganz so schwierig wie in Monte Carlo.
Befürchtete Massencrashs und Rennunterbrechungen blieben aus, der erste Spanien-GP in Madrid verlief insgesamt erstaunlich unspektakulär. Einen besonderen Auftritt hatte immerhin die 550 Meter lange Steilkurve «Monumental», flankiert von einer Tribüne für 45'000 Zuschauer. Für 2027 sind bereits Änderungen am Layout geplant. Dann soll eine neue Kurvenführung dafür sorgen, dass Überholen nicht allein eine Frage des Boxenstopps ist.
Bis dahin dürfte die spannendere Frage ohnehin eine andere sein: Wer soll Antonelli eigentlich noch stoppen?