Elmar Brümmer | 27.07.2026
Sommerpause. Formel-1-Spitzenreiter Kimi Antonelli hat nach den ersten elf Rennen der Saison nur noch eins im Sinn: «Schlafen!» Denn es ist nicht zu erwarten, dass dieses erste Rennjahr unter dem neuen Reglement in der zweiten Hälfte weniger anstrengend werden wird. Die Königsklasse rückt näher zusammen, das technische Entwicklungsrennen läuft auf vollen Touren. Eine Zwischenbilanz.
Wie schnell sich auch im Renngeschehen die Dinge wenden können, hat sich gerade in Ungarn gezeigt: Der klare Favorit Ferrari fuhr am Ende hinterher, Lando Norris im McLaren konnte seinen ersten Sieg mit der Nummer Eins auf dem Auto einfahren. Es gibt viele Plus-, aber auch ein paar Minuszeichen in der ersten Rennhalbzeitung. Das ist die Wertung der Automobil Revue.
+ Keine Frage, Andrea Kimi Antonelli hat einen Traumstart hingelegt. Mit je sechs Siegen und Pole-Positionen ist der erst 19 Jahre Italiener im Silberpfeil auf dem besten Weg, jüngster Weltmeister der Geschichte zu werden. Seine grösste Tugend: das Kämpferherz. Mercedes-Chef Ola Källenius erhebt ihn sogar zum Vorbild für den ganzen Konzern.
+ Lewis Hamilton hat sich nach einem Krisenjahr mit Ferrari versöhnt und endlich seinen ersten Sieg in Rot eingefahren – und darüber wieder die Lust am Rennfahren zurückgewonnen. Kassiert er künftig weniger Strafen, ist für ihn noch mehr drin, vielleicht sogar der achte Titel.
+ Isack Hadjar ist einer der ganzen wenigen Teamkameraden von Max Verstappen, der nicht an dem Niederländer zerbrochen ist. Im Gegenteil: der 21-Jährige wächst daran, und punktet regelmässig. Eine Nachwuchshoffnung nicht nur für Red Bull, sondern auch für die Rennnation Frankreich.
+ Audi schlägt sich als Neuling mit Sauber-Basis bislang ganz ordentlich, zuletzt konnte auch Nico Hükenberg erstmals punkten. Aber vom Konzern-Rennstall wird noch mehr erwartet. Entscheidend jetzt, ob Mattia Binotto die Dinge schon komplett im Griff hat. Entscheidend wird das Entwicklungsrennen sein.
+ Die bisherigen Grand Prix sind mit wenigen Ausnahmen um Klassen besser, als es die Pessimisten (auch die unter den Fahrern) wahr haben wollten. Überholt wird munter, mit unter sogar spektakulär – das war unter dem alten Reglement über lange Jahre schmerzlich vermisst worden.
- George Russell schien gesetzt als Nummer Eins bei Mercedes und in der Formel 1. Doch der Brite kommt mit seinem Silberpfeil nicht klar, hat viel technisches Pech, mit Antonelli den stärksten Teamkollegen – und braucht einen kompletten Neustart. Für den Briten steht die Karriere auf dem Spiel.
- Charles Leclerc teilt bis zu einem gewissen Grad das Russell-Schicksal, aber Ferrari hält dem schon lange als Kronprinzen vorgesehenen Monegassen noch die Treue. Einmal mehr bringt er nicht die nötige Konstanz für einen echten Spitzen-Piloten mit. Das gilt auch für die gesamte Scuderia.
- Oscar Piastri litt stärker unter der McLaren-Misere als Titelverteidiger Lando Norris, für den Australier geht es um das Vertrauen ins Auto und ins Team, immer wieder wird über einen Wechsel spekuliert. Aber erst muss er zurück zum Glauben an sich selbst finden.
- Williams liefert sich mit Aston Martin unfreiwillig einen Wettstreit darum, welches Traditionsteam am meisten enttäuscht. Von der britischen Herrlichkeit ist da nichts zu spüren. Immerhin: Aston Martin hat Designgenie Adrian Newey und bald einen neuen Honda-Motor.
- Das Unwort des Rennjahres heisst jetzt schon «Energiemanagement». Immer wieder werden die Piloten in voller Fahrt von den Tücken der E-Maschine und der Batterieladung unangenehm überrascht. Das verfälscht auch das Leistungsvermögen einiger Fahrer.
Fotos: Audi, Ferrari, Mercedes